Inception (2010)

Jetzt nach der Vorpremiere ist es amtlich: Ich ergebe mich dem gnadenlos seit Wochen anhaltenden Hype um „Inception“ und stimme feierlich mit in die allgemein ausgebrochenen Lobeshymnen ein!
Hinzu kommt, dass Christopher Nolans neuestes Meisterwerk perfekt in das Motto unseres Blogs passt: Das Kontinuum von Unterhaltung bis Mindfuck wird lückenlos ausgefüllt, der Begriff „intelligenter Blockbuster“ ist nun endgültig kein Paradoxon mehr. „Inception“ setzt in jeglicher Hinsicht neue Maßstäbe und dürfte jetzt schon als moderner Klassiker gelten. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ungemein fesselnd, faszinierend und trotz oder gerade wegen aller Komplexität hochspannend, schafft „Inception“ die perfekte Balance zwischen bahnbrechenden Effekten, rasanter Action und einer minutiös durchdachten, einzigartigen-rätselhaften Story-Traum-Welt, die ihres Gleichen sucht. Die vielfachen Erzählebenen werden intelligent miteinander verwoben, ohne zu sehr zu verwirren. Fantastische Optik, präzises Timing und durchweg hochkarätige Schauspieler (auch wenn Leonardo DiCaprio manchmal wirkt, als sei er gerade der „Shutter Island“ entflohen) setzen der fast logiklückenlosen Autoren-Meisterleistung die Krone auf.
Des weiteren bekommt man ein beinahe makelloses, manchmal vielleicht etwas zu bombastisches Soundgebäude um die Ohren gehauen, während die Augen von der virtuos gefilmten und durch die Post-production feingeschliffenen Bilderflut bedient werden und das Gehirn jedes durch das übermächtige Schwachsinns-Kino der letzten Monate noch so verrostete Zahnrad in Gang setzt, um der Story folgen zu können.
Ok, Nolans neuester Film wird mit Sicherheit in keiner Psychologie-Vorlesung an der Uni gezeigt werden, denn welcher Traum sieht schon aus wie ein Action-Film? Manch ein Kritiker wirft Nolan in Bezug auf dieses vermeintliche Manko Fantasielosigkeit vor, da sich seine Traumwelten weitgehend an chronologische und physikalische Gesetze halten und die Baller-Szenen teilweise auf Dauer monoton wirken können. Man sollte an diesem Punkt jedoch nicht außer Acht lassen, dass wir es hier mit einem sogenannten „Sommer-Blockbuster“ zu tun haben, und nicht etwa mit einem philosophisch-anspruchsvollen europäischen Arthaus-Streifen: Träume derart absurd und surreal nachzubilden, wie sie tatsächlich sind, wäre wohl eine glatte Überforderung für den Zuschauer gewesen. Und zudem absolut überflüssig, denn „Inception“ wird seinem Anspruch mehr als gerecht: Der Zuschauer wird sowohl unterhalten als auch gefordert, und 148 Minuten lang unausweichlich in einen im wahrsten Sinne des Wortes „traumhaften“ Bann gezogen, um schließlich noch eine raffinierte Schlusspointe vorgesetzt zu bekommen. Das mag keine große Vision sein, aber definitiv ganz großes Kino.
Niemand, der sich wie ich auf den Kinostart gefreut hat wie ein kleines Kind auf Weihnachten, sollte enttäuscht werden, wobei angemerkt sei, dass „Inception“ dann am besten funktioniert, wenn man vorher so wenig wie möglich über die Story weiß.
Nach „The Dark Knight“ hat Christopher Nolan erneut das dringend einer Generalüberholung bedürfende Mainstream-Kino revolutioniert, so wie es vielleicht zuletzt bei dem entfernten Verwandten „Matrix“ geschah. Schon allein dafür hat „Inception“ die Höchstwertung verdient.
Amen.

Wertung: 10/10.

Dieser Beitrag wurde unter 10 / 10, Action, Drama, Filmreview, Science-Fiction, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Inception (2010)

  1. Flibbo schreibt:

    Da stimme ich weitestgehend zu. Waren auch richtige Sachen dabei, die ich noch gar nicht so ausführlich bedacht hatte. Angenehm geschrieben ist die Review obendrein. Trotzdem hab ich dem Film die 10 Punkte nicht gewährt. Warum… ach, soll man bei mir selber nachlesen. :-P

    Eigentlich funktioniert ja fast jeder Film am besten, wenn man so wenig wie möglich über ihn weiß. Deswegen ist es ja so ärgerlich, wie viel Trailer und ähnliches immer verraten. Schlimm fand ichs z.B. beim Trailer zu „Toy Story 3“, den ich zum Glück (!) erst nach dem Kinobesuch gesehen habe. Das Informieren und Anheizen muss mit weniger Gespoile funktionieren.

  2. Pingback: SchönerDenken » Die Dramaturgie des Traums

  3. christiansfoyer schreibt:

    Besonders der letzte Absatz hat meine volle Zustimmung. Jeden Bay, Sommers, Lucas, Ratner oder Scott (Tony, nicht Ridley!) der letzten Jahre müsste man im Angesicht von „Inception“ ihrer feige kalkulierten Austauschbarkeit und schlicht ihrer teilweisen puren Dummheit nochmals um ein paar Punkte abwerten. Klar darf Blockbusterkino auch mal stumpf sein, aber die Hoffnung war ja schon fast verloren, dass es auch noch anders geht

  4. Seitdem ich den Film gesehen habe, verfolgt mich die, von Hans Zimmer grausam gespielte Schiffströte, nicht nur in meinen Träumen sondern auch in zahlreichen Trailern zu sogenannten „Actionfilmen“. Klar verdient Nolan unsere Anerkennung dafür, dass er die Eier hatte, in der heutigen sinnentlernten Zeit (in der das Spektakel die Magie des Kinos abgelöst hat) einen intellektuellen, auf komplex-getrimmten Action-Blockbuster in den Boxoffice-Krieg zu schicken aber was hat er sich nur dabei gedacht dem Zimmer-Trimmer eine derartig tief gestimmte Vuvuzela in die Hand zu drücken? Wem wollte er damit etwas beweisen?
    Wie man es absolut richtig macht hat uns Nolan doch (seltsamerweise) bereits mit seinen ersten beiden Spielfilmen bewiesen. FOLLOWING und der weitaus klügere INCEPTION-Halbbruder MEMENTO sind zwei formvollendete Meisterstücke eines Kerls der von Anfang an etwas von seinem Handwerk verstanden hat. Alles andere ist nur noch Rumgeprolle auf hohlen und vorallem hoch-budgetierten Niveau, welches auch noch vesucht mit einer fassadenhaften Komplexität zu verwirr-zu-bestechen.
    Christopher, wir haben es jetzt WIRKLICH verstanden (haben wir doch schon immer) und all die anderen „coolen Typen“, die du damit zu beeindrucken versuchst, haben es noch nie gecheckt (und wollen es doch auch gar nicht – selbst wenn es dir dein Herz bricht!).

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