Re-Cycle (2006)

Dem taiwanesischen Werk ‚Gwai wik‘ wohnt ein außerordentliches Gedankenspiel inne, das auf eindrucksvolle Weise in atmosphärisch dichten Bildern erzählt wird und dabei ständig darauf beharrt das eben nicht Offensichtliche angemessen zu würdigen. — Dies war nun der erste Satz eines Textes, der bereits mehrfach korrigiert und überarbeitet, sprich: mit Reflexionen versehen wurde, um schlichtweg besser zu erscheinen. Der Ursprung des obigen ‚Gedankenspiels‘ war zunächst die ‚Grundidee‘ und selbst dieser Satz ist kein Abbild aus ersten Fingern – und dennoch nimmt der geneigte Leser all jene sogenannten Verbesserungen nicht wahr, vielmehr noch: Er würdigt sie erst gar nicht eines einzigen Blickes! Wie auch? – Er hat ja nur diesen Text…
‚Re-Cycle‘ greift dieses Paradoxon auf und entwurzelt besagte Reflexionsgrenze, indem er eine Schriftstellerin in den Zwiespalt ihrer verworfenen Ideen schleudert und eine Welt zu Tage treten lässt, die von einer mächtigen Angepisstheit regiert wird und schon längst vergessen scheint. Mehr noch: Sie hat offiziell ja nie existiert – oder etwa doch?
Es entsteht schließlich ein mysteriöser, von Fragen durchlöcherter, phantastischer Horrortrip, der sogar noch mit einem echt überraschenden Ende überzeugen konnte, sodass nun ein wirklich positiver Gesamteindruck bleibt. Dieser wurde im Mittelteil zwar kurz getrübt, indem eine nicht mehr ganz so kurzweilige Reise eingeschlagen wurde, die dann doch schließlich im Gesamtkonzept Sinn stiftete. Neben wichtigen ethischen Grundsätzen diskutiert ‚Gwai wik‘ aber vor allem die bloße Existenz als solche und entpuppt sich dadurch als reflektionistischer Geniestreich, der Gefahr läuft nicht verstanden zu werden. Es ist durchaus vorstellbar, dass bei etwaiger Erwartungshaltung ‚Horror-AAHHH-Slasher-Kreisch-Laune‘ die wahre Stärke dieses Films auf der Strecke bleibt. Wer sich also auf eine ruhigere, deshalb nicht weniger spannende, mit Schockmomenten gespickte Erzählstruktur einlassen kann und will, dem sei ‚Re-Cycle‘ wärmstens ans Herz gelegt. Denn dieser verdient es einfach nicht in einer Welt des aus dem Gedächtnis Verbannten zu existieren — er gehört gesehen!

Wertung: 8.0 / 10

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