A History of Violence (2005)

Wer die in diesem Film zelebrierte und kunstvoll inszenierte Persiflage auf das typisch Amerikanische nicht zu erkennen vermag, wird hinter ‚A History Of Violence‘ womöglich nichts weiter als eine vorhersehbare Geschichte eines Mannes vermuten, der seiner ihn beschämenden Vergangenheit einfach nicht entfliehen kann. Aber ganz so einfach macht es sich David Cronenberg dann zum Glück doch nicht! Während die Handlung recht gemächlich versucht Spannung durch die vorzeitige Einführung von später zentralen Akteuren aufzubauen, wird das Leben von Tom Stall (gespielt von einem hervorragenden, hin und her gerissenen Viggo Mortensen) gezeigt: Ein echt „toller Typ“! Er besitzt ein Café an irgendeinem Ort im Nirgendwo und ist zufrieden damit, in Ruhe die Zeit mit seiner Vorzeigefamilie zu genießen. Und das ist nur der Anbeginn einer Typisierung, die schließlich in der Cheerleader-Wir-lieben-uns-ja-immer-noch-und-holen-jetzt-alles-versäumte-nach-indem-wir-jetzt-wilden-Pettingsex-in-69-Stellung-haben gipfelt. Was ich damit sagen will ist, dass es schlichtweg kein Zufall sein kann, den fürsorglichen Vater mit der ganzen, zusammenhaltenden Familie zu sehen, die nachts allesamt aufstehen, um der Jüngsten die Angst vor dem so eben erlebten Albtraum zu nehmen. Nicht dass ich das als verwerflich charakterisieren will – nein – aber die übertriebene Konsequenz, mit der Cronenberg den Zuschauer einlullt, spendet gleichermaßen ein ungutes Gefühl für den weiteren Handlungsverlauf. Man wird das Gefühl nicht los die Ruhe vor dem Sturm zu erleben, wobei das Andeuten eines Sturms bereits am Anfang in der drastischsten Form (imho) entfacht wurde. Aber dann kommt es mit Macht. In einer schockierenden Kürze mit an Härte und Brutalität kaum zu überbietender Präzision durchlebt der geneigte Zuschauer einen Moment des Glücks und verspürt einen Funken Gerechtigkeit. Und grade diese Momente, diese kontrastierenden, zerberstend brutalen Effekte entreißen einen selbst aus dem behutsam und liebevoll gespinnten Kokon eines Spießbürgertums. Sie entführen uns in eine andere Welt des Vergangenen, dessen Konfrontation unseren „tollen Typen“ zu verändern scheint und damit auch sein ganzes, aufgesetztes, wohl situiertes, geplant friedliches Leben – die Familie inklusive. Diese Augenblicke der Gewalt sind über die Dauer des Films so pointiert verteilt, dass bei einer zuvor aufmerksamen Grundhaltung des Zuschauers eben selbiger vor den Kopf gestoßen wird, da seine zunächst eng gezogenen Grenzen plötzlich bewusst überschritten und damit verletzt werden. Demgegenüber steht dann letztlich ein rührendes Ende, das aus seiner Stummheit förmlich ausbrechen will, dem typischen Totschweigen einer spießbürgerlichen Familienkonstellation aber dann doch Tribut zu zollen hat. Der bittere Beigeschmack tut hier richtig gut!

Wertung: 8.0 / 10

Andere, von uns geschätzte Worte zu diesem Film:

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