Kick-Ass (2010)

Ausgestattet mit Matthew Vaughn als Regisseur, immerhin auch bekannt als Produzent von Juwelen wie „Snatch.“ und „Bube, Dame, König, GrAs“, sowie einer Menge Vorschusslorbeeren bzgl. einer Neudefinierung des gewaltverherrlichenden Action/Komödie-Genres, genießt „Kick-Ass“ bereits im Vorfeld einen hohen Status und erweckt gewisse Erwartungen. So lassen sich scheinbar neben der versprochenen Unterhaltung auch tiefergreifende Aspekte in den Film verarbeiten, wie bspw. fehlende Zivilcourage oder auch die Verschmelzung von Realität und Fiktion (sogar auch als Anspielung auf die bösen Killerspiele – man vergleiche die Egoshooter-Szene) unter der Fahne eines Superhelden Selbstjustiz zu üben, das ‚Böse‘ zu bekämpfen und auch bekämpfen zu dürfen. Das Potential ließe sich ausweiten. Neben den wichtigen Fragen der guten Erziehung, des Erwachsenwerdens, könnte eben die krasseste aller erdenklichen Gewalt in den Vordergrund gerückt werden, um so die Keule des erhobenen Zeigefingers mit einer guten Unterhaltung zu verbinden und so dem Zuschauer das kritische Hinterfragen selbst zu überlassen. Die Möglichkeiten des Films – unter Einschränkung der Comic-Vorlage (dessen Gestaltung ja auch variabler ausfallen kann) – bestehen demnach entweder aus gezielter, kompromissloser Unterhaltung mit passender musikalischer Untermalung zur Stärkung der Atmosphäre ala „Shoot em Up“ oder aber der konsequenten Gegenüberstellung von gewollt übertriebener, mit bissig-lustig-bizarren Dialogen ausgestatteter Splatterunterhaltung und eben der kritischen Auseinandersetzung mit den weiter oben beschriebenen tiefergehenden Problemen.

Doch ein Streifen wie Kick-Ass ist all das nicht. Die (hier fehlende) Konsequenz ist der zentrale Kritikpunkt, dem ein solcher Film standhalten muss um zu überzeugen. Während an dieser Stelle ein weiteres mal „Shoot em up“ hervorgehoben werden kann als Spaß-Mach-Film, der einem nunmal entweder aufgrund der geradlinigen, erwartungsgemäßen Darstellung einer One-Man-Show gefällt oder eben nicht, verkackt es Kick-Ass grade wegen der nicht vorhandenen, nicht explizierten Erwartungshaltung. Kick-Ass (auch der Protagonist) weiß nicht, was er ist, was er sein will und als was er verstanden werden will. Für eine Satire zu schwach, für eine Neudefinierung der Gewalt zu gewöhnlich (und daran ändert auch klein Hit-Girl mit ihrer arroganten Art Probleme gewaltätig lösen zu können nichts – auf die Spitze treibt sie es letztlich doch nicht, auch nicht in der ellenlangen Schlusssequenz, da das Töten bspw. nicht auf weitere, sadistische Ebenen ausgeweitet wird, sondern sich dagegen durchaus im Rahmen des Vorstellbaren bewegt) für moralische Auseinandersetzungen mit dem Tod und dessen Bezug, der vermeintlich guten Erziehung, des Erwachsenwerdens schlichtweg viel zu plump, einfach und inkonsequent (der schwarze Cop-Kollege von Cage spricht EIN MAL die womöglich falsche, verwerfliche Erziehung der kleinen Göre als Missbrauchsobjekt der Gewalt und Rache für die Machenschaften des trauernden Vaters um seine Frau an, woraufhin es dann im ganzen Film kein einziges Mal mehr der Erwähnung wert ist und es schließlich im neuen Schulbesuch der Kleinen gipfelt, indem ihre Schlagfertigkeit gewollt witzig mit knackenden Fingern inszeniert wird – dann hätte man die Vergangenheit der beiden „Superhelden“ auch ganz weglassen können und so halt nicht den Anschein erweckt, dass es ja ach so cool ist Probleme an Schulen mit Gewalt zu lösen. Auch hier fehlt die Konsequenz, es vielleicht wirklich zu überspitzen und damit einen gegenteiligen Effekt auszulösen, der die Handlung reflektiert) und für fiktive Ausflüge schlichtweg zu blöd (Die Möglichkeit wäre an der Stelle des Zeichnens des Drogenbarons von Cage möglich gewesen, was eine parallele Welt geschaffen hätte….aber nein, lediglich angedeutet und dann als Plakat an der Wand verkümmert…einfach so….unfassbar!). All das macht den Film weder lustig, noch anspruchsvoll, sondern ärgerlich. Humor wird erzeugt, sofern Erwartungen nicht erfüllt werden. Jedem Zuschauer ist vor und während eines Films eine wandelbare Erwartungshaltung zuzusprechen. Manche blenden den möglichen lehrreichen Aspekt von Kick-Ass aus und erleben eine durchschnittliche Action/Komödie vom Fließband ohne herausragende schauspielerische, aber auch technische Leistungen. Eben diese sehen eine scheinbar schlagfertige Heldin, die es dem bösen Drogenbaron mal so richtig zeigt und einen coolen Vater, der alles für seine Tochter tut und mit ihr zusammen das illegal-verdiente, dann von ihnen wiederum geklaute Geld für neue, total krass-geile Jetpack-Maschinengewehr-Systeme abgreift. Alles wie gesagt für die Rache! Für das Gute!

Ich dagegen als Zuschauer mit einer nicht erfüllten, weil fehlenden Erwartungshaltung, halte das für großen Schwachsinn. Schwachsinn weil inkonsequent inszeniert. Schwachsinn weil viel zu lang (muss denn mittlerweile die überwiegende Anzahl an Filmen fast 20 Minuten Überlänge haben?) – das liegt womöglich auch an dem wenigen Mitgefühl, was die Charaktere zu vermitteln wussten. Letztlich ein ärgerlicher Schwachsinn, weil ein Möchtergern-Superhelden-Junge mit einer Schwulenmasche tatsächlich die Freundin bekommt. Mehr Klischee als Rahmenhandlung zu integrieren und diese dann einfach so vor sich hinplätschern zu lassen ohne auch nur den Hauch einer Kritik zu äußern lässt „Kick-Ass“ zu einem Red Mist verkümmern, der doch nur ein reicher, mit Komplexen ausgestatteter Abkömmling inklusive dicker Karre ist, dem es an Oberflächlichkeit garantiert nicht mangelt.

Wertung: 2.5 / 10

Andere, von uns geschätzte Worte zu diesem Film:

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