Das Gesetz der Ehre (2008)

Was ist nur mit Edward Norton geschehen? Durch seine formidablen und Oscar-nominierten Leistungen in „Zwielicht“ (1996) und „American History X“ (1998), sowie natürlich seine Performance im Meisterwerk „Fight Club“ (1999), schien Norton zu dem Lieblingsschauspieler einer ganzen Generation zu werden. Danach wurde es jedoch eher ruhig um den wandlungsfähigen Schauspieler mit dem jugenhaften Gesicht und dem Faible für zerrissene, tiefgründige Charaktere. Seit jeher dreht er oft mittelmäßige Filme, nur wenige wirkliche Perlen wie „25 Stunden“ (2002), der hierzulande angesichts des themenverwandten Box-Office-Hits „Prestige“ (2006) absolut unterbewertete „The Illusionist“ (ebendann) oder die spritzig-gallige Komödie „Leaves of Grass“ aus dem Jahr 2009 werten die Filmographie Nortons der letzten zehn Jahre auf, daneben stehen dumpfe 08/15-Hollywood-Machwerke der Marke „The Italian Job“ (2003) , „Roter Drache“ (2002) oder „The Incredible Hulk“ (2008). Zu letzterer Kategorie in dieser unausgegoren wirkenden Mixtur einer immerhin Genregrenzen-sprengenden Filmographie, die aber fast durchweg der schauspielerischen Exzellenz des Ausnahmetalents Nortons zu spotten scheint, gehört auch „Pride and Glory“, zu Deutsch: „Das Gesetz der Ehre“: Norton spielt den gewissenhaften Cop, der den korrupten Machenschaften seiner Einheit, der fast seine gesamte Sippe angehört, auf die Schliche kommt, allzu routiniert und fügt sich damit in das lustlos gegen das vor Polizeifilm-Kitsch triefende Drehbuch anspielende Ensemble ein. Colin Farrell, ein ähnlich großes Talent wie Norton, das ein ähnliches Schicksal auf den absteigenden Ast verbannte, darf hier wieder mal den Haudegen-Iren mimen, wirkt dabei aber affektiert und reichlich blass.
„Pride and Glory“ ist ein Möchtegern-Plädoyer gegen Polizeigewalt und Korruption, welches allzusehr dem Glanz der eigenen Uniformen verfällt. Familienfilm-Pathos wird vermengt mit einem durch hohles Gewäsch über Ehre und Gewissenhaftigkeit eklatant scheinheilig heraufbeschworenen Berufsethos, eingebettet in eine vorhersehbaren Story. Das Ganze gipfelt in einem finalen Faustkampf der Rivalen Norton/Farrell, der, untermalt mit irischer Musik, wirkt wie ein Videospiel-Fight der lächerlichen Art.
Sieht man über die fehlende Substanz des Plots hinweg, wird man dennoch nur mäßig unterhalten. Das ist typisches Hollywood-Kitsch-Kino in Reinkultur, mit Pseudo-Message und ausgeleiert wirkendem Spannungsbogen, der in dem Genre schon allzu oft überspannt wurde. Für einen leidlich unterhaltsamen Sonntagabend kann man „Das Gesetz der Ehre“ als „Tatort“-Alternative geradeso durchgehen lassen. Für alle, die noch immer darauf warten, dass Edward Norton endlich noch einmal die Messlatte, die er einst selbst so schwindelerregend hoch legte, erreicht, stellt dieser Langweiler jedoch eine weitere herbe Enttäuschung dar.

Wertung: 4.0/10.

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