The Way Back – Der lange Weg (2010)

Sneak!
Was bereits im Titel seine Andeutung findet, verwirklicht sich in letztlich 133 Minuten Kampf gegen die unerbittliche Natur. Was jedoch das Potential besitzt als gnadenlos bebilderte Zerreißprobe den Besucher vor der großen Leinwand in den Kinosessel zu fesseln, könnte denselben Zuschauer vor dem heimischen Screen so überhaupt nicht berühren. Gemeint ist die von Regisseur Peter Weir zelebrierte Bildgewalt, dessen Bedrohung nur insofern auch als solche wahrgenommen werden kann, falls die Möglichkeit einer situativen Identifikation geboten wird. Und an eben dieser Stelle kränkelt ‚The Way Back‘.
Vermag er doch zu imponieren durch bombastische, vielfältige Kulissen, sogar durch differenzierte Charakterdarbietung positiv hervorzulinsen, wird die Natur als einziger Feind, als einziger Gegenspieler auf der Flucht leider nicht als stets im Nacken sitzend, nicht als außergewöhnliche Gefahr durchs Mark fahrend empfunden. Keineswegs sollen hier die Leiden der sichtlich ausgemergelten, von Hitze, Kälte, Einsamkeit und zeitweiliger Trauer zersetzten Protagonisten beschönigt werden, dennoch fehlt ein greifbarer Gegenspieler, der ebenso der über allen stehenden Natur hilflos ausgeliefert ist. Konkret hätte dies den personifizierenden Effekt einer wahrhaftigen Allgegenwärtigkeit des Phänomens ‚Natur‘ zur Folge gehabt. So entwickelt sich allerdings die anfänglich packende Flucht zu einer sich voran schleppenden Reise von Örtlichkeit zu Örtlichkeit und weiß nach 90 Minuten, in der ewigen Wüste angelangt, nicht mehr derart zu faszinieren. Auch der Zuschauer wird einer enormen Belastbarkeitsprobe unterzogen, zumal in keinster Weise etwaige Flashbacks dazu eingesetzt werden die in stoischer Geradlinigkeit erzählte Geschichte zu durchbrechen, und dadurch aufzuwühlen. Die weiter oben angesprochene Identifikation mit der natürlich nahe zu gehenden Situation wird infolgedessen geschmälert, was unruhigere Kinobesucher, um es nett auszudrücken, dazu verleitete ihrem Missmut durch unqualifizierte Kommentare Luft zu machen: „Höhö, das is wie wenn de mitm Auto nach Köln fährst“ (quängeliger Kinobesucher als Kommentar zur Strecke, die die Protagonisten auf sich nehmen mussten) bzw. „„Isch hab jetz irgendwie voll Bock zu laufen, keine Ahnung warum“ (nach dem Ende des Films) oder der Tiefpunkt fehlender Empathie: „Kann man dem jetz die Nase abhauen, höhö?“ als Kommentar zu einem erfrorenen Mitstreiter nach langem, erbittertem Kampf.
Was außerdem neben jener miesen Begleitunterhaltung hängen bleibt, ist die Darbietung eines sichtlich in die Jahre gekommen Ed Harris, der jedoch ähnlich wie Colin Farrell nicht allzu blass bleibt; das Ganze in einer ansonsten zu einseitigen, für Fans des Genres jedoch geeigneten, Verfilmung eines Survivaltrips. Die wahre Begebenheit schenk‘ ich mir mal wieder.

Wertung: 6.0 / 10

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