Five Minutes of Heaven (2009)

Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel neigt bekanntlich zu fast pathetischer mit exzessiver Gewalt gespickter Dramatik. Was in „Das Experiment“ und „Der Untergang“ noch gut bis hervorragend funktionierte, hätte durchaus ins Unerträgliche kippen können, weswegen ich „Five Minutes of Heaven“ mit einer gewissen Skepsis entgegen sah. Die Story um Schuld und Sühne hätte Hirschbiegel jedenfalls jede Menge Raum zum Austoben geboten, aber siehe da: Der Regisseur schlägt einen anderen Weg ein und eher leise Töne an. Leider nicht ohne seinen neuesten Film fast in die Belanglosigkeit abkippen zu lassen.
Was beginnt als hochspannender Thriller im vom Bürgerkrieg gebeutelten Nordirland der 1970er-Jahre wandelt sich schnell zum Lehrstück über Schuld und Vergebung. Dabei wird den stereotypen Figuren viel zu wenig Tiefe verliehen, den exzellenten Darstellungen von Liam Neeson, der sich Gott sei Dank von seinem 96-stündigen Tabula Rasa-Trip erholt hat, und James Nesbitt, dem es gelingt bei seiner Verkörperung des hitzköpfigen, von Rachegedanken getriebenen Joe immer dann das Ruder herumzureißen, wenn er zu Chargieren droht, zum Trotz.
Liam Neesons Figur Alistair ist während des gesamten Films von Schuld geplagt und schaut reumütig drein, der Prozess der Schuldbewältigung wird lediglich klischeehaft in Form von Selbsthilfegruppen skizziert. Auch James Nesbitts Joe scheint von keinerlei innerem Konflikt betroffen. In der ersten Hälfte von „Five Minutes of Heaven“ wünscht er nichts sehnlicher als Alistair zu töten, dem es nach einer kurzen, aber heftigen Prügelei gelingt, durch ein Apell an Joes Verantwortung als Vater dessen aus 33 Jahren erwachsenen Gesinnung zu annulieren und ins Gegenteil zu kehren. Seinen Sinneswandel offenbart Joe dann schluchzend in einer, Überraschung, Selbsthilfegruppe.
Das alles wirkt zu weiten Teile wie gewollt und nicht gekonnt. Hirschbiegel vermag es vereinzelt durchaus, zu fesseln, gibt dem Zuschauer aber viel zu wenig Einblick in seine Figuren, weswegen einen die eigentlich vielversprechende Story seltsam kalt lässt, da sie einfach zu platt in Szene gesetzt wurde, um wirklich mitzureißen und zum Nachdenken anzuregen. Scheinbar hat Hirschbiegel sich redlich um eine leise und unaufdringliche Umsetzung der Schuld-und-Sühne-Thematik bemüht, tatsächlich aber eine über weite Teile emotions -und gesichtslose geschaffen.
Somit heben einzig die tollen Darsteller „Five Minutes of Heaven“ über den Durchschnitt, davon abgesehen wirkt der Film nicht zuletzt auch wegen seiner bemerkenswert kurzen Lauflänge manchmal wie ein besserer TV-Krimi, der Sonntags abends auf ARD laufend, dem Zuschauer tiefschürfende Thematiken größtenteils oberflächlich und fernsehgerecht schonend vorgegart serviert.

Wertung: 6/10.

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