London to Brighton (2006)

Auf dem DVD-Cover wird „London to Brighton“ als „Britisches Kino wie es spannender kaum geht“ beworben. Tatsächlich ist der Thriller, in dem Hure Kelly (hervorragend: Lorraine Stanley) im letzten Moment ein Straßenkind aus den Klauen eines reichen Perverslings rettet und fortan auf ihrer Flucht von London nach Brighton von den wahrscheinlich übelsten Typen Englands verflogt wird, spannend und mit einer Laufzeit von nur knapp 85 Minuten ebenso kurzweilig. Betrachtet man die recht explizit dargestellte Brutalität, mit der die Jäger des ungewöhnlichen, Mutter-Kind-ähnlichen Duos vorgehen, ist es umso erstaunlicher, dass die heikle Szene, in der sich die gerade mal 12-jährige Joanne im Schlafzimmer des Perversen befindet, nur angedeutet wird. Eine explizitere Darstellung der ohnehin schon schwer erträglichen und eigentlich überflüssigen Szene wäre untragbar gewesen.
Trotz all des angestrebten Realismus und aller Gewalt lässt einen die Story jedoch seltsam kalt. Was man geboten bekommt, ist eine atemlose Flucht mit allzu vorhersehbarem Ende, und eine nur oberflächliche Charakterstudie. Über die Beweggründe der Charaktere bzw deren Schicksal erfährt man gerade soviel, um den Verlauf des Plots nachvollziehen zu können. Für einen Film mit solch einer thematischen Brisanz ist das jedoch viel zu wenig. „London to Brighton“ scheint auf den ersten Blick viel zu wagen, traut sich aber letztenendes doch nicht wirklich, das grob angeschnittene Thema am Schopf zu packen und kratzt lediglich vorsichtig an dessen Oberfläche herum. Auf den ersten Blick ehrlich, ist er im Endeffekt doch verlogen und benutzt seine erschreckende Story lediglich als Aufhänger für eine auf Spannung getrimmte Hetzjagd. Tiefere Milieu-Einblicke wären wünschenswert gewesen, stattdessen begnügt sich Regisseur Paul Andrew Williams damit, seine überwiegend schemenhaft-stereotypen Charaktere möglichst oft das böse F-Wort sagen zu lassen. Einzig die Figur der Kelly ragt aus dem kriminellen Einheitsbrei heraus. Generell sind die Dialoge platt, und die deutsche Synchronisation, wie der reißerische Untertitel „Gejagte Unschuld“ vermuten lässt, ist eine einzige Katastrophe.
Als brutaler Thriller funktioniert „London to Brighton“ durchaus, wer jedoch ein tiefgründiges Drama erwartet, wird enttäuscht.

Wertung: 6,5/10

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