Fargo – Blutiger Schnee (1996)

Leider muss hier ein weiteres Mal das leidige Coen-Fazit herhalten: Überdurchschnittliche, aber knallharte, geschmacksspektral schwarz-weiße Kost. Denn ‚Fargo‘ wirklich anzugreifen gestaltet sich schwer, wenn nicht gar unmöglich. Sämtliche Angriffspunkte sind bei näherem Hinschauen als nahezu objektiv positiv zu werten (siehe Xebeches Kritik). Die schauspielerische Leistung ist wirklich herausragend und wurde bereits hinlänglich beschrieben, das Setting, der Plot, sämtliche Wendungen – schlichtweg alle Ereignisse sind derart durchgestylt, dass bei meinem filmischen Erlebnis (und einer 8.5er Vorhersage) der überspringende Funke auf der Strecke Richtung Brainerd blieb. Es lag nicht an fehlendem Humor, der zweifelsohne vorhanden, aber hier zu offensichtlich ist; es lag vielleicht an fehlender Spannung oder der alles miteinander verknüpfenden Wendung des Geschehens, womöglich aber auch an den nervigen Charakteren, allen voran Frances McDormand nervtötender Jessus-Verschnitt Marge Gunderson. Mir tut es ja auch in der Seele weh, dass ich sie nicht lustig fand, auch tut es mir leid, dass sogar die gewollten effekthascherischen Blutspratzmomente vorhersehbar waren und nicht wirklich mitreißen konnten. Dagegen war Steve Buscemi ein herrlich stranger Lichtblick und Sympathieträger, der dann wiederum von zu vielen tumb-torfigen Nebendarsteller getrübt wurde.
Wie ersichtlich wird, sind das alles keinerlei Kritikpunkte um Fargo abzuwerten, sondern lediglich geschmacksabhängige Faktoren in einem schwarz-weißen Spektrum. Für ein Dazwischen besteht so wenig Spielraum, dass es allzu leicht fällt, Menschen, den dieser Film nicht zusagt fehlendes Film-, Humor- und Sonstwas-verständnis zu unterstellen. Sehr wahrscheinlich ist es ebenso die Empfehlung einer nochmaligen Sichtung wahrzunehmen, um ‚den Film dann richtig zu verstehen, da er ja Kult ist‘. Mit Coen-Filmen ist es ja so kompliziert – ein Dilemma! Wenn es den Lebowski nicht gäbe, wäre dies mit Sicherheit mein letzter Coen-Film gewesen, doch ausgerechnet dieser hat es geschafft erst bei der dritten Sichtung absolute Begeisterung zu wecken – warum dann nicht auch ‚Fargo – Blutiger Schnee‘? Die Begründung lautet Missmut und die Folge daraus ist die wohl subjektivste Bewertung aller Zeiten (und das bei aller objektiver Güte):

Wertung: 6.0 / 10

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