Requiem for a Dream (2000)

Darren Aronofskys Meisterwerk „Requiem for a Dream“ ist bei Weitem kein Geheimtipp mehr. Im Gegenteil, der zunächst eher unbekannte Independent-Film avancierte bis heute zum regelrechten Kultfilm, der es unter die Top 50 der Imdb „250 besten Filme aller Zeiten“ schaffte, und seinen Regisseur sowie seine Akteure zu Stars machte. Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, und das absolut zu Recht.

Durchaus als eine thematische und stilistische Fortführung und Weiterentwicklung Aronofkys ebenfalls fantastischen Vorgängers „Pi“ interpretierbar, fängt „Requiem for a Dream“ die Folgen des Drogenkonsums an dem Beispiel dreier Schicksale mit einer solch eindringlichen Intensität ein, wie kein anderer Drogen-Film zuvor. Der Regisseur meistert die Gratwanderung zwischen filmstilistischer Innovation und inhaltlicher Tragweite sowie dramaturgischer Tragik perfekt und erschafft damit ein filmisches Kunstwerk in Reinkultur: Hübsch anzusehen und grandios geschnitten (besonders die bereits in „Pi“ auftauchenden Sequenzen des Drogenkonsums und dessen Wirkung sind phänomenal), beginnt „Requiem for a Dream“ als hippe Szene -bzw. Sozialstudie, die den heroinsüchtigen Harry, dessen ebenso drogenabhängige Freundin Marion und seine depressive Mutter Sara, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ins Fernsehen zu kommen, begleitet. Doch die anfänglichen (Lebens-)Träume und Ziele der Protagonisten werden durch ihren immer stärker werdenden Drogenkonsum, aber auch durch die Macht der Massenmedien und der Gesellschaft, personifiziert durch die direkte Nachbarschaft, Ärzte und die Freunde der Figuren, zunehmend erschüttert und schließlich zu Grabe getragen.
Während der scheinbar unausweichliche Untergang der Figuren beleuchtet wird, entwickelt „Requiem for a Dream“ eine geradezu soghafte Erzählstruktur, welcher sich der Zuschauer nicht entziehen kann, bis Aronofsky schließlich die Schlinge zuzieht: In den letzten zwanzig Minuten versetzt er dem Zuschauer in konsequenter Regelmäßigkeit mehrere heftige Schläge in die Magengrube, die noch lange nachdem die Credits an einem vorbeigeflimmert sind, nachwirken und nach Verarbeitung verlangen. Untermalt mit dem begnadeten, mittlerweile weltberühmten und in zahlreichen Filmen verwursteten Score von Clint Mansell und mit herausragenden schauspielerischen Leistungen (allen voran: Ellen Burstyn) setzt einem „Requiem for a Dream“ trotz oder viel mehr gerade wegen der stylishen Verpackung mit unerbittlicher Härte nichts als die Wahrheit vor, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Stattdessen werden nahezu alle Sinne des Zuschauers gefordert und in einen Rauschzustand versetzt, der dem der Protagonisten gleichkommt.
Das ist sicherlich, anders als es das erste Drittel des Films suggerieren mag, alles andere als leichte Kost, wird doch hier nicht einzig Drogenkonsum als solcher, sondern die Gesellschaft und unsere (Medien-)Kultur in ihrer Ganzheit als Ursache und treibende Kraft für die Macht der Drogen gleich mit an den Pranger gestellt.
Das mag zunächst überfrachtet klingen, tatsächlich wird damit jedoch eine absolut realitätsnahe und erschreckende Wechselwirkung aufgezeigt, wodurch Schwarz-Weiß-Malerei vermieden und der Eindruck des Films auf den Zuschauer intensiviert wird. Ein Eindruck, der haften bleibt.
„Requiem for a Dream“ ist erschütternd, ergreifend, schlichtweg genial. Und für mich einer der besten Filme überhaupt.

Wertung: 10/10.

Dieser Beitrag wurde unter 10 / 10, Drama, Filmreview veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Requiem for a Dream (2000)

  1. Yase schreibt:

    Hallo Max und Alex :)

    Da ihr euch ja schon mal mit dem Film auseinander gesetzt habt, dachte ich, ich frag euch einfach mal was über den Film, da ich meine Facharbeit darüber schreibe.
    An vier Stellen in dem Film wird wird es -weiß- und eine neue Szene beginnt. Habt ihr irgendwelche Interpretationen was dahinter stecken könnte? Weil irgendwie finde ich keine Regelmäßigkeiten dahinter, was das bedeuten könnte.

