Männertrip (2010)

Wie so oft kommt es auch bei ‚Männertrip‘ ein Mal mehr auf die in den Film gesetzten Erwartungen an, die anlässlich des missratenen deutschen Titels schonmal direkt im Dreck landen könnten. Doch – ähnlich wie andere Kritiken es bereits mehrfach betonten – ‚Get Him To The Greek‘ ist solides, bisweilen sehr gutes Unterhaltungskino mit teils äußerst flachen, derben, geschmacksabhängigen, flauschig-weichen Szenen, die die Klamauktoleranzschwelle jedoch stets nicht überschreiten, sofern man sich nicht zu erwachsen gibt. Und dies hat ja auch ganz bestimmte Gründe, die bei allem Kurzweilwitz aber nicht in den Hintergrund treten dürfen. Die Rede ist von den Momenten der charakterlichen Tiefe, des sich jeweils entwickelnden Innenlebens der an dieser Stelle hervorzuhebenden Protagonisten Jonah Hill und Russell Brand, die ihre Sache liebenswert machen. Liebenswert bedeutet in diesem Zusammenhang eine Mischung aus Authentizität, Spontanität und szenischer Präsenz. Ich kaufe Russell Brand einfach die Rolle des abgefuckten Rockstars ab, der trotzdem eine gewisse Tiefsinnigkeit versprüht und einen Hauch dieses für die meisten Menschen so entfernten Lebens erahnen lässt. Wie der Zuschauer sich letztlich von ihm berühren lässt, bleibt dabei natürlich jedem selbst überlassen, was das Mitfühlen entweder verstärkt oder aber in eine andere Richtung lenkt, womit wir zum Part Jonah Hill kommen, der ja schonmal direkt witzig aussieht. Das mag höchst subjektiv sein, jedoch ist er einer der wenigen Schauspieler, der durch seinen mimisch-gestischen, unbeholfen anmutenden Charme diesem komödiantisch-veranlagten, hin-und-hergerissenen Normalotyp Sympathie verleiht. Und sympathische Typen können auch mal Kacke bauen (Männertrip ohne Freundin) – sie bleiben sympathisch und können im Grunde, zumindest bei mir, wenig falsch machen.
Charaktertechnisch entwickelt sich ‚Get Him To The Greek‘ demnach äußerst positiv, was sich auch bis in die Nebenrollen fortsetzt und im Miniauftrittshöhepunkt von Metallica-Drummer Lars Ulrich gipfelt, dessen Storysegment ein echter Glücksgriff war. Weniger glücklich gerät dagegen das generelle Storyboard mit der hechelnd hetzenden Story-telling-Geschwindigkeit. Die Komik ist im Detail gut durchdacht, verliert aber im großen Zusammenhang an Bedeutung, was irgendwie dann doch wünschenswert gewesen wäre. Auch wenn Russell Brand eigentlich nur zu diesem verdammten Greek-Theatre geschleift werden soll, so hätte der Bezug zu der Wichtigkeit dieses Auftritts noch besser fokussiert werden können, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, möglichst viele Gags in möglichst großer Schauplatzvielfalt ‚durchzuarbeiten‘. Das erzeugte an einigen Stellen den für diese sogenannten mitfühlenden Komödien so ungeliebten Leerlauf, was durch pointierteren Spaß für das große Ganze förderlicher gewesen wäre. Denn eben jener Gesamtzusammenhang lässt einen schließlich das pathetisch angelegte Gig-feeling spüren, weswegen die ganze erlebte Scheiße gradmal – nur für den einen, letzten Song – Pustekuchen zu sein scheint.

Wertung: 7.0 / 10

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