Scream 4 (2011)

Mehr aus Nostalgie als aus wirklichem Interesse steckte ich gestern kurzerhand dem geldgierigen Kinobesitzer 8 Tacken in den Rachen, um die Wiederbelebung desjenigen Franchises zu sehen, der mein Interesse am Horrorfilm in meiner frühen Jugend aufkeimen ließ. Ohne dass ich damals die Meta-ebene mit den zahlreichen Film-im-Film-Referenzen wirklich verstand. Nun, da ich älter und reifer geworden bin, hat sich das natürlich geändert, die Erkenntnis kam mit der Gesichtsbehaaarung. Die augenzwinkernden Scherze auf Kosten der Genre-Kollegen, welche selbigen gleichzeitig huldigen, wurden allerdings bereits in „Scream 2“ (1997) reichlich ausgereizt, um im dritten Teil der Reihe anno 2000 mitsamt jeglicher Spannung und dem letzten Funken Originalität mit Pauken und Trompeten unterzugehen. Nun, geschlagene elf Jahre nach „Scream 3“ hat sich einiges getan in der Medienwelt, was Regisseur Wes Craven mal mehr, mal weniger geschickt für seine Zwecke zu nutzen weiß. Überraschungen gibt es dabei kaum. Wird man bereits in den ersten 5 Minuten mit mäßig witzigen Film-im-Film-Scherzen übersättigt, klingelt kurz darauf das iPhone der über Filme philosophierenden Teenie-Hupfdohlen. Wir alle wissen, was dann passiert. Bodycount und Blutgehalt sind im Vergleich zu den Vorgängern deutlich den natürlich auch im Film aufgegriffenen Gewohnheiten der Generation „Torture Porn“ angepasst, das Ganze wird selbstverständlich per Online-Stream live im Internet übertragen. Zwischendurch klingeln nervtötend oft besagte iPhones, es gibt sogar eine App zur Imitation der Stimme von Ghostface (Ups, jetzt habe ich den besten Gag vorweg genommen), ein mysteriöser Facebook-Stalker kommt auch vor, es wird getwittert und ganz nebenbei dem Zuschauer quasi per Vorschlaghammer eingebläut, dass die gemeinen Horror-Remakes des neuen Jahrtausends neuen Gesetzen folgen, und dennoch jegliche Charaktere von „Scream 4“ sowie die Story auf Teil eins basieren. Das alles ist mäßig originell, wirklich schocken kann einen der Flattermann mit dem CGI-Messer (wiklich wahr!) ohnehin nicht mehr. Und dennoch, das Wiedersehen mit Sidney Prescott, Gale Weathers und dem liebenswerten Trottel-Bullen Dewey bereitet einfach Freude. Neve Campbell, Courtney Cox und David Arquette sind allesamt sichtlich in die Jahre gekommen, schlagen sich aber mit offensichtlicher Spielfreude wacker im Kampf gegen den Killer mit dem Faible für Telefonscherze. Dabei hat Campbell nicht mehr zu tun, als wieder zwischen toughem und ängstlichem Gesichtsausdruck zu wechseln, Cox mimt erneut die Bitch in Reinkultur und Arquette düst mit Blaulicht von Tatort zu Tatort. Zu spät natürlich. Die im Abzählreim-Verfahren nacheinander abgemurksten Teenie-Charaktere sind freilich mit Absicht auf Austauschbarkeit angelegt, und die Klimax des Films verfällt schließlich selbst der zuvor so oft zitierten Lächerlichkeit vieler Horror-Film-Plots und deren Finale.
Dass „Scream 4“ nicht in der Belanglosigkeit des modernen Popcorn-Kinos versinkt, ist allein dem Drehbuch von Kevin Williamson zu verdanken, der sich offenbar durchaus bewusst ist, dass der vierte Teil der Reihe eher durch Originalität auf der Meta-Ebene als durch Schocks punkten muss. Im Zuge dessen wird etwas zu häufig in die Film-im-Film-Trickkiste gepackt, dennoch ist das Endergebnis ein zeitgemäßer, nicht ganz dummer, temporeicher Spaß mit teils recht pointierten Dialogen.
„Scream 4“ erreicht somit in etwa das Niveau des Originals, abzüglich Überraschungseffekt. Einen frischen Wind bringt Craven diesmal sicher nicht ins ausgelutschte Genre. Trotzdem ist bereits „Scream 5“ in Planung. Vielleicht ja mit ein paar Scherzen über 3D… in 3D. Das wär doch mal was.

Wertung: 6.5/10

Dieser Beitrag wurde unter 6.5 / 10, Filmreview, Horror, Komödie, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Scream 4 (2011)

  1. Hitmanski schreibt:

    Liest sich gut, auch wenn ich nach nunmehr zweiter Sichtung anderer Meinung bin.
    Gegenüber dem kongenialen Meta-Spiel aus Teil 3 wirkt die Neuauflage verhältnismäßig brav und auf Genrefilm getrimmt; schlimmer aber: Gerade das Drehbuch ist der eigentliche Schwachpunkt des Films, wiederholt es doch nur schematisch bereits in der vorangegangenen Trilogie Gesagtes; kupfert dieses szenenweise sogar fast 1:1 ab (siehe Intro Part II – Stabathon Teil IV). Vor allem aber scheut sich Williamson, die Emanzipation von den Vorgängern, mit der der Film ständig kokettiert, wirklich durchzuziehen – am Schluss setzt er die Uhren wieder zurück auf Null; eine Feigheit, an der wohl vor allem die etwaigen Nachfolger zu knabbern haben werden.

    Was bleibt ist ein funktionaler Teen-Slasher postmoderner Prägung, dessen cyber-generation-Bezüge zwar nett sind, aber auch nicht viel weiter gehen, als Romeros YouTube-Anleihen in DIARY (und im Gegensatz zu diesem, den altweisen Ton nicht ganz verbergen können) – das klappt alles ganz gut, und ich mochte den Film als ich damals aus dem Kino auch; aber einer genaueren Betrachtung hält er eigentlich nicht stand – und das kann nach den qualitativ starken Vorgängern nicht das sein, mit dem sich Craven hier zufrieden geben kann.

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