Away We Go (2009)

Als wollte Sam Mendes das „Die Welt ist scheiße und schlecht“-Gefühl, das den Zuschauer nach seinem letzten Werk „Revolutionary Road“ heimsuchte (ich weigere mich, den lächerlichen deutschen 08/15-Titel anzuführen, der fälschlicherweise ein hervorragendes Schauspiel-Glanzstück als eine betuliche Tränenzieher-Kitsch-Schmonzette suggeriert), revidieren, überrascht sein „Away We Go“ als betont leichte, schrullige Road-Movie-Komödie. Keine versteckte, sarkastisch-tragische Gesellschaftskritik a la „American Beauty“ zu finden, keine erhobener-Zeigefinger-Moral. Dies mag manch einer als trivial empfinden, besonders im Vergleich zu Mendes‘ bisheriger, qualitativ außerordentlich hochwertigen Filmographie.
Geschenkt, Einspruch stattgegeben. Trotzdem schafft „Away we Go“, was viele ach-so-wahrheitsgemäße Produktionen aus den Hügeln die die Welt bedeuten nur bedingt erzielen: Hinter den herrlich überzogenen, teils hemmungslos überzeichneten Charakteren und der bewusst auf Indie-Style pochenden Inszenierung, samt des luftig-leichten, aber hervorragenden Soundtracks, steckt Wahrheit. Keine Wahrheit zwar, die uns unser Leben überdenken oder uns staunend oder erschüttert mit offenem Mund im Kino zurücklässt. Nein, es ist viel mehr eine Wahrheit, deren Erkenntnis schlicht erheitert und einfach in guter Laune resultiert.
„Away We Go“ schrammt zwar des Öfteren und besonders gegen Ende haarscharf am Zuckerguss-Indie-Kitsch vorbei, provoziert aber in regelmäßigen Abständen gleich mehrere herzhafte Lacher, wobei insbesondere die skurill-durchgeknallte Performance der ohnehin immer überzeugenden Maggie Gyllenhaal zu erwähnen sei. Auffallend ist, dass beide Protagonisten, die sich nicht nur auf der Suche nach einem geeigneten Ort, an dem sie ihr Kind aufziehen können, befinden, sondern auch auf der Suche nach Freundschaft und dem Sinn ihres vermeintlichen Loser-Lebens, während der gesamten Lauflänge des Films nicht einmal streiten. Wir beobachten mit Burt und Verona ein sympathisches (Film-)Paar, das sich versteht. So gibt es beispielsweise keine tragische Szene, in der Hauptdarsteller John Krasinski nach einer schlaflosen Nacht und völlig durchnässt im Regen vor der Tür seiner Freundin steht und flennend um Verzeihung bittet. Aber auch kein schlussletztliches Ja-Wort, nachdem Hauptdarstellerin Maya Rudolph die Heirat mit ihrem Freund immer abgelehnt hatte. Folglich könnte man „Away We Go“ als „belangslos vor sich hin plätschernd“ bezeichnen, oder sich einfach mal darauf einlassen, gut unterhalten zu werden.
Um zum Punkt zu kommen: „Away We Go“ gibt zu keiner Sekunde vor, mehr zu sein, als er ist: Ein nie ganz perfektes Gute-Laune-Roadmovie, mit durchweg sympathischen Figuren, und seien sie noch so unrealistisch. Eine wunderbar, zumindest in den Hauptrollen unprominent besetzte, kleine Komödie und erfrischend leichte Kost.
Wer Independent-Perlen wie „Juno“ hasst, wird „Away We Go“ laut fluchend zur Hölle schicken. Allen anderen warmherzigen Kinoliebhabern sei dieser warmherzige Film wärmstens an Herz gelegt.

Wertung: 7.5/10.

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