Thank you for Smoking (2005)

Was habe ich mich gesträubt diesen Film zu sehen und mich entgegen aller positiven Vorhersagen verweigert, verschränkt und entzogen – und das alles nur aus Angst – weil ich Raucher bin. Diese Angst entstand aus der Erwartungshaltung entweder eine Raucherhetzkampagne oder aber doch eine den ganzen Film überdauernde Lobeshymne auf das Rauchertum zu erhalten, nur um dann einen ach so dramatischen, ach so selbstverschuldeten Krebstod am Ende begutachten zu dürfen. Ich lag ja selten so falsch. Denn wenn es eine Inszenierung dann auch noch widererwarten schafft nicht nur den Spagat zur Überwindung der Kluft zwischen Rauchern und Nichtrauchern zu vollziehen, sondern zugleich die Kommunikation als imho essentiellstes Bestimmungsinstrument unseres Lebens zu fokussieren und derart sympathisch zu arrangieren, dann ist das herausragend und bedarf einer ausführlichen, hier nun folgenden Kritik.
// Zugegebenermaßen drängten mich außerdem bereits existente, meines Erachtens zu kurzsichtige Kritiken zum Schreiben, deren Bewertung punktemäßig zwar dieser Kritik ähneln, die damit zusammenhängende Begründung hier jedoch zu Ende gedacht wird. //
Auf der narratologischen Ebene wird die Perspektive von Harvey Dent – äh – Nick Naylor (wörtlich ergriffen von einem top-besetzten Aaron Eckart) eingenommen, dessen Beruf(-ung) es ist Pressesprecher der Tabakindustrie zu sein. Die zentrale Fragestellung lautet nun: Was macht er da während der 92-minütigen Laufzeit überhaupt mit all den Menschen und auch mit uns? – Manipuliert er etwa? Lenkt er unsere Gedanken hin zu einem gewissen Punkt, der sich für den Tabakkonsum ausspricht? Karikiert oder verspottet oder widerlegt er gar lediglich mit seinen Worten den von seinen Gegnern geforderten Ausspruch für den visuellen Reiz als Mittel der Abschreckung vor den nun aber wirklich offensichtlich SCHLECHTEN Tabakwaren? Um all das geht es zwar, aber irgendwie auch nicht. (Was heißt das jetzt schon wieder?)
Manipulation setzt eine festgesetzte Wahrheit voraus und all diejenigen, die glauben von sich selbst zu wissen eine eigene Meinung über die verschiedensten Inhalte des Lebens zu haben und auch nicht grundlegend von eben diesen bei erschlagender argumentativer Dichte abzuweichen, die sollten von nun an besser nicht weiterlesen, da sie sich womöglich ertappt und angegriffen zugleich fühlen würden. ‚Thank You For Smoking‘ plädiert für eine die Welt konsequent zu hinterfragende Einstellung, die in erster Linie abhängig von der menschlichen Kommunikation und deren außerordentlicher Vielfalt ist. Es geht nicht darum, ob Tabakwaren gut bzw. schlecht sind, sondern unter anderem um das grundsätzliche Verbot von Tabakwaren, was eine festgesetzte Wahrheit darstellen und damit eben genau gegen die ‚dem gesunden Menschenverstand verpflichtete‘ Einstellung Nick Naylors sprechen würde. Daher argumentiert er nicht gegen ein Verbot von Tabakwaren, sondern für eine argumentative Grundlage unserer Gesellschaft eben die Dinge nicht so hinzunehmen, wie sie oftmals scheinen. Grundlegende moralische Werte und Normen, über die scheinbar derzeit niemand mehr diskutiert, sind das Ergebnis einer bereits geführten Diskussion und stellen heutzutage nahezu unumstößliche Tatsachen dar. Dass diese Tatsachen grade in der Erziehung nicht als unumstößliches Gesetz-Werte-und-Normen-Konstrukt eingeführt werden sollte, beweist ‚Thank You For Smoking‘ in der eindrucksvoll einfühlsamen Inszenierung der Vater-Sohn-Beziehung, deren Grundlage schließlich die Kommunikation ist. Sollte das vielleicht nicht immer so sein? Wer diese letzte Frage nun bejahen sollte, hat diesen Text nicht verstanden.

Wertung: 9.0 / 10

Andere, von uns geschätzte Worte zu diesem Film:

  • [From-Beyond-Filmblog]: 80%
Dieser Beitrag wurde unter 9.0 / 10, Filmkritik, Komödie, Satire veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s