Women Without Men (2009)

Keine Frage, wer die iranisch-deutsch-französische Co-Produktion „Women Without Men“ schauen möchte, dem bedarf es an Geduld. Alles andere als temporeich erzählt Regisseurin Shirin Neshat, von der auch das Drehbuch stammt, die Geschichte vierer Frauen, die unterdrückt und geradezu gefangen gehalten von ihren Männern oder den Männern um sie herum, während der Unruhen im Iran im Jahre 1953 in einer Villa fernab des Tumults in Teheran Zuflucht und die ersehnte Freiheit suchen.
Getragen wird der hypnotische Film von außerordentlich opulenten, farbenfrohen und kontrastreichen Bildern, symbolträchtig und manchmal geradezu selbstverliebt. Somit ergeben sich die temporären Längen nicht nur aus der subtilen, wortkargen Erzählweise des Films, die Regisseurin verliert auch zu Gunsten der Optik allzu häufig den Fortgang der Story aus den Augen. Dennoch transportiert ihre Darstellung ihres ganz eigenen Garten Eden auf faszinierende Art und Weise Emotionen, obgleich man diese aufgrund der geradezu unterkühlten Atmosphäre von „Women Without Men“ kaum fassen, geschweige denn beschreiben kann.
Dankenswerterweise ist dieses Werk kein feministisches Gender-Studies-Opus geworden, sondern ein Schicksalsdrama der ganz besonderen, nüchternen Art, das sich jedoch zeitweise im eigenen Glanz der Bilderpracht suhlt und verliert. Wunderbar authentisch gespielt, geben insbesondere die Hauptdarstellerinnen dem manchmal utopisch anmutenden Flair des Films den notwendigen realistischen Touch und die fast schon dokumentarische Thematisierung der Krawalle in Teheran bringt die Story wieder auf den Punkt, wenn sie abschweift und den Faden zu verlieren scheint. Aus welchem Grund jedoch die Protagonistin, die sich gleich zu Beginn des Films von dem Dach ihres Hauses (Gefängnisses) stürzt, auf dem Bordstein liegend dargestellt wird, als schliefe sie, bleibt unverständlich. So sieht niemand aus, der sich gerade mehrere Meter in den Tod gestürzt hat. Diese etwas holprige Dornröschen-Metapher wirkt doch reichlich lächerlich und scheint so gar nicht in den Kontext den sonst so zarten, aber dennoch bestimmten Films zu passen.
Manchmal etwas symbolüberfrachtet und einstweilen recht nüchtern, somit jedoch auch nie pathetisch, ergibt „Women Without Men“ unterm Strich letztlich ein kohärentes, in sich geschlossenes Bild: Schön, bewegend, anders.

Wertung: 7.0/10.

Dieser Beitrag wurde unter 7.0 / 10, Drama, Filmreview, Krieg, Melodram veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s