Hostel (2005)

Eli Roth’s „Schocker“ ist nichts anderes als ein Ärgernis. Was wurde doch für ein Blabla um den Film abgehalten. Regisseur Eli Roth selbst wurde werbewirksam als „krank und pervers“ bezeichnet, sein Film als abstoßend. Andererseits sind viele von „Hostel“ begeistert und erkennen sogar Kapitalismus-kritische Tendenzen im Subtext des Brutalo-Streifens (wobei sich die Frage stellt: Welcher Subtext, zur Hölle??). Der Wirbel im Vorfeld des Erscheinens von „Hostel“ ist aber völlig unbegründet. „Hostel“ ist weder spannend, noch schockierend, noch psychologisch tiefgründig.  Roth hätte in seinem Film die Abgründe der menschlichen Natur aufzeigen und den Horror mehr im Kopf des Zuschauers entstehen lassen können, statt nach 45-Minuten Billig-Teenie-Softporno einen langweiligen, schemenhaft-flachen und prätentiösen Billig-Reißer abzuliefern. Nachdem das Kopulieren zu Beginn des Films nachher auch noch als der sogenannten „Story“ dienlich erklärt wird, gibt’s dann nach langem Warten einige wider Erwarten recht harmlose Folterszenen, die durch ihre explizite Darstellung auch noch den letzten Rest erhoffter Spannung im Keim ersticken, ja sogar lächerlich erscheinen. Im letzten Drittel des Films wird dann noch schön brav jedes erdenkliche Horrorfilm-Klischee abgearbeitet und das mehr als fragwürdige Selbstjustiz-Motiv taucht zu allem Überfluss auch noch auf. Na Dankeschön.
„Hostel“ ist nach dem mittelmäßigen „Cabin Fever“, der sich wenigstens selbst nicht ganz ernst nahm, der endgültige Beweis, dass Eli Roth einfach kein guter Regisseur ist, der auf spannende und in sich schlüssige Art eine gute Geschichte erzählt. Vielleicht ist „Hostel“ ja ein Zeichen der Selbsterkenntnis des Regisseurs: Man nehme eine hanebüchene Stroy, drehe einen schlechten Film, der aber genug Stoff zu Kontroversen bietet und schon fällt dem ohnehin doofen Kinobesuchern von heute das fehlende Talent der Filmemacher nicht mehr auf. Die Kassen klingeln, Ziel erreicht.
Neben der schlechten Inszenierung ist aber die moralische Komponente des Films am ärgerlichsten. Zugegeben, man sollte von einem gängigen Horror/-Gore/-Splatterfilm heutzutage keine hintergründige Botschaft erwarten, von einem Film mit solch einer thematischen Brisanz wie „Hostel“ allerdings schon: Dass es Menschen gibt mit abartigen, perversen und kranken Neigungen, ist kein Geheimnis, es begegnet uns fast täglich in den Nachrichten. Die Existenz einer „Einrichtung“, wie sie im Film dargestellt ist, ist auch gar nicht mal so unrealistisch, schließlich gibt es spirchwörtlich nichts, was es nicht gibt. Dass Eli Roth ein solches Szenario aber derart voyeuristisch, zur puren Unterhaltung und ohne auch nur den Hauch einer Stellungnahme darstellt, ja gegen Ende des Films, wie schon erwähnt, auch noch für Selbstjustiz zu plädieren scheint, macht „Hostel“ zu einem Indiz für die moralisch mehr und mehr verkümmernde Filmindustrie. Dabei sei zu daran zu erinnern, dass die Natur des Horrofilms ursprünglich durchaus zivilisationskritisch ist. Dazu zählen auch Machwerke der Kategorie des immer mal wieder indizierten „Zombie Holocaust“, die nicht nur schocken, sondern auch der Gesellschaft ihrer Zeit einen Spiegel vorhalten. Der Zombie-Film im Allgemeinen, sowie die frühen Horrorfilme wie z.B. „King Kong“ oder „Frankenstein“ können durchaus als historisch wertvolle filmische Zeitzeugnisse betrachtet werden. Welchem Horror-Machwerk von heute könnte man eine solche Rolle wohl zusprechen? Der, generalisierend gesagt, „Orientierungslosigkeit in einer globalisierten Welt“ ist unter Anderem vermutlich die wieder gewachsende Beliebtheit an Horror -bzw Splattermovies zuzusprechen. Filme, die einen ähnlichen Befreiungsschlag wie damals „King Kong“ bedeuten, gibt es sicherlich selten. „Hostel“ gehört jedenfalls nicht dazu, trotz vorhandendem Potenzial. Eine Identifizierung des Publikums wird hier scheinbar überhaupt nicht erst angestrebt.
Vielleicht ist dem Streifen durch meinen kleinen, zugegeben recht oberflächlichen Ausflug in die Geschichte des Horrorfilms auch wieder zu viel Bedeutung beigemessen. Man sollte „Hostel“ wahrscheinlich einfach unter der Kategorie „handwerklich und inhaltlich schlechter Film“ abheften, vergessen und hoffen, dass Tarantino in Zukunft nicht noch öfter für solchen Schund seinen Namen hergibt. Obwohl, „Hostel 2“ gibt es ja auch schon. Wenigstens macht Roth mittlerweile als Bärenjude in „Inglorious Basterds“ eine wesentlich bessere Figur. Vielleicht hat er ja darin seine Bestimmung gefunden.

Wertung: 0.0 / 10

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