Troll Hunter (2010)

Sneak! – …und Trolle!
Vielversprechend im Mockumentary-Genre-Mix, hält der norwegische ‚Troll-Hunter‘ dann doch nicht die Stimmungsvariation zwischen ernstzunehmendem Spannungshorror, Glaubwürdigkeit und satirischer Sagenverarbeitung auf der großen Leinwand. Dabei versprüht ‚Trolljegeren‘ durchaus den skandinavisch-trüben Charme mit Wiedererkennungswert, dessen Umsetzung mittels pointierter Effekte auch noch verstärkt wird. Die Wackelkamera wird nicht zu arg misshandelt, es mangelt nicht an einem vermeintlichen, skurril-trockenen Bärenjäger im pelzig-dreckigen Gewand (authentisch verkörpert von Otto Jespersen) und ebenso variiert stets ein ambitionierter Spannungsbogen zwischen fröstelnden Naturaufnahmen und düsterem Waldsuspense. – Und trotzdem bleibt schließlich ein fad anmutender Gesamteindruck im unteren Teil der Magengegend zurück, der in seiner zwangsläufigen Verdauung Bauchschmerzen verursacht. Warum nur?
Ausgestattet mit einem relativ geringen Budget (umgerechnet ca. 3,6 Mio Dollar) überzeugt dieser Monsterfilm technisch einwandfrei, wie bereits erwähnt. Dann jedoch kommt neben der äußeren Fassade der selbstauferlegte Genre-Mix ins Spiel, der sich dann auch gefälligst mit den altbekannten Kinderkrankheiten, die seine erwählte Existenz mit sich bringt, rumschlagen muss – und das vor allem im Kino! Während die sehr geschmacksabhängige Egoperspektive inklusive etlicher Qualitätseinbußen die Authentizität der dokumentarischen Stilabart bestärken soll, muss erzähltechnisch ein Spagat vollbracht werden, der spontan, aber inszeniert zugleich wirkt. Und an eben dieser wichtigen Schnittstelle kränkelt ‚Troll Hunter‘: Vorhersehbarkeit drängt sich auf und lässt die Trolle zwar spektakulär, jedoch leider überhaupt nicht furchterregend wirken. Sie sind rießig groß und stellen irgendwie keine derart große Gefahr dar, trotz ihrer Größe. Und hier geht jetzt Spannungshorror mit Glaubwürdigkeit Hand in Hand: Bei allem Zugeständnis für die Trollsituation und die einhergehende Dunkelheit, unverständlich bleibt die Darstellung der Trolle als ‚unsichtbare‘ Bedrohung. Nach dieser ersten, wirklich spannend inszenierten Sichtung ist die Horror-Luft raus, und das aufgrund der von nun an stets präsenten Vorhersehbarkeit, die sich durch die Kameraführung anbahnt.
Regisseur André Øvredal hat jedoch nun die Möglichkeit die Stimmung hinsichtlich einer satirischen Aufarbeitung der Situation kippen zu lassen, gespickt mit skurril komischen Einlagen die Charakterzeichnung hervortreten zu lassen, Sympathien aufzubauen. All das wird zwar im Folgenden versucht umzusetzen, jedoch eher auf eine quälerisch anmutende Art und Weise. Schließlich ergibt sich ein Wechsel zwischen Suspense und Satire, der auf die Dauer von letztlich 90 Minuten ermüdend, teilnahmslos, nicht packend wirkt. Der überaus krasse Aspekt der ‚trolligen‘ Situation wird dann doch nicht auf die Spitze getrieben und versickert in einem an den Anfang anknüpfenden, pseudo-augenzwinkernden Ende mit Wahrheitsanspruch der gezeigten Aufnahmen. Naja… – die Trolle sahen ja ganz witzig aus.

Wertung: 4.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 4.5 / 10, Abenteuer, Doku, Filmreview, Komödie, Märchen, Satire, Science-Fiction, Sneak! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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