Monsters (2010)

„Monsters“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie sehr man sich als Zuschauer selbst mit den eigenen Erwartungen im Wege stehen kann. Erwartungen, die mit einem vielversprechenden Titel wie „Monsters“ geschürt werden, oder durch die prächtige Idee des Verleihs, den Film in einem Atemzug mit „Cloverfield“ zu nennen. Man erwartet einen Monsterschocker in Wackeloptik, letztenendes geboten bekommt man jedoch etwas anderes: Ein subtiles, fast leises Roadmovie, eine Reflexion über die wild wuchernden Auswüchse der Zivilisation im Endzeitgewand. „Wer sind die wahren Monster? Die Wesen in der infizierten Zone, oder doch wir Menschen?“ Diese Frage wirft „Monsters“ auf und, zugegeben, das ist mehr als platt. Die Metapher auf Soziopathie und Xenophobie im weiteren, die Außenpolitik der USA, insbesondere in Hinblick auf die Mexikopolitik, im engeren Sinne, dürfte sich jedem schnell erschlossen haben und ist spätestens seit dem grandiosen „District 9“, der mit einem ähnlichen Ausgangspunkt für seinen Plot aufwartet, nicht mehr neu. Lobenswerterweise, und das hat der Film nun doch mit dem nicht minder platten „Cloverfield“ gemein, setzt „Monsters“ mehr auf Realismus denn auf blutrünstige Schockeffekte. Allerdings hat dies zum Nachteil, dass die rar gesäten Szenen, in denen es dann doch einmal zu einem fatalen Zusammentreffen zwischen Mensch und Monster kommt, genreüblich nachts stattfinden. Und nachts ist es bekanntermaßen dunkel. Demzufolge sieht man häufig schlicht und ergreifend nichts. Da helfen weder nervtötende Soundeffekte, noch die schnell umherfuchtelnde Kamera, die in verschiedenen Winkeln Dunkel zeigt. Dazu bleibt beim schemenhaften Anblick der Kreaturen, die aussehen wie große Tintenfische und klingen wie Chewbacca, der wahrscheinlich intendierte Schauereffekt sowie sowas wie Spannung fast vollständig aus.
Und dennoch kann Regisseur Gareth Edwards schließlich das Ruder ein wenig herumreißen, denn die fantastische Schlusssequenz, die uns vermutlich die eigentliche Schönheit der von den Protagonisten verhassten Kreaturen vor Augen führen soll, ist zumindest optisch genial und erinnert deutlich an die kitschige, moralinsaure und trotzdem beeindruckende Schlüsselszene aus James Cameron’s „The Abyss“ (im Director’s Cut). Geht man also mit den Erwartungen eines ruhigen, trotz seiner nur 90-minütigen Laufzeit zuweilen fast langatmig wirkenden Science-Fiction-Refexion an „Monsters“ heran, eröffnet sich einem ein interessantes, sehenswertes und mutiges Stück Anders-Kino, das viel eher mit „Contact“ mit Jodie Foster zu vergleichen ist als mit einschlägigen Monsterfilmen.

Wertung: 7/10.

Dieser Beitrag wurde unter 7.0 / 10, Filmreview, Science-Fiction veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s