I Saw the Devil (2010)

Was habe ich diesen Film mit Sehnsucht erwartet! Bis mir dann letztes Wochenende die Uncut Version von einem fröhlich zweimalklingenden Postmann übergeben wurde. Ich erwartete nicht weniger als ein kunstvoll gefilmtes, brutales und hochspannendes Meisterwerk im Stil des genialen „The Chaser“, wurde aber letztlich ein wenig enttäuscht. Die lehrstückartige Story über Rache, Gewalt und Gegengewalt hätte ein durchaus psychologisch tiefgründigeres, ausgefeilteres und zudem perfideres Skript gut gebrauchen können, denn zuweilen verkommt „Akmareul boatda“ zu einer repetetiven Gewaltorgie mit einigen Längen.
Dennoch: Kunstvoll gefilmt ist „I Saw the Devil“ allemal, hochspannend ebenso und brutal erst recht. Nur eben knapp am ganz großen Wurf vorbei. Dabei geben sich die Darsteller, allen voran der besonders aus „Oldboy“ bekannte Min-sik Choi, der den ultrabösen Sadisten mit Bravour gibt und einem förmlich durch ein Wimpernzucken das Blut zu Eis gefrieren lässt, alle Mühe, die temporären Schwächen des Drehbuchs auszugleichen. Nach einem schlichtweg grandiosen Anfang mündet „Akmareul boatda“ unweigerlich in ein meisterlich inszeniertes Kunstwerk aus äußerst deftigem Gore, inklusive Vergewaltigung und Kannibalismus. Hier wurde an nahezu alles gedacht, was der Otto-Normal-Mensch zu Recht als krank und pervers bezeichnet. Umso interessanter ist es, die schleichende Wandlung des Rache-übenden Protagonisten Kim Soo-hyeon (Byung-hun Lee) vom treusorgenden Saubermann zum kompromisslosen, kaltblütigen Monster zu beobachten. Es beginnt ein blutiges Kräftemessen, bei dem die Grenzen zwischen Täter und Opfer, Monster und Mensch zunehmend verwischen, bis der gepeinigte Mörder Kyung-chul den Spieß herumdreht…
„I Saw the Devil“ enthält einige grandiose Sequenzen von schier unglaublicher Brutalität, aber auch eindringlicher Intensität und geradezu nervenzerfetzender Spannung. Jeoch wird dieses schwindelerregend hohe Niveau nicht durch die gesamte, etwa eine Viertelstunde zu lange Laufzeit des Film duchgehalten, was durch die sich teilweise wiederholenden, oft einfach zu sehr in die Länge gezogenen Gewaltsequenzen und bereits erwähnter fehlender psychologischer Tiefe zu begründen ist. Zu Gunsten des Splatters erfährt der Zuschauer kaum etwas über die Hinter -und Beweggründe der Figuren. Dennoch werden Horrorfans bestens bedient und so stellt „I Saw the Devil“ einen Gang zur Schmerzgrenze da, bei dem man weder auf Atmosphäre noch auf Hochspannung, tolle Darsteller, hervorragende Bilder oder Hirn verzichten muss. Hirn gibt es sogar im Überfluss. In jeglicher Hinsicht. Sogar als Hauptgericht.

Wertung: 8/10.

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