Con Air (1997)

„Sie haben meine Frau getroffen?“
„Ja.“
„Persönlich?“
„Ja.“
„Wenn Sie sie das nächste Mal sehen, sagen Sie ihr, dass ich sie liebe. Sie ist mein Kolibri.“

Danke, liebe „Con Air“-Schreiber für solch sagenhaft tiefsinnigen Dialog, der, neben all den legendären Punchlines, die unser langhaariger Bombenleger Nicholas Cage hier ablaichen darf (unvergleichlich auch „Du hättest einfach den Hasen wieder in die Kiste zurücklegen sollen!“, weise Worte gesprochen nach einem tödlichen Kampf im Flugzeugbauch), garantiert für schallendes (unfreiwilliges) Gelächter sorgt. Cage mimt den All-American-Traumschwiegersohn, der eigentlich nur durch einen dummen Zufall und seine unglaublich guten, bei der US-Army erlernten Tötungs-Skills in den Knast kommt, als muskelbepackten Gutmenschen mit reinem Herzen und lächerlicher Frisur. Ein wahrer Messias unter den Knackis, die, wie sollte es anders sein, die schlimmsten der Schlimmsten der übermäßig bösen Unmenschen sind und logischerweise alle zusammen in ein einziges Flugzeug gepackt werden. Na, das kann ja nur schwerstens in die Hose gehen!
So kommt es dann auch, aber zum Glück ist Cameron Poe alias Cage in dem ganzen Chaos natürlich stets Herr der Lage, ein ausgebufftes Schlitzohr, der nicht nur „de[n] lebende[n] Beweis für die Resozialisierung“ (noch so eine hochgeistiger Spruch des Films) darstellt, sondern auch noch Scharfsinn besitzt und die anderen Super-Bösewichte link und flink über’s Ohr haut. John Cusack als gelackter Babyface-US-Marshall muss sich indes mit seinem arroganten Vorgesetzten mit Sportwagen und Sonnenbrille herumschlagen, der einfach nicht auf ihn hören will, und darf sich dabei pausenlos gestresst durch die Haare fahren. Am Ende ist es ihm dann auch vergönnt, Achtung Spoiler, besagten Wagen zu schrotten. Hat der Idiot ja auch nicht anders verdient, er hätte schließlich auf ihn hören sollen!
Neben einer schier unendlichen Liste von Ungereimtheiten und einer konsequenten Aneinanderreihung von absolut unlogischen Ereignissen (Wie können ein paar Gefangene ein ganzes Flugzeug aus dem Sand ziehen? Und wo haben die überhaupt die Seile her? ect., ect..), die, um die Liste komplett zu machen, in einer Notlandung mitten in Las Vegas gipfelt, sind es jedoch vor allem die Charaktermimen John Malkovich und Steve Buscemi, die ihre vollends überzeichneten Nicht-Charaktere mit sichtlicher Spielfreude, Herzblut und Verve dermaßen selbstironisch auf die Spitze treiben, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzusehen. Ihre Performances sind es, die „Con Air“ im Gegensatz zu den meisten anderen Jerry Bruckheimer-Produktionen schaubar machen, ohne dabei Sodbrennen zu bekommen.
Und ach, geht uns nicht allen das Herz auf, wenn Nicholas Cage am Ende doch seine Tochter und seine makellos amerikanische Ehefrau zu der Musik von LeAnn Rimes vor Glitzerkulisse endlich in die Arme schließen darf, und sich sein Töchterchen ergriffen von der Schönheit des Moments dabei auf die Lippen beißt? „Con Air“ ist einfach der Inbegriff des brachialen Schwachsinns, ein Feuerwerk der Klischees und ein Heidenspaß, wenn man’s mit Humor nimmt und am besten mit einer Kiste Bier runterspült. Na denn, Prost! Auf den Kolibri!

Wertung: 5.0/10

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