Kick-Ass (2010)

Jawoll, endlich wieder ein Film, der polarisiert! Dabei würde man das gar nicht erwarten, wenn man sich das Filmplakat oder einen der Trailer anschaut: Ein Superhelden-Flic mit einem Superhelden, der keiner ist? Und dann auch noch mit Nicholas Cage, der ja in letzter Zeit alles spielt, weil er ja bekanntlich pleiter ist als pleite? Das kann ja nur scheiße sein. Aber, Überraschung, ist es nicht. „Kick-Ass“ überfährt einen mit derben Humor und geschmacklosen Einfällen von der ersten bis zur letzten Sekunde und ist so ganz anders als man es erwarten würde. Die passende Tagline könnte lauten: „Was ist denn DA los?“. Genau das habe ich mich den ganzen Film über gefragt, und am Ende war ich auch nicht schlauer. Komischerweise hat mich das aber kein Stück gestört. Aber von vorne.

„Kick-Ass“ beginnt als scheinbar normale Highschool-Comedy a la „Superbad“ mit einem Durchschnittsloser, der ja eigentlich ganz cool ist, als Anti-Helden. Soweit, so unspektakulär. Spätestens aber wenn die Mutter des Helden plötzlich beim Frühstück den Löffel abgibt und ihr lebloser Kopf in die Cornflakes platscht, weiß man ungefähr, woher der Hase läuft. Im Anschluss an dieses durchaus amüsante Ableben wird die Krassheits-Schraube immer weiter angezogen, die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet, ganz nebenbei mit Nicholas Cages bester Performance seit „Lord of War“. Dabei ufert die Gewalt in diesem merkwürdigen Streifen immer mehr aus und wieder fragt sich der verwirrte Zuschauer: „Was ist denn DA los?“. Das ganze gipfelt natürlich vor dem fulminant-überzogenen Finale im Auftritt des erst 11-jährigen Hit-Girl, die mal eben im Namen der vermeintlichen Gerechtigkeit alle bösen Buben gnadenlos abmetzelt. Und zwar nach allen Regeln der blutigen Kunst! Selbstverständlich ist dies mehr als fragwürdig. Mit Hit-Girl steht und fällt der Film, ihr Charakter ist es, an dem sich die Geister scheiden dürften. Manch einer mag sich beim Zuschauen ihres Gemetzels unbehaglich fühlen, ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass Hit-Girl in einigen Szenen auf Manche sicherlich wirken könnte wie die ultimative Action-Superheldin für Pädophile. Man muss sich also entscheiden: Befinde ich diese explizite Gewaltdarstellung ausgeführt mitunter durch Minderjährige für gut oder nicht?

Man kann zu dem Schluss kommen, dass die Gewalt in „Kick-Ass“ deart übertrieben und, passend zum ganzen Rest des Films, realitätsfern dargestellt wird, dass sie nicht im negativen Sinne anwidert, sondern derart schockiert, dass sie schon wieder Spaß macht. Und Hit-Girl ist der Gipfel dieser Anhäufung von Übertreibungen. „Kick-Ass“ ist herrlich sinnfrei und bekloppt, und bekommt in all seiner Grenzwertigkeit immer gerade dann noch die Kurve, wenn man als Zuschauer geneigt ist, vor lauter Hirnrissigkeit aus dem Kino zu entfleuchen. Gerade in diesen Momenten überrascht „Kick-Ass“, am Ende erwischt man sich gar dabei, das Gehirn tatsächlich ausgeschaltet zu haben und mit dem Anti-Helden mitzufiebern, das Mädel zu kriegen und den Bösewichten ordnentlich in den Arsch zu treten. Der Titel ist also Programm, und die angebliche sozial-kritische Komponente darf, da schlichtweg nicht vorhanden, getrost vernachlässigt werden, denn dafür ist auch nach dem Kino noch Zeit.

Fazit: „Kick-Ass“ polarisiert und ist mit Sicherheit nicht jedermann’s Sache. Davon abgesehen wird hier aber Kino präsentiert, wie es in dieser Form noch nicht oder zumindest zu selten dagewesen ist. Die Versuche der letzten Jahre scheiterten zumeist kläglich, wie beispielsweise bei dem unverständlicherweise zum Erfolg gewordenen „Shoot ‚em Up“. „Kick-Ass“ stößt einen vor den Kopf, überrascht und unterhält dabei auf befremdliche Weise erstklassig. Und was zum Teufel ist da eigentlich los?

Wertung: 7,5/10

Dieser Beitrag wurde unter 7.5 / 10, Abenteuer, Action, Filmkritik, Komödie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Kick-Ass (2010)

  1. Miew schreibt:

    Den Film fand ich auch sehr spaßig. Hit-Girl ist da in der Tat das Salz in der Suppe, und die „kleineren Geschmacklosigkeiten“ wie der Tod beim Frühstück sind mehr zur Einstimmung.
    Letztlich ist mir aber auch der Hauptcharakter in seinem albernen Kostüm sehr sehr sympathisch. Oder der Sohn des Mafiabosses, der ständig hin und hergerissen wird, oder die Freunde mit ihren kleinen Nebenhandlungen. Diese Sachen machen den Film erst lebendig und heben ihn für mich vom Einheitsbrei ab.

    Ernsthaft betrachtet finde ich eigentlich nur den Schluss ein wenig Schade, wenn Kickass die 3 Leute mit der Minigun niedermäht. Er war ja den ganzen Film über derjenige mit den besten Prinzipien, einfach Leuten zu helfen, und nicht wie Big Daddy und Hit-Girl die Gegner niederzumetzeln. Immerhin war es in der Szene mehr oder weniger Notwehr, da die 3 sonst Hit-Girl getötet hätten.
    Trotzdem passend zum Thema, dass er dann am Ende fliegt wie ein echter Superheld.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s