Avatar (2009)

„Avatar“ ist unterhaltsam, innovativ und tricktechnisch perfekt. Aber die kitschig blau-lila glänzende Zauberwelt Pandoras kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich dahinter eine vorhersehbare und nicht minder kitschige (Love-)Story verbirgt, verbunden mit einer banalen Öko-Botschaft wie man sie schon zu Genüge aus Filmen wie „Der mit dem Wolf tanzt“ kennt. Zudem gibt’s noch jede Menge Stereotypen wie zB den Helden vom Typ „Harte Schale, weicher Kern“, der sein wahres Ich entdeckt und die Seiten wechselt, den sprüchekloppenden Macho-Militär-Bösewicht („Räuchert sie aus!“), die supercoole Amazone im Unterhemd usw.. Sicher kann einem das alles bei den beeindruckenden Bildern wurscht sein, „Avatar“ hätte aber durchaus ein spiritueller Film werden können. Die Welt und die Bräuche der Na’Vi sind interessant, aber leider im Gegensatz zu den Bildern zu eindimensional dargestellt, um dem Spiritualitätsanspruch, falls dieser überhaupt bei irgendwem vorhanden gewesen sein sollte, gerecht werden zu können. Stattdessen wird im letzten Drittel des Films ordentlich geballert. Ist ja nicht verkehrt, aber eben auch nichts wirklich Neues.
„Avatar“ steht sinnbildlich für das, was seit einigen Jahren in Hollywood Gang und Gäbe zu sein scheint: Das Publikum wird mit überwältigenden Bildern berauscht, gefüttert, und mundtot gemacht, damit es nicht weiter nachdenkt und niemandem auffällt, dass man schon zum x-ten Male den gleichen staubigen, piefigen, moralinsauren Stoff vorgesetzt bekommt. James Camerons aktueller Film ist einzig und allein gedreht worden, um Kohle zu scheffeln, und das mit übergebührem Erfolg. Diese Maschinerie die hinter „Avatar“ steckt, macht ihn dennoch nicht zu einem unbedingt schlechten Film. Jeder Kritiker muss zugeben, selbst von der überwältigenden Welt Pandoras in 3D eingelullt worden zu sein. Doch was dem Film fehlt, ist Herzblut und vor alleim eins: Seele.
„Avatar“ wird in ein paar Jahren mit Sicherheit das gleiche Schicksal wie Camerons „Titanic“ ereilen: Zunächst von allen geliebt, alle Rekorde brechend und mit Preisen überhäuft, dann, wenn der Hype mal abgeebt ist, von den meisten gehasst und als „Kitsch“ verschrieen. Das wäre nicht die einzige Parallele zwischen den beiden Filmen. Bis dahin wird Cameron aber noch ordentlich Kohle scheffeln und das Publikum huldigt den blauen Männchen, bis er etwas neues Altes erschafft. Oder eben „Avatar 2“.

Wertung: 6,5/10

Dieser Beitrag wurde unter 6.5 / 10, Abenteuer, Action, Drama, Fantasy, Filmreview, Märchen, Science-Fiction veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Avatar (2009)

  1. hulza schreibt:

    hah, hier muss ich doch mal einen kleinen (?) Kommentar zu ablassen.

    Grundsätzlich stimme ich mit deiner Kritik überein, auch mit den kritischen Passagen, das sehe ich alles ganz ähnlich. Bei der Bewertung wurde ich aber stutzig: 6,5 Punkte? Das war nochmal 1,5 Punkte weniger, als ich selbst dem Film gegegeben hatte, und das war eigentlich schon nicht ganz fair:
    Denn wenn wir schon anfangen Filme in ein Raster aus Punkten zu quetschen und somit Independent-Produktionen mit Blockbustern und Komödien mit Dramen vergleichbar machen, dann muss das imho auch nach fairen Mitteln geschehen.
    Sprich: Ich kann einem Film wie Avatar nicht den Vorwurf machen, er wäre zu „dümmlich“ oder hätte zu wenig Seele – denn das will er ja gar nicht. Es wäre in etwa so, Schindlers Liste vorzuwerfen, dass es keine 10 Punkte verdient habe, weil es leider zu wenig Humor gab.
    Avatar will nicht irgendein kompliziert durchdachter Film sein, für den sich nur einige wenige Menschen interessieren. Cameron wollte beeindrucken und eine einfache Geschichte ( über Ökologie, Menschen und Umwelt, und Kriegserfahrungen) erzählen. All dies ist im vortrefflich gelungen, auch mit einem halben Jahr Abstand kann ich sagen, dass mich technisch noch kein anderer Film so sehr beeindruckt hat.

    Und gerade für dieses Beeindrucken, für dieses Geflashtsein muss Avatar schon belohnt werden: Das müssen keine 10 Punkte sein (wie in überraschend vielen eurer Kritiken!), aber es ist meiner Meinung nach wesentlich mehr als 6,5. Denn das ist nur Durchschnitt, Filme, die man sofort wieder vergisst nach dem Schauen. Und ich schätze, dass ist auch bei Euch beiden mit Avatar nicht der Fall.

