The New World (2005)

Im Kontext der derzeitigen überwiegend positiven Rezeption des diesjährigen Cannes-Gewinners „Tree of Life“ von Terrence Malick und der damit einhergehenden, nahezu frenetischen Lobhudelei des scheuen Regisseurs als einer der wichtigsten Filmemacher der Gegenwart, der nicht selten mit visionären Größen wie Stanley Kubrick in einem Atemzug genannt wird, sollte noch einmal an den filmischen Totalausfall der nur fünf Werke umfassenden Filmographie Malicks erinnert werden: „The New World“ aus dem Jahre 2005. Die angestrengte und ebenso anstrengende Neuinterpretation der Eroberung der „Neuen Welt“ und der daraus resultierenden Kämpfe zwischen amerikanischen Ureinwohnern und englischen Siedlern ist nicht mehr als eine pseudo-philosophische und noch dazu penetrant kitschig-schwulstige Variante des Pocanhontas-Mythos, die in Sachen Tiefgründigkeit die piefige Disney-Verfilmung noch unterbietet. Und da gab es wenigstens noch schmissige Songs zum Mitträllern.
In schwelgerischen, jedoch nicht zu Unrecht Oscar-nominierten Bildern werden hier unermüdlich leere Phrasen aus dem Off gedroschen, Colin Farell guckt nicht etwa kriegerisch-heldenhaft, sondern eher leeren Blickes über ein großes Nichts sinnierend und irgendwie ziemlich bemitleidenswert drein. Dazu hampelt Q’orianka Kilcher als Pocahontas nervtötend und dümmlich lachend durchs Bild. Die faserige Montage-artige Erzählweise trägt auch nicht gerade dazu bei, dem langweilig-hohlen Epos so etwas, was man als „künstlersich wertvoll“ bezeichnen könnte, zu verleihen. Dieses Attribut trifft hier ausschließlich auf die bereits erwähnte, visuell beeindruckende cinematographische Arbeit von Emmanuel Lubezki zu.
Offenbar wollte der öffentlichkeitsscheue Terrence Malick an seinen beachtlichen Erfolg von „Der schmale Grat“ aus dem Jahr 1998 anknüpfen, eine starbesetzte Reflexion über den Schrecken und Unsinn des Krieges, in welcher das Konzept von gedankenvollen Sequenzen in fulminatem Kriegsgeschehen aufgeht. Das Problem an „The New World“ ist, dass es, anders als beispielsweise das deutsche DVD-Cover suggeriert, nahezu kein Kriegsgeschehen gibt. Stattdessen bekommt man Langeweile en masse präsentiert, welche gerne visionäre Kunst wäre. „The New World“ ist ein nichtssagender Tiefschlag und ein Für-Dumm-Verkaufen des Zuschauers, dessen Existenz einzig durch einen zum Großmeister stilisierten Regisseur gerechtfertigt scheint. In diesem Zusammenhang drängt sich jedoch die Frage auf, ob ein sogenannter Großmeister nicht ein paar mehr Filme gedreht haben sollte, möglichst ohne pathetisch-überhöhten Klogriff wie diesen, bevor man ihn guten Gewissens in eine Schublade mit etwa Kubrick stecken kann?
Ich hoffe, ich kann bald endlich eine „Tree of Life“-Rezension folgen lassen. Schauen wir doch mal, ob diese Reflexion über Leben und Tod den Status des Eigenbrötlers Malick, der sich, und jetzt lehne ich mich mit Vergnügen weit aus dem Fenster, vermutlich in seiner Rolle des unnahbaren Künstlers gefällt, bestätigt oder stattdessen nicht auch zur langatmigen Farce verkommt. Man darf gespannt, und vor allem auch weiterhin für alles offen sein.

Wertung: 1.5/10.

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