Memories of Murder (2003)

Solche Geschichten schreibt das Leben. Geschichten, die nahezu unglaublich erscheinen, wären sie nicht wahr und stammten aus der Feder eines von etwas zu viel Fantasie beseelten Drehbuchautoren. So auch die Story von „Salinui chueok“, die Suche nach einem brutalen Frauenmörder, ein Wettlauf gegen die Zeit, der immer wieder gebremst wird durch dilettantische Ermittlungsarbeit wider der Gesetze, Rivalitäten unter den ermittelnden Polizisten, Korruption und einem Mangel an Beweisen. „Memories of Murder“ ist durchsetzt von einer düsteren Atmosphäre, welcher man sich, transportiert durch Bilder, die trotz allen Schreckens eine geradezu unheimliche Schönheit besitzen, schlichtweg nicht entziehen kann. Zunächst nahezu unmerklich wird die Spannungsschraube im Minutentakt subtil, aber äußerst effektiv immer weiter angezogen, bis die Anspannung, Verzweiflung und rasende Wut der Protagonisten angesichts der nicht zu lösenden Kette von Verbrechen fast körperlich spürbar wird.
Während man zu Beginn des Films noch etwas ratlos der grotesk wirkenden Komik gegenübersteht und die anfänglich stupide und nervös agierenden Charaktere nicht zu wechseln weiß, baut sich bereits langsam und unterschwellig ein Spannungsfeld auf und zunehmend kippt der teils humoristische Tonus von „Memories of Murder“ in eine grandios in Szene gesetzte Verfilmung des sich stetig ausbreitenden Gefühls von Unbehagen. Jenes Unbehagen wird durch den bekannten Ausgang der Story noch zusätzlich gesteigert, da der Zuschauer das Geschehen häufig aus dem Blickwinkel des unbekannten Täters erlebt, der sich in den unheilvoll stillen Feldern und Wäldern verbirgt und wartet bis es regnet, um erneut zuzuschlagen.
„Memories of Murder“ ist schon jetzt ein Meilenstein des koreanischen Kinos, ein Paradebeispiel für perfekte Spannungserzeugung, das sich mit sämtlichen US-Vorbildern der Psychothriller- oder Kriminalfilmsparte nicht zu messen braucht. Zwar kommt der hervorragend gespielte Krimi eher langsam in Fahrt, was auch durch das reziproke Spannungselement der Komik hervorgerufen wird, scheint aber immer besser zu werden, bis er mit seinem fantastisch gefilmten Ende schließlich die Marke „Meisterwerk“ erreicht und dieses Prädikat summa summarum auch durchaus für sich beanspruchen darf.
Das asiatische Kino im Allgemeinen läuft Hollywood in Sachen Originalität und meisterlicher Regieführung schon seit einigen Jahren zunehmend den Rang ab, eine ständig an Masse dazugewinnende Welle, die das US-Kino dankenswerter Weise bald zu überrollen droht und hoffentlich zu einer Generalüberholung nötigt. „Memories of Murder“ gehört zur Speerspitze dieser Entwicklung: Spannend, innovativ, atmosphärisch dicht und unbedingt sehenswert!

Wertung: 8.5/10

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