Happiness (1998)

Ja, manchmal schlägt einem das Glück direkt ins Gesicht. Manche Filme über das Streben nach Glück ebenso. Bei „Happiness“ ist der Titel Programm, nur eben nicht im eigentlichen Sinne: Jeder der Protagonisten befindet sich auf Sinnsuche, auf der Suche nach Glückseligkeit und Erfüllung. Das ist teilweise so abstrus und grotesk, dass man laut los prusten möchte vor lachen. Doch Obacht, das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wird zum Kloß, und schließlich bekommt man ein überaus flaues Gefühl in der Magengegend. In „Happiness“ wird uns einmal mehr vor Augen geführt, dass nichts ist wie es scheint, oder wisst Ihr welche Geheimnisse Euer Nachbar vor Euch verbirgt? Geheimnisse, die den Otto-Normalmenschen mit ungläubiger Betroffenheit erfüllen. Um diese Geheimnisse, ferner um die Abgründe des Menschen, geht es Regisseur Todd Solondz. Dabei gelingt ihm die erstaunliche Gratwanderung zwischen größtenteils angedeuteter, und trotzdem drastischer Darstellung und nicht verurteilendem Zeigen, zwischen Gesellschaftskritik und feinfühligem Berühren.
„Happiness“ ist einer jener Filme, die Tragikomik und beißenden Sarkasmus miteinander verschmelzen lassen, dabei mit dem Wohlbefinden des Zuschauers nicht gerade zimperlich umgehen, an die Grenzen des Darstellbaren gehen, ohne wirklich etwas zu zeigen, und ihn nachhaltig beschäftigen. Dabei trifft nicht jeder Gag ins Schwarze und scheint in Anbetracht der Thematik manchmal etwas Fehl am Platz. Dennoch ist „Happiness“ hervorragend inszeniert und vor allem fantastisch gespielt, insbesondere von dem immer genialen Philip Seymour Hoffman und der schrecklich überkandidelt-realistischen Cynthia Stevenson als einer der drei höchst unterschiedlichen Schwestern, die den Dreh -und Angelpunkt der intelligent miteinander verknüpften Handlungsfragmente darstellen. Stevenson spielt die vermeintlich in ihrer Rolle voll aufgehende Übermutter / Überhausfrau mit ihrem vermeintlich perfekten Vorort-Familienleben deart ätzend-authentisch, dass ihre Darstellung sinnbildlich für den gesamten Film stehen kann: Was manchmal auf den ersten Blick grotesk und überzogen erscheint, kann auf den zweiten so „echt“ wirken, dass es weh tut. Man empfindet Mitleid mit den Protagonisten, und manche von ihnen hasst man abgrundtief. Dennoch kann man, wenn man genauer hinschaut, in ihnen ein kleines, hässliches Bisschen von einem selbst entdecken. Vielleicht hasst man sie ja deswegen.
„Happiness“ ist ein Film, den man zunächst ebenso hassen möchte („Muss das denn sein? Muss ich mir das angucken?“), um ihn schließlich doch zu lieben („Ja, irgendwie schon.“).

Wertung: 8.5/10.

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