Sunshine (2007)

Man braucht lediglich die phantastisch kolorierende, atmosphärisch eintauchende Hymne von John Murphy ‚Adagio In D Minor‘ in die Ohren strömen zu lassen, dann fühlt man es: Hier soll etwas Episches geschehen, etwas der Welt so Fernes und doch so Nahes präsentiert, einen Hauch von heroisierter Menschlichkeit vermittelt und tief ins Herz gestochen werden. Im Vordergrund steht eine dramatische Mission einiger Auserwählter das Sonnenlicht wiederzubringen, sich aufopfernd für die eigene Rasse, ein Unterfangen wiederzubeleben, das zum Scheitern verurteilt scheint, tiefergreifend offenbaren sich die menschlichen Abgründe im Entscheidungskreislauf der Verantwortung über das Leben selbst, und zwar nicht nur über das eigene.
Allround-Regisseur Danny Boyle, dessen Œuvre die verschiedensten Genres umfasst und seiner Zeit mit ‚Trainspotting‘ eine atemberaubende Sozialstudie im Drogensumpf startete, bebildert in ‚Sunshine‘ die tiefen Weiten des Weltraums auf zunächst stille, tragende Art und Weise, um dann an einem gewissen Punkt angelangt den Spannungsbogen retardierend explodieren zu lassen, genau im richtigen Moment den Zuschauer aus seinem behutsam gesponnenen Kokon zu reißen und das Tempo merklich anzuziehen. Boyle schafft es oftmals innerhalb von Minuten zu schockieren und die Situation eskalieren zu lassen [man vergleich hierzu das ewige Nichts zu Beginn von ’28 Days Later‘ mit den darauf folgenden Ereignissen], sodass man schließlich gebannt, mitgerissen, überwältigt sein müsste. … müsste. Jedoch kränkelt es zumindest beim gegenwärtigen ‚Sunshine‘ irgendwo; vieles klingt derart vermeintlich gut, dass es kaum vorstellbar erscheint hier nicht an vordester Front wie paralysiert eingetaucht zu sein. Wo liegt die undichte Stelle? Warum war doch irgendwie vieles egal, nichtig, was dort geschah? Was könnte der Grund für die fehlende Endzeitpräsenz in dessen intendierter Absolutheit gewesen sein, standen die Zeichen doch auf Science-Fiction-Genuss par excellence?
Womöglich muss sich ‚Sunshine‘ bei zweifellos aller visuellen Stärke eine ins Stocken geratene Charakterentwicklung ankreiden lassen. Denn Cillian Murphy, dessen bisherige Darbietungen aus bspw. ‚Batman Begins‘ und ’28 Days/Weeks Later‘ absolut überzeugen konnten, wirkt hier trotz der fast stetigen, wärmeeinflößenden Sonnenbestrahlung blass bis nichtssagend. Der Plot ist auf ihn zugeschnitten, die übrige Crew ist hölzern gezeichnet, erinnert an schwache Stereotypdarstellungen, denen irgendwas abhanden gekommen scheint. Ohne besagten Plot hier aufzufächern, lässt Drehbuchautor Alex Garland die Eindringlichkeit der ergreifenden Momente vermissen, bricht Storylines an Stellen ab, die es erlaubten weiter erforscht zu werden, eine dramatische Vorgeschichte zu beleuchten, deren Ereignisse aber im Dunkeln verborgen bleiben und eben nicht die mögliche Einbettung in das Gesamtkonstrukt erlauben. Bietet man dem Zuschauer schon keinen Aufbruch in eine entfernte Sphäre und wirft ihn direkt an Bord eines Raumschiffes inmitten einer sich anbahnenden Katastrophe, müsste man der Empathie willen die Beweggründe des Einzelnen beleuchten, eine Differenzierung ermöglichen ohne dabei lediglich abgeschmackte Passformen aufzufüllen.
Die allumfassende Idee hinter ‚Sunshine‘ spiegelt phantastische Atmosphäre in Endzeit wider, vergisst aber auf dem Weg zum rettenden Ufer die eigene Crew und den sich zuspitzenden Konflikt einer derart langen, mit Höhen und Tiefen gespickten Reise an ein unvorstellbar geglaubtes Ende allen Seins, der Sonne ins Auge blickend, die Interessen aller anderen über das Wohl des eigenen stellend, fortzuschreiten und das zu tun, wofür man sich bereit erklärt hat. Man ist als ein in seine Decke eingemummelter, wohlbehüteter Zuschauer dazu geneigt der Crew entgegen zu brüllen sich doch mehr zu öffnen, einem nicht nur visuell das noch nie Erlebte näher zu bringen, sondern vielmehr dieses noch nie Erlebte als Erfahrung nachvollziehbar zu machen. Schade.

Wertung: 6.5 / 10

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