Durst (2009)

Eine Vampirstory von „Oldboy“-Regisseur Chan-wook Park. Das lässt nichts anderes erwarten, als ein Stück Kino-Poesie, die dem von „Twilight“ ausgesaugten Vampir-Genre neues Leben einhaucht, ähnlich wie es ein Jahr zuvor der hervorragende „Let the Right One In“ aus Schweden schaffte. Ganz erreicht „Thirst“ das Niveau dieser ungewöhnlichen Horror-Romanze nicht, aber immerhin fast: Schwelgend in begnadet schönen Bildern erzählt Park die Geschichte des Paters Sang-hyeon, der unzufrieden mit seinem fruchtlosen Dasein im Kloster an einem Experiment teilnimmt, bei dem er sich mittels einer Bluttransfusion zu Forschungszwecken mit einer tödlichen Infektionskrankheit infizieren lässt. Zur Überraschung aller überlebt er diese Infektion, was ihn zu einer regelrechten Heilsfigur, zu einer Art Wunderheiler aufsteigen lässt. Doch was ihm scheinbar außer den Viren noch injiziert wurde, sind Vampir-Gene, denn plötzlich verspürt er nicht nur eine ungeheure Lust auf Blut, sondern entdeckt auch seine dunkle Seite.
Als er seinen todkranken Schulfreund von Krebs heilen soll, lernt er dessen als eine Art Knecht gehaltene Frau Tae-ju kennen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine selbstzerstörerische Romanze, die beide an ihre eigenen menschlichen Abgründe treibt…
Chan-Wook Park nimmt sich besonders im ersten Akt etwas zu viel Zeit, bis er die Geschichte ins Rollen bringt. Die beiden Hauptcharaktere werden eingehend studiert, bevor er sie zunächst in eine hocherotische Romanze verwickelt, um sie im letzten Drittel des Films gnadenlos aufeinander zu hetzen. Nie verliert sich der Regisseur in platten Vampir-Klischees, erzählt er doch die zutiefst menschliche Geschichte des Untergangs seiner Figuren durch außer Kontrolle geratene Gefühle, Eifersucht und Verlangen. „Durst“ ist beeindruckend, mitreißend, erotisch, poetisch und schön blutig, die Gewalt bekommt man jedoch stets wohldosiert und in kunstvollen Bildern verpackt auf einem Silbertablett serviert. Zwischendurch verliert Parks Film wieder etwas an Fahrt, was ihn zuweilen inkonsequent in seiner Erzählstruktur und etwas zerfahren wirken lässt, ja sogar einige Längen provoziert. Dies kann jedoch unter Anderem durch den frequent aufblitzenden, tiefschwarzen Humor wett gemacht werden, der dem Film zudem einige fantastische Momente beschert, die das Vampir-Genre neu definieren dürften und außerdem die insgesamt tiefgründig-moralträchtige, geradezu nach auschweifenden Interpretationen lächzende Story und die vielschichtigen Charaktere vor einer Überzeichnung bewahren.
„Durst“ ist ein wahres Kunstwerk und kein blutiger Horrorfilm im eigentlichen Sinn. Viel mehr stellt er eine Verschmelzung im Grunde unterschiedlicher Topoi da, die zu einem intelligentem, geradezu soghaften Gesamtergebnis fusionieren. Nicht ganz perfekt, aber neben „Let the Right One In“ dennoch einer der besten Vampir-Filme der letzten Dekade.

Wertung: 8/10.

Dieser Beitrag wurde unter 8.0 / 10, Drama, Filmreview, Horror, Romanze, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Durst (2009)

  1. Flibbo schreibt:

    Hm, ob mir der Film wohl gefallen wird, obwohl ich mit Oldboy eher wenig anfangen konnte?

  2. Max schreibt:

    Ja durchaus. Die beiden Filme sind inhaltlich wie stilistisch kaum vergleichbar. „Durst“ ist eine Art ruhiger, erotischer, manchmal fast schon meditativer Horror, eine Beschreibung die auf den teils exzessiv brutalen „Oldboy“ wohl nicht zutrifft. Gemeinsam haben sie lediglich, dass sie poetisch sind, jeodch beide auf ihre ganz eigene Art.
    Schau dir „Durst“ an, er ist’s wert!

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