    Ansonsten gilt: Weiter so, ich lese eure Kritiken sehr gerne :)

    • Alex schreibt:

      Also da gibt es scheinbar einiges an Klärungsbedarf, was ich auch leider schon befürchtet habe. Nicht ausschließlich in Bezug auf Avatar, sondern hinsichtlich unsrer Seite. (Dazu wird die about-sektion zu gegebener Zeit noch bearbeitet werden) Aber schonmal jetzt so viel: Die einzelnen Artikel werden voneinander unabhängig verfasst und auch bewertet und erleiden damit keinerlei Zensur des jeweils anderen. Das bedeutet zugleich, dass ich nicht zwangsläufig immer der Meinung von Max bin (aber doch größtenteils – ab und an). Demnach haben wir noch keinen Raster entwickelt, um die einzelnen Texten unterzuordnen, sodass wir beide ein Stück weit mehr Freiheit bei der formalen Gestaltung besitzen ohne uns an Grenzen halten zu müssen. Das hat natürlich Konsequenzen, die man aus deinem Kommentar ableiten kann. Wir vermischen bewusst alle möglichen Genres miteinander, da es erst die Erwartungen an einen Film sind, die selbigen „bewertbar“ machen. Alles ist davon abhängig, inwieweit das präsentierte filmische Material mit innovativen, genrespezifischen, ästhetischen und natürlich auch subjektiv-erfassbaren Aspekten umzugehen weiß.
      Als Beispiel Avatar: 6.5 ist erstmal nicht Durchschnitt, das wäre eine 5.5! Eine 10 sucht dagegen seinesgleichen, und das ist in der Tat der Fall bei bspw. einem herausragenden ‚Requiem for a Dream‘ oder auch ‚Stay‘. (Die vielen 10er kommen dadurch zustande, dass wir noch eine recht junge Seite besitzen und es zumindest mir viel Spaß bereitet die für mich faszinierendsten Filme meiner Erfahrung nach zu (be-)schreiben – ist legitim denk ich – außerdem: Warum Ewigkeiten auf eine unübertreffliche 10er Wertung warten, wenn es ein Film schafft den oben beschriebenen Erwartungskriterienkatalog zu erfüllen?) Jedenfalls ist Avatar ein Film, der mit einer 6.5 (nach Wertung von Max) auf einer Ebene mit einem ‚O Brother, Where Art Thou?‘ (Wertung von Max) zu stehen scheint – wohlgemerkt scheint! Der größte Fehler wäre es die Filme untereinander vergleichen zu wollen, ein Fehler. Natürlich wird ein Film insgeheim an anderen, ähnlich anmutenden Filmen gewertet, die einem aus der eigenen Erfahrung vergleichbar erscheinen. Und da wären wir dann bei dem Punkt des subjektiv-erfassbaren angelangt, der nunmal nicht zu eliminieren ist. Avatar ist schlussfolgernd aus der Argumentation von Max durchaus eine 6.5. Dabei ist die technische Innovation leider nur ein Aspekt von vielen, der hingegen speziell hinsichtlich der ausgelutschten Pocahontas-Story tierisch (hah!) abstinkt. Der Kriterien-Katalog ließe sich ausweiten und das ist auch unsere Aufgabe für die Zukunft, grade diese Objektivität noch transparenter zu machen. Aber verliert so die Seite nicht den gewissen Charme…? Ich weiß nicht, hoffe dir aber ein wenig weitergeholfen zu haben lieber hulza ; ) Und: Nichtsdestotrotz immerschön weiterlesen – auf die Bewertungen kommts manchmal gar nicht so an, sondern vielmehr aufs womöglich bevorstehende filmische Erlebnis! =)

  2. Max schreibt:

    Also erstmal Danke für Deinen Kommentar. Ich möchte gar nicht soweit ausholen wie mein Siamesen-Freund, zu „Avatar“ fällt mir nur noch eine Sache ein, die meine Wertung rechtfertigt: Dass Cameron lediglich unterhalten wollte und etwas optisch nie dagewesenes schaffen wollte, ist ja richtig, aber hätte er das mit einer wenigstens etwas originelleren Story getan, die nicht ganz so sehr an „Für-Dumm-Vekaufen des Zuschauers“ grenzt, wäre meine Bewertung sicherlich um einiges höher ausgefallen. Die Review ist selbstverständlich subjektiv, so ist der ganze Blog ja gedacht. Daher ist mir wurscht, was ein Film will. Es kommt für mich darauf an, was Ich als Zuschauer will. Und wenn das Verhältnis stimmt, zwischen dem was der Film/der Regisseur will und was ich will, ist alles super. Bei „Avatar“ hat dieses Verhältnis für mich persönlich nicht gestimmt.
    Zu unserem Blog habe ich Alex‘ Ausführungen nichts hinzuzufügen, außer: Die Bewertungsraster von 1-10 machen die Kritiken schlichtweg etwas leichter verständlich.
    Außerdem haben wir über unsere Lieblingsfilme geschrieben, ganz einfach um den Blog allmählich etwas zu füllen. Daher auch die „vielen“ Höchstwertungen.
    Und da mein Kommentar zu „Avatar“ zu einer Diskussion geführt hat, habe ich ja offenbar alles richtig gemacht. Juhuu.;)

  3. hulza schreibt:

    :)
    Jau, und wieder verstehe ich euch, letztlich ist es klar, dass es sich hier – wie eigentlich IMMER – um subjektive (Ein-)Sichten dreht. Daher sind die Kritiken sowieso okay, und eure Texte sind – bisher – auch alle sehr gut, und vor allem schlüssig lesbar (wichtig!).
    Allerdings dachte ich halt, dass ihr mit den Punkten auch gerade mit der Leiste außen ein gewißes Bewertungsschema schaffen wollt – was die Spreu vom Weizen dreht. Und da kommen mir – natürlich auch völlig subjektiv – bei 6,5 Punkten halt völlig andere (schlechtere) Filme in den Sinn.
    Aber dies ist ja sowieso immer Geschmackssache, Alex fand ja auch „The dark Knight“ scheisse ;) (Davon abgesehen kenn ich Leute, die einen eurer und meiner Favoriten nicht gut finden: „Memento“.)

  4. Alex schreibt:

    Also bitte, ‚The Dark Knight‘ ist ein ausgezeichneter Film, der mich sehr gut unterhalten hat – daher ja auch eine 8.0 ; )

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