    Und was ich auch nicht weiß ist, was ich mit dem Titel „Totenmesse für einen Traum“ anfangen soll. Habt ihr da auch irgendwelche Interpretationen?

    Würde mich über eine Antwort freuen.
    Danke im Vorraus :)

    Yase

    • Max schreibt:

      Hi Yase,

      um ehrlich zu sein, müsste ich mich mit „Requiem for a Dream“ nochmal intensiver auseiandersetzen um Dir zu den Weiß-Einblendungen im Film mit Sicherheit etwas Gescheites sagen zu können. Leider fehlt mir dazu momentan schlicht die Zeit. Sorry! Ich denke aber, Du bist schon auf dem richtigen Weg, wenn Du erkannt hast, das nach diesen Weiß-Einblendungen etwas Neues beginnt, somit markieren sie mit Sicherheit einen Neubeginn. Wenn ich mich richtig erinnere, verschwindet das Weiß gegen Ende auch vollends aus dem Film. Vielleicht ist das auch ein Hinweis zu des Rätsel Lösung. Ich kann mir gut vorstellen, dass mit diesen Einblendungen die Träume, Wünsche und Vorstellungen der Protagonisten „markiert“ bzw symbolisiert werden. Ebene jene Träume, Wünsche und Vorstellungen, die am Ende komplett den sprichwörtlichen Bach heruntergehen. Dahingehend würde ich auch den Titel interpretieren: „Totenmesse/Begräbnis eines Traumes“ daher, weil jeder der Protagonisten nach etwas strebt, für einen Traum lebt, der letztenendes stirbt, durch Drogen, durch monetäre Probleme, durch die diktatorische Macht der Medien. Marion und Harry wollen sich ein gemeinsames Leben aufbauen, sie möchte Designerin werden, Sara möchte vordergründig unbedingt einmal ins Fernsehen, dahinter steckt eine Sehnsucht nach Anerkennung durch ihren Sohn und ihren verstorbenen Mann, nicht zuletzt aber auch durch die Nachbarinnen und der Gesellschaft allgemein. Insofern hängen die Schicksale der Figuren zusammen. Daran erkennt man auch wie vielschichtig in „Requiem…“ Kritik geübt wird: Oberflächlich betrachtet ist es der Drogenmissbrauch, der alle Charaktere in den Abgrund reißt, schaut man etwas genauer hin, haben wir im Zusammenhang mit den Drogen auch die Macht der Medien, Schlankheits -bzw Schönheitswahn, ebenfalls vorgegeben durch die Medien und die Gesellschaft (repräsentiert durch die Nachbarinnen, die sich am Ende in die Arme fallen, als sie sich ihrer Schuld bewusst werden), ein menschenverachtendes Gesundheitssystem (ein Arzt, der seine Patientin nicht einmal anschaut und einfach Pillen verschreibt, die sich letztlich als Speed entpuppen, schließlich Lobotomie, Arbeitslager und Amputation) und Geld: Marion schläft mit Männern, die sie anekeln um ihre Drogensucht bezahlen zu können, lässt sich schließlich auf eine Orgie ein, drumherum stehen Männer in Anzügen, wedeln mit Geldscheinen und brüllen „Arsch an Arsch“.
      Am Schluss sind alle Träume buchstäblich zu Grabe getragen worden. Ich würde dir an dieser Stelle empfehlen, besonders auf den Score des Filmes zu achten, welcher sich durch immer wiederkehrende Leitmotive auszeichnet. Besonders in den letzten 20 Minuten des Films ist ein immer wiederkehrender Laut-Leise beispielsweise erkennbar, die lauten Parts arrangiert durch Dissonanzen usw. Insgesamt ist „Requiem for a Dream“ ein perfekt durchkomponiertes Konzept, mit, wie Du sicherlich auch festgstellt hast, nachhaltig schockierender Wirkung. Interessant wäre es sicher auch, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, inwiefern den Protagonisten Eigenverantwortlichkeit unterstellt wird oder eben versagt wird.
      So, genug von mir, ich hoffe ich konnte Dir etwas weiterhelfen. Wenn noch Diskussionsbedarf besteht, melde Dich gerne wieder!
      Viel Erfolg bei deiner Facharbeit!

      Max.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s