Bedevilled (2010)

Man sollte schon die häufig vorherrschenden Konventionen des koreanischen Kinos mögen, bevor man sich an „Bedevilled“ heranwagt: Teilweise episch lange Kameraeinstellungen, und überzeichnete, idealtypisch angelegte Charaktere chargieren in eingestreuten, grotesk-absurden Slapstick-Sequenzen, anschließend stehen sich hemmungsloser Kitsch und ekstatische, kunstblutgetränkte Splattereinlagen direkt gegenüber. Nicht selten erinnert das Erstlingswerk von Regisseur Chul-soo Jang an die unkonventionellen, und für westliche Gemüter nicht selten äußerst gewöhnungsbedürftigen Werke des Kim Ki-Duk. Das ist auch gar nicht verwunderlich, fungierte er doch als Assistant Director für Kim Ki-Duk und dürfte dabei einige Techniken des Meisters erlernt und übernommen haben. Dabei wird einem die zunächst recht simpel erscheinende Moral um Schuld und Sühne, ein aufwühlendes Plädoyer gegen das Wegschauen, nicht gerade subtil aufs Auge gedrückt. Mit allem der ihm zur Verfügung stehenden Mittel veranstaltet der Regisseur ein wahres Tohuwabohu der Emotionen, transportiert durch exzellente Bilder. Gerade das zuweilen überzogen anmutende Szenario der ungeheuerlichen Gewalt gegenüber einer Frau, die von ihrem Mann und den anderen Inselbewohnern geradezu wie ein Tier gehalten wird, schüttelt einen ordentlich durch, stößt einen ab. Manche Handlungen der Figuren erscheinen zunächst unwahrscheinlich oder zumindest nicht sofort nachvollziehbar, seltsam und verwirrend. Doch was hier zunächst unverständlich erscheint, zieht uns an, was „Bedevilled“ trotz seiner daramturgischen Einfachheit und rauschhaften Brutalität eine gewisse Magie verleiht. Hinter dieser Magie steckt eine zutiefst menschliche Geschichte über ein Schicksal einer Frau in einer Kultur fernab der modernen, „westlichen“ Zivilisation. Eine Kultur, in der ein Menschenleben nichts zählt und drakonische Strafen Gesetze ersetzen. Der ach-so-zivilisierte Mensch unserer modernen, globalisierten Welt steht daneben… und schaut tatenlos zu.
„Bedevilled“ ist ein Film voller Poesie trotz der, wie so oft, extrem nervigen deutschen Synchro. In der ersten Hälfte ein bewegendes Drama welches sich in der zweiten Hälfte zu einem beinharten Rachefeldzug mit Slasher -und Splatterelementen entwickelt, sich dabei aber nie einer gewissen Prise grotesk-absurdem Humor und einer gehörigen Portion Galle verwehrt, ist „Bedevilled“ ein Meisterstück mit doppeltem Boden, auch wenn die Moral zunächst simpel erscheint. Das Ende gestaltet sich zudem als grandios in Szene gesetzter, wenn auch etwas unglaubwürdiger Schlussakkord.

Wertung: 8.5/10

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