Rammbock (2010)

Lobenswerte deutsche Produktion angesichts waghalsigem Unterfangen ‚Zombie-Genrekino‘ hin, geringes Budget inklusive geringer Erwartungen bzgl. schauspielerischer Leistung her – Rammbock ist nicht der ersehnte Pionier spannend inszenierter Klaustrophobie innerhalb der schon oftmals angedeuteten Intensität einer katastrophalen Epidemie. Und das hat auch offensichtliche Gründe, da nun mal gewisse Erwartungen auch an eine Independentproduktion gestellt werden dürfen. Verhackt werden darf dabei selbstverständlich weder der miese Zombielook, noch die fehlende Ausweitung auf vielfältigere Gebiete, um das wahrhaftige Ausmaß des Desasters zu erfassen – das geht auch anders, wie bereits das Cover neben den fiesen Fratzen hervorzuheben weiß. – Nein, vielmehr gilt es sich zu fragen, wieso man einem Film wie ‚Rammbock‘ so sehr wünscht einerseits sympathischer, lebensnaher, authentischer zu wirken und andererseits endlich mal aus dem verdammten Quark zu kommen. Dass es im Zuge eben dieses Fragens eine schlimme, wohl leider wahrhaftige Mutmaßung ist anzunehmen, dass Regisseur Marvin Kren genau diese von mir mies und madig gemachte Behäbigkeit als Ausdruck eines Schockzustandes während des Zombieoverkills sogar intendierte, macht die Sache nicht besser, wohl eher noch tragischer aufgrund des imho vergebenen Potentials. Vorstellbar ist diese Art der Lähmung (im Sinne Krens) allemal, denn es kann einfach kein Zufall sein, dass unser trotteliger Hopfen-Topfen-Protagonist Michael ernsthaft (auch in Deutschland oder Österreich – obwohl ich mir da auch wiederum unsicher bin..) noch NIE etwas von Zombies gehört hat und allen Ernstes noch auf den FLUR GEHEN will, um sein verdammtes HANDY zu holen, um mit seiner Gabi zu sprechen! Wohlgemerkt: Der Zwiespalt wäre exorbitant größer, sofern er allein in der Wohnung hausiere und Gabi zudem seine langjährige Beziehungspartnerin (inkl. Kinder usw.) wäre – dann….vielleicht ok. Aber ein anderes Leben zu riskieren, einen Menschen, den man zwar nicht kennt, aber aus ethischem Grundsatz und (hier fehlendem), wohl dosierten Menschenverstand allein zu gefährden, kann Michael doch nicht ernsthaft dazu veranlassen DIREKT auf DEN FLUR gehen zu wollen, um sein HANDY zu holen. Zweifelsohne darf auch nicht auf den lauernden Tod vor der Tür gewartet werden, das besagt diese leichte Rage nicht – auf den Punkt gebracht fehlt in ‚Rammbock‘ eher das in seinem Minimalpaarpendant ‚Lammbock‘ hoch frequentierte, ganz einfache SPRECHEN über die real existente, soeben beobachtete, unglaubliche Situation. Ohne Flachs: Menschen beißen sich tollwütig gegenseitig in den Hals – und das auf MEINEM Hinterhof? Ich beobachte IN ALLER SEELENRUHE mit den Nachbarn am Fenster mit aufgelehnten Armen auf der Fensterbank das Spektakel und … spreche schlichtweg nicht darüber? (Und wenn, dann nur dummes, der Situation bei weitem nicht angemessenes, Zeug) Wie kann ein Film (sicherlich auch viele andere Vertreter dieses Genrekinos) es wagen Zombiepanik totzuschweigen und sich dumm zu stellen, nur um ein weniger chaotisches, mit düsterer Stimmung behaftetes Endzeitszenario zu skizzieren? Ich raff es nicht. Da war die Gelegenheit selten so günstig im Zuge mit dem Zuge und auf den Zuge des Booms von ‚The Walking Dead‘ aufzuspringen und ein pointiertes, aufgeklärtes Zombiespiel zu inszenieren. Aber natürlich ist Deutschland mal wieder nicht so weit, natürlich muss ich mir 60 Minuten einen Urwaldakzent eines Wieners geben, der jeden Zombie verschrecken könnte und am Ende [SPOILER] sogar noch als Märtyrer heroisiert wird – mit Gabi im Arm – sorry. [/SPOILER]
So schlecht das alles klingt, so schlecht ist es dann auch wieder nicht. Auch wenn ich viele Handlungsweisen hier vor meinem heimischen, wohl behüteten Laptop aus nicht verstehen kann, so mochte ich das sofortige Drängen auf die grundlegende Bedürfnisbefriedigung. Das Verhältnis von blindem Aktionismus und schockierter Lähmung wurde gut herausgearbeitet und auch die Entwicklung eines Nebendarstellers von einem verzweifelten Gabelspitzen-Ninjastern-Bastler zu einem zielgerichteten, dem Feind ins Auge blickenden Helden wusste zu überzeugen. Außerdem ist diesem jungen Mann zu guter Letzt absolut zu Gute zu halten, dass er Michael nicht eigenhändig den Hals umgedreht hat.

Wertung: 5.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 5.5 / 10, Drama, Filmreview, Horror, Thriller, Zombies veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s