Brick (2005)

Eine Detektivstory auf der Highschool? Ich war auf alles gefasst, aber nicht auf das, was ich letztlich zu sehen bekam. „Brick“ lässt sich keinesfalls in eine Schubalde mit halbgaren Seifenoper-Highschool-Krimis stecken, die mit hölzerner Story und noch weniger überzeugenden Jungschauspielern, die nichts können als gut aussehen, aufwarten. Nein, „Brick“ ist anders. So wie sein Protagonist Brendan (Joseph Gordon-Lewitt), ein seltsamer Einzelgänger, der jeden Tag die selben Klamotten trägt und mit geneigtem Kopf und den Händen in den Taschen seiner beigen Jacke durch die Gegend schlurft. Nach einem Anruf seiner Ex-Freundin Emily, die ihm aus einem unerfindlichen Grund um Hilfe bittet, ändert sich für Brendan alles: Bei der Suche nach Emily, die er wenig später tot auffindet, gerät er immer tiefer in ein scheinbar undurchdringliches Netz aus Lügen, Drogen und im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen Typen, die sogar noch seltsamer sind als er selbst.
Mehr kann man über die Story nicht sagen, und ähnlich wie beim artverwandten „Donnie Darko“ weiß man am Ende auch nicht so wirklich, worum es eigentlich ging und was zum Teufel denn da jetzt eigentlich los war. Der Grund für diese ganze Verwirrung ist gleichzeitig auch die große Stärke des Films: „Brick“ ist grandios bebildert, hemmungslos wird sich Zeitsprüngen und plötzlichen Szenewechseln bedient, das inszenatorische Spiel mit Licht und Schatten sowie schnellen Schnitten und fantastischen Kamerafahrten ist faszinierend. Technisch beeindruckend, ja nahezu perfekt, krankt der Mystery-Highschool-Krimi an der ohnehin schon komplexen Story, die durch die teils rasend schnellen Zeitsprünge noch unverständlicher erscheint. Zu viele Namen werden genannt, wenn es am Ende zu der sogenannten Auflösung kommt, ohne dass einem die tatsächlichen Ereignisse sowie die Hintergründe für Emilys Tod noch einmal in Rückblenden oder ähnlichem vor Augen geführt werden. Das mag alles Absicht und wahnsinnig künsterlisch sein, ein Film dieser Sparte ist aber erst dann wirklich gelungen, wenn er die Balance zwischen künstlerischem Anspruch und ausgeklügeltem Plot schafft, wie es beispielsweise Christopher Nolan mit dem sich natürlich in einer ganz anderen Liga befindlichen „Memento“ gelang. Hinzu kommt, dass die Darsteller allesamt dermaßen schnell und nuschelnd ein Slang-Wort nach dem anderen raushauen, dass man als Nicht-Muttersprachler des Englischen, schnell kapituliert und sich widerwillig gezwungen sieht, die deutsche Snychro-Fassung zu wählen, um überhaupt irgendwie folgen zu können.
„Brick“ ist einen Ticken zu komplex und verworren, um auf ganzer Linie überzeugen zu können, ist aber allein durch die inszenatorische Raffinesse sehenswert. Und wer Spaß am Rätselraten hat, und sich „Brick“ auch fünfmal ansieht um ihn wirklich voll und ganz zu verstehen, dem sei dieser Film wärmstens ans Herz gelegt.

Wertung: 7/10

Dieser Beitrag wurde unter 7.0 / 10, Filmreview, Krimi, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Brick (2005)

  1. Das BRICK hier nicht unter Film-Noir läuft ist sehr verwunderlich.
    This is as Noir as it gets!

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