Ghost in the Shell (1995)

Da gibt es Filme, die lassen sich Zeit. Filme, die es lieben ihre Bilder in dramatischster Vollkommenheit auszukosten, auszuleben, dem Zuschauer auf die Netzhaut zu brennen. Dann gibt es dagegen Filme wie ‚Ghost in the Shell‘, die dem Zuschauer in ihrer grade mal 80 minütigen Rasantheit nicht nur die Netzhaut buchstäblich abfackeln, sondern auch ein Feuerwerk im Verarbeitungszentrum lostreten. Was gestern Abend geschah, kratzt an einer Informationsüberflutung im positivsten Sinne, stets Erlebnisse verarbeitend und auf die Gesamtheit deutend.
Vor der Sichtung von ‚Ghost in the Shell‘ sollte man sich seinen Erwartungshorizont vergegenwärtigen, der sich in meinem Fall auf eine im Nachhinein äußerst dürftige Information über den Film beschränkte: Ich war vorbereitet auf eine ‚Auseinandersetzung mit der Vorstellung von Identität‘. WTF?! ,dass sich schließlich mannigfaltige Fäden um die wohl ausgereifteste Idee von Evolution, um eine Neudefintion vom Abstraktum Liebe, um die Auszeichnung und gleichzeitige Deformierung von Menschlichkeit als Bewusstseinsartefakt mit dem Ziel des Schwächenausgleichs hin zur Perfektion spinnen würden … dass der Gedanke der technischen Reproduzierbarkeit als Kopie, aber nicht als eigenständige, auratische Instanz aufgegriffen würde, das alles zeichnet den Film wirklich auf der höchsten Ebene für seine Anspruchsinitialzündung aus; dennoch – dies hatte ich mir nicht erträumt – und das in 80 Minuten? Auch bei höchster Konzentration, die ich versichere, und der inbegriffenen Informationsarmut vor der Sichtung, muss sich auch dieser Anime bei aller bewussten Abgrenzung die Frage stellen, dass auch bei komprimiertester Darstellung der angedachten Inhalte die Form zwangsläufig, und das bei allem vielfältigen Ideenreichtum, leiden muss. Dies äußert sich filmintern mittels der auf die absolute Quintessenz beschränkten Dialoge, deren Gehalt Wort für Wort aufgesogen und am besten direkt in perfekter Weise an die vorangegangenen Erwartungen anknüpfend verarbeitet werden sollte. Bei allem Respekt, ‚Ghost in the Shell‘ fasziniert und besticht trotz dieser stakkatoartigen Dialogeinlagen durch epische, musikalisch untermalte, sich tatsächlich zeitlassende Schauspiele. Hier driftet man ab, fühlt sich verbunden mit der effektvollen Zeichnung, Darstellung und der ausgebreiteten Welt im Science-Fiction-Gewand. Das tut gut. Auch die Actioneinlagen unterhalten und bieten Kontrastprogramm zum dialogischen Feuerwerk im Namens-, Sektoren- und allgemeinen Kategorisierungsgewitter. Keineswegs verliert sich jedoch die Umsetzung in ihrer Bandbreite, vielmehr verfolgt sie beständig einen Faden, mich als Zuschauer direkt in das Geschehen einbeziehend, mir die Möglichkeit gebend über den Tellerrand hinüber zu blinzeln, indem ich oftmals die Innensicht übernehme und doch selbst nicht weiß, wer ich grade bin. – Und das ist dann wohl die mich willkommenheißende Eintrittskarte für Teil II, der sich wahrhaftig den Luxus erlaubt den Zuschauer 10 Minuten länger in seinen Bann zu ziehen. Man darf gespannt sein!

Wertung: 8.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 8.5 / 10, Action, Anime, Filmempfehlung, Filmreview, Science-Fiction veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s