Taking Woodstock (2009)

Es ist doch recht selten und verblüffend einen Film über DAS Festival schlechthin aus der Sicht eines Verantwortlichen wahrzunehmen, der mal eben – so scheint es – sein eigenes Festival verpasst. Tatsächlich: ‚Taking Woodstock‘ kommt ganz ohne musikalische Auftritte der Künstler aus (auch ohne opulenten Flower-Power-OST ala ‚Radio Rock Revolution‘) und so ist es dann letztlich eine logische Konsequenz, dass der Protagonist Elliot Tiber keinen einzigen Klang der Musik zu hören bekommt, um derer Willen doch das ganze Festival eigentlich errichtet wurde. Oder etwa nicht? Geht es womöglich gar nicht um die Musik, sondern um etwas Dahinterstehendes, Größeres – Etwas, dass die Musik lediglich repräsentieren soll?
Regisseur Ang Lee’s Inszenierung drängt bewusst die Musik als Nebeneffekt, als Aufhänger, als bloßen Ausdruck des Gemeinschaftsgefühls rund um Love&Peace ins Abseits, um dagegen auf die Diskrepanz zwischen Geld, Gier, Verantwortung, Organisation und Ordnung auf der einen Seite und Freiheit, Liebe, Toleranz und Spontanität auf der anderen Seite aufmerksam zu machen. Denn grade diesen Zwiespalt durchlebt Elliot vor, nach und während des gesamten Festivals: Sei es seine von Gier zerfressene Mutter in Kontrast zu seinem aufblühenden, wiederbelebten Vater oder den scheinbar ach so friedliebenden Michael Lang als Verfechter der Toleranz, der es schafft sämtliche Probleme gewohnt cool und locker zu lösen ( – natürlich mit Geld und eben nicht mit Luft und Liebe!) oder sein vom Vietnamkrieg traumatisierter Freund Billy, der in der riesigen, von Toleranz und Liebe durchzogenen Gemeinschaft seinen verlorengeglaubten Bezug zur Wirklichkeit wiederherzustellen glaubt oder all die weiteren von Elliot wahrgenommenen Personen, die sich allesamt auf diese Diskrepanz reduzieren lassen. Wäre da schließlich noch Elliot selbst, der dagegen taumelnd zwischen Ängsten und Sorgen, die der Verantwortung geschuldet sind, und gleichzeitiger Euphorie zur Auslebung seiner tiefsten Gefühle eben doch DAS Festival, sein Woodstock erlebt, das viel mehr als nur Musik zu sein scheint.
Zusammenfassend nunmal wirklich eine gelungene Gratwanderung zwischen verzaubernder Melancholie und bitterem, kapitalistischem Beigeschmack, welche den geneigten Zuschauer wählen lässt zwischen dem Festival als Vermittlung von friedlicher Toleranz der Liebe willen einerseits, sowie dem Festival als pseudo-tolerante Instanz für die Verwirklichung eines eigentlich kapitalistischen Gedankenguts andererseits – wie man es nun deutet, die von Regisseur Ang Lee in Szene gesetzte Gegenüberstellung ist geglückt und verwirklicht sich in der Perspektivübernahme des Protagonisten als einen verantwortungsbewussten Schirmherr, der schließlich selbst von dem Gefühl ergriffen wird, das eine ganze Generation prägte und bis heute nicht an Aktualität eingebüßt hat.

Wertung: 7.5 / 10

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