Tucker & Dale vs Evil (2010)

Ein Jeep bahnt sich seinen Weg entlang einer einsamen Landstraße, die sich durch die unendlichen Weiten des Inbegriffs des Hinderwaldes schlängelt. Darin: Eine Gruppe stereotyper 08/15-StudentInnen, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die versnobten Kinder reicher und noch versnobterer Eltern, auf dem Weg hinaus aus der großen Stadt, hinein in die Ferien, ins unzivilisierte Hillbilly-Hinterland. Es ertönt penetrant fröhlich-debiler Highschool-Rock der Kategorie Blink 182 (hier plärrt jedoch die kanadische Band Mass Undergoe): „Whoooooo!“ Vorbei zieht ein uralter, klappriger Truck, untermalt ist die gruselige Szenerie mit Unheil verheißender Musik, irre dreinguckende, bärtige Hinterwäldler glotzen ins Auto. Aber was noch viel schlimmer ist: Unsere College-Kids haben das Bier vergessen!
Die besten Kumpel Tucker und Dale, die einfach nur gemütliche Ferien mit Angeln und Bier in ihrem neu erworbenen, jedoch dringend renovierungsbedürftigen Ferienhaus mitten im Wald verbringen wollten, schliddern geradewegs in ein Chaos voller Blut, Eingeweide und scheinbar völlig durchgedrehter Studenten. Dabei haben sie deren attraktive Freundin doch vor dem sicheren Tod durch Ertrinken gerettet! Irgendwas stimmt doch mit den Kindern nicht!

„Tucker, du blutest!“ „Nein, es ist… STUDENTENBLUT!“
Dialoge wie dieser machen „Tucker & Dale“ zu einem Fest für Fans des abstrusen Wortwitzes und zu einem wahren Vergnügen für Splatter-, Horror -und Komödienfreunde: Ein durchweg unterhaltsames, spaßiges und pointiertes Prachtexemplar, das Elemente der Verwechslungskomödie und des Slapsticks mit einer gehörigen Portion Gore miteinander zu einem stimmigen Ganzen vermengt. Dabei sind es vor allem die beiden Hauptdarsteller Tyler Labine und Alan Tudyk, die einen dermaßen liebenswert-sympathischen und keineswegs albern überspitzten „Dorftrottel“-Charme versprühen, dass es eine wahre Freude ist, ihnen beim bitterbös-komischen Kampf gegen die vermeintlich entrückten „College Kids“ zuzuschauen. Angereichert durch zahlreiche Genrezitate, köstlich ist allen voran die brüllend komische „Texas Chain Saw Massacre“-Hommage, überzeugt „Tucker & Dale vs Evil“ auf ganzer Linie, ohne auf das direkt unter die Gürtellinie führende Abstellgleis der Niveaulosigkeit von „Scary Movie“ und der noch grottigeren Konsorten zu geraten.
Treffsicher und mit nur wenigen Rohrkrepierern werden hier genüsslich sämtliche Klischees des Backwood-Teenie-Horrorfilms, insbesondere jener der 70er und frühen 80er, die ja bekanntlich in den letzten zehn Jahren eine wahrhaftige Flut von meist lieblos heruntergekurbelten Remakes nach sich zogen (wovon die wenigsten auch nur annährend die Qualität und Originalität der Vorgänger erreichten), auf’s Korn genommen, ohne dabei außer Acht zu lassen, den verehrten Vorbildern dabei auch den nötigen Respekt zu zollen. Respekt und ein gesunder Schuß Ehrfurcht sind auch dringend nötig, immerhin ist das Horrorgenre das langlebigste Genre in Literatur und Film aller Zeiten, welches es schafft, immer wieder neue Fans hinzuzugewinnen und alte zu begeistern, ohne zwangsläufig auch etwas Neues zu kreieren. Wir Horrorfans lieben unsere Filme, obwohl wir meist genau wissen, was als nächstes passiert. Gibt es einen wahrhaft innovativen Schocker zu bestaunen, freuen wir uns wie ein kleines Kind an Weihnachten. Wenn nicht, auch egal. Welches Genre kann das schon von sich behaupten?
Ebene jener Respekt für die Verdienste der durch den Kakao gezogenen Vorbilder am blutrünstigen Teil der Menschheit ist es, der den selbsternannten „Parodien“ a la „Scary Movie“ und „Fantastic Movie“ und wie sie alle heißen mögen, komplett abgeht. Vor „Tucker & Dale vs Evil“ schafften es in den letzten Jahren lediglich das Duo Simon Pegg/Nick Frost mit ihren überragenden Parodien „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“, Albernheiten auf hohem Niveau zu zelebrieren und dabei noch etwas eigenes, künstlerisch wertvolles (und brutales) zu schaffen. Den schwarzhumorigen Geist dieser Musterbeispiele für gelungene Verballhornungen atmet auch „Tucker & Dale vs Evil“, kurioserweise könnte man gar eine Prise Brit-Humor entdecken, obwohl der Film in Kanada seinen Ursprung hat. Wie dem auch sei, er ist ein wahrer Festschmaus für alle, die es deftig, aber stilvoll und vor allem komisch mögen.
Um es mit den Worten von Tucker und Dale zu sagen: „Auf die positiven Dinge im Leben!“

Wertung: 8.0/10

Dieser Beitrag wurde unter 8.0 / 10, Filmreview, Horror, Komödie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s