Dellamorte Dellamore (1994)

Der wandelnde Pfad der Untoten unterzieht sich einer weiteren Beschreitung, wohl gemerkt in ursprünglichster Auffassung als (hier philosophische) Auseinandersetzung mit dem Leben nach bzw. vor dem Tod, in Abgrenzung zur existenten Infiziertenausschlachtung. Außerdem bemerkenswert: Trotz Zombies bekommen wir nach heutigem, konventionellen Verständnis keinen Horrorfilm serviert – und das trotz Schieß- und Beißattacken. Es gibt keine beklemmende Atmosphäre innerhalb einer die Menschheit ausrottenden Epidemie, ebenso keine Spannung im Sinne von Suspense.
Erst bei einer derartigen, bewussten Abkehr von etwaigen Fehlerwartungen gegenüber dem Werk des italienischen Regisseurs Michele Soavi entsteht die Möglichkeit eines sympathisierenden Brückenschlages hin zu ‚Dellamorte Dellamore‘. Denn es mangelt nicht wirklich an einer makabren Szenerie , hauptsächlich definiert durch einen schaurig trashig wirkenden, weil nebeldurchfluteten Friedhof, einem benachteiligten Gehilfen, einer verranzten Behausung und nicht zuletzt reichlich überspitzt fiktionaler, surrealer Elemente. Wären wir auch beim Kern der Inszenierung angelangt: Der Film fußt auf einer Romanvorlage (die ich mal wieder nicht kenne). Jedoch ergeben sich daraus zwangsläufig übergeordnet sichtbare Konsequenzen, die sich auf die Adaption beziehen. Beispielsweise verrät der wiederholt einsetzende Off-Kommentar des Protagonisten viel über die ungelösten Probleme einer ‚Undarstellbarkeit‘ mehrerer Einstellungen. Dabei liegen die Stärken dieses Streifens (leider) in dessen niveauvoller, philosophischer Reflexion, die das Gezeigte und sich selbst als Ganzes zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt und demzufolge den skurrilen, sich eigentlich jeglichem Verständnis entziehenden Reaktionen erst wieder einen neuen Sinn verleiht. Platt ausgedrückt ist die hervorstechend gute Idee nicht auf den Mist des Films gewachsen, woraufhin sich die Bewertung von ‚Dellamorte Dellamore‘ auf die Umsetzung der rein textuellen Vorlage ein- bzw. beschränken muss – natürlich bis zu einem gewissen Grad, um nicht zu arg abzustrafen. Nichts, was wir zu sehen bekommen, erhebt Anspruch auf eine an die Realität angeglichende Ausrichtung. Nichts soll überhaupt oberflächlich Sinn stiften, erst auf der Metaebene entfalten die mittels einer ausgereiften Kameraarbeit präsentierten Bilder Bedeutung. An diesem Punkt angelangt erbricht sich der Film an einem Dilemma keinem einzigen Genre mehr vollends zugehörig zu sein, was ihm möglicherweise die Identität raubt: Für Trash besticht er durch zu wohlgeordnete, pointiert gesetzte Einstellungen und ein zu hohes Budget (4 Mio laut IMDb) für eine wirkliche Low-Budget-Produktion; für einen Schocker keine bzw. zu wenig echt schockierende, überspitzte Momente; für Horror zu wenig Suspense; und für Arthouse schlichtweg zu wenig die Grenzen überschreitendes Material. Der im amerikanischen betitelte ‚Cemetry Man‘ versprüht nicht die Art von Charme, die ihm eine wünschenswert liebevolle Position in der Trashecke beschert hätte, dafür will er zu viel und versaut seine intendierte Konsequenz mit dem plumpen Einsatz einer Schneekugel, die nun wirklich unnötig zum Anfang und zum Ende hin den fiktionalen Rahmen versucht abzugrenzen.
Was bleibt ist irgendwie ein unverdientes Dahinplätschern – als Resultat all dieser Überlegungen zur sinnvollen Bewertung (weshalb auch eine Empfehlung für Fans bestehen bleibt). Derlei Produktionen sind lobenswert, natürlich; dennoch gibt es andere Vertreter, die es verstehen, das eigene Herz ein Stück weit mehr in Aufruhr zu versetzen und eben nicht nur holzhammertechnisch mir den Tunnel mit bekanntem Licht am Ende vorzusetzen, dessen Symbol so wirkt, als ob es gezwungenermaßen dort erscheinen müsste. Schade, denn dieser Italiener hätte besser schmecken können.

Wertung: 6.0 / 10

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