‚Black Sheep‘ vs. ‚I Sell the Dead‘ (2006; 2008)

Ein Novum auf unserer Seite: Konnte bisher noch kein Text für zwei Filme zugleich stehen, so bietet sich an dieser Stelle das Experiment an – zumal es bei näherem Hinschauen nicht selten vorkommt, dass ähnliche Erwartungen auf verschiedene Paar Schuhe zutreffen, die dann plötzlich etwas miteinander verbindet. Weniger sollten daher (um in der Schuhallegorie zu bleiben) die beiden Treter aufeinander eindreschen, vielmehr rücken die hervorstechenden Gemeinsamkeiten in den Vordergrund, hier vor allem die leider nicht vollständig erfüllten Erwartungen.
Der wohl offensichtlichste Berührungspunkt verweilt derweil im Subgenre selbst, das versucht die mittlerweile äußerst beliebte komödiantische Abart des Horrors ad absurdum zu führen. Im Klartext geht es im neuseeländischen ‚Black Sheep‘ (so abwegig das auch klingen mag) um genmutierte Zombieschafe, während der amerikanische ‚I Sell the Dead‘ mit den altbekannten Zombies Fahrt aufnimmt, jedoch gekleidet in ein ungewohnt altertümlich dreckiges Gewand, zeitlich zurück versetzt ins 18. Jahrhundert. Das klingt erstmal toll, mit Bier dann gleich doppelt so gut, mag man vorschnell meinen. Die letzten vier Worte prophezeien jedoch zurecht ein ‚Aber‘, gleichwohl eines der besonderen Kategorie. Denn derartige Streifen können schlichtweg nicht ohne ihre großen Brüder wie ‚Shaun of the Dead [2004]‘, von mir aus auch ‚Zombieland [2009]‘, oder z.B. rein slashertechnisch brandaktuell und innovativ: ‚Tucker and Dale vs. Evil [2010]‘ überleben und existieren – es ergeben sich zwangsläufig ein bzw. mehrere Vergleiche. Ja und dann wird man auch die nicht zu leugnenden Längen in ‚Black Sheep‘ und ‚I Sell the Dead‘ anerkennen müssen, bei aller schwarzhumoriger Toleranz.
So witzig und abgedreht die Idee mit den Zombischafen bspw. erst klingen mag, so schmerzlich vermisst man einen herrlich schräg, sympathisch aufspielenden Simon Pegg in der Rolle des Shaun, der das Identifikationspotential spendet. Es bleibt während der zu erwartenden, allerletzten Zombieschaf-abschlachtung bei einem zu blassen, verkrampften Lächeln und dass bei wirklich allerbesten, auf Spaß gestellten Vorzeichen. Auch WTF-Filme mit WTF-Casts brauchen in der jeweiligen Situation bzw. Fiktion nachvollziehbar handelnde, authentische Charaktere. Nun impliziert ein innovativer Filmcharakter eine sich auf sämtliche Ebenen erstreckende Innovation. Dass jedoch eine irgendwie geformte, neuartige Idee ebenso einen Schatten über das eigene Werk legen kann, beweisen die beiden hier vorgestellten Beispiele mit Bravour; denn was könnte bitte für eine trashige Zombieproduktion noch verheerender sein als zu hohe Erwartungen unerfüllt zurück zu lassen?
Ein ähnliches Schicksal erleidet vergleichsweise ‚I Sell the Dead‘, der bewusst absurd den Tod als ständigen Begleiter zu karikieren versucht, dabei aber genauso das „Charakteristische“ der eigenen intern handelnden Charaktere aus den Augen verliert. Die Figuren bleiben karg – nicht unverständlich – aber fad und leer – wenn auch nicht unsympathisch -, das 18. Jahrhundert ist für den Zuschauer ganz weit weg, beginnt zunehmend, trotz gewollter Einbettung in einen erzählenden Flashback, zu langweilen, nicht mehr zu interessieren, belanglos zu werden. Wenn dann auch noch zu allem Überfluss das Ende als vorhersehbarer „Schmuh“ in Erinnerung verweilt, ist ein Film wie ‚I Sell the Dead‘ auf ein durchschnittliches Niveau abgerutscht.
Um es auf den Punkt zu bringen: Der Charakter eines Films, so innovativ, abgedreht, originell und andersartig kreativ dieser auch zu überzeugen weiß, er sollte den Zuschauer nicht blenden und zu erhöhten Erwartungen verführen, sodass dieser wiederum die Schwächen in der internen Charakterzeichnung nicht bemerken soll. Vorschnelles Lob für vordergründige Innovation kann dann nämlich auch mal tierisch nach hinten losgehen und einen fadig angestaubten Nachgeschmack hinterlassen. Fazit: Mittelmäßig – „Meh!“.

Wertung ‚Black Sheep‘: 6.0 / 10
Wertung ‚I Sell the Dead‘: 5.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 5.5 / 10, 6.0 / 10, Filmreview, Horror, Klamauk, Komödie, Western, Zombies veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s