Precious – Das Leben ist kostbar (2009)

„Precious“ ist ein Film mit Gewicht. Im wahrsten Sinne. Und dabei schwante mir Übles. Ein heißer Kandidat im Oscar-Rennen, mit einem stark übergewichtigen, von ihrem Vater bereits zum zweiten Mal schwangeren und HIV-infizierten, schwarzen 16-Jährigen Teenager aus dem Ghetto als Hauptfigur. Dieses vom Leben übervorteilte Mädchen kämpft sich Cinderella-like aus dem ständigen Strudel aus Schicksalsschlägen und entgegen aller Widerstände nach oben. Produziert und präsentiert wird’s von US-Plaudertante Oprah Winfrey. Ach ja, Oberzicke Mariah Carey spielt auch noch mit. Na das kann ja heiter werden.
Ich erwartete einen melodramatischen, tränenertränkten „American Dream“-Sozialkitsch mit viel Pathos und wehender US-Flagge im Abspann. Jedoch, „Precious“ ist nichts von alledem. Im Gegenteil, Lee Daniels‘ beeindruckend realistischer Film ist ehrlich, unsentimental und auf eine ganz natürliche Art und Weise rührend. Mo’Nique spielt die Mutter, die man als Zuschauer am liebsten erwürgen würde, mit Bravour und erhielt zu Recht einen Oscar für diese Rolle. Ebenfalls Oscar-nominiert die kongeniale Gabourey Sidibe als Titelheldin, Rocker Lenny Kravitz (!) überzeugt in einer Nebenrolle und, ja, sogar Diva Mariah Carey interpretiert ihren Part als Sozialarbeiterin derart überzeugend, dass man sie zuerst gar nicht erkennt. Gott sei Dank singt sie nicht.
„Precious“ rührt zu Tränen ohne sich aufzudrängen und wird seiner ernsthaften, eigentlich ganz und gar nicht märchenhaften Story in jedem Moment gerecht, eben auch, weil die eingestreuten, toll in Szene gesetzten Traumsequenzen seiner Protagonstin den Zuschauer vor zuviel erdrückendem Schwermut bewahren, ohne ihn in Watte zu packen. Und, weil er am Ende keine falschen Hoffnungen oder Illusionen schürt und damit die Gefahr, ein Hollywood-typisches Zuckerguß-Happy End zu kreieren, erfolgreich umschifft ohne dabei widerum zu pessimistisch zu sein. Realistisch eben. Lediglich die Rolle der von Paula Patton respektabel verkörperten Lehrerin Ms Rain ist etwas zu glatt, auch wenn sie Raum bietet für ein laustarkes Plädoyer für Toleranz gegenüber Homosexualität. Von diesem kleinen Wehrmutstropfen abgesehen, ist „Precious“ insgesamt ein gelungener, sehr aufwühlender Aufruf zu Mut und Toleranz. Anschauen!

Wertung: 8.5/10.

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