The Silent House (2010)

‚La casa muda‘ aus Uruguay verdient allerhöchstes Lob auf formaler Ebene: Der Film kommt in 79 Minuten schnittfrei aus und wurde lediglich mit einer handelsüblichen Spiegelreflexkamera gedreht. Dafür begeistert der Look in seiner blass-blauen, schärfevariierenden Optik und imponiert durch eine dunkel aufflackernde Gruselatmosphäre inkl. Green-Lantern-Querverweis mit untermalender Musik. Das Experiment scheint insoweit gelungen und bedient sich im weiteren Verlauf vieler suspensefördernder und einiger schockiger Momente und treibt so den Zuschauer guten Gewissens zu einem mehr oder weniger twist-anspielenden Ende, das zwar nicht allzu platt daher kommt, vielleicht doch bewusst ein bisschen zu klug fragenaufwerfend durchdacht erscheint. Bei der Rezeption sollte daher unbedingt beachtet werden, dass dieser Streifen 10 mal weniger Budget hatte als bspw. ein ‚Blair Witch Project‘ [Quelle IMDb: 6000$ vs. 60000$ (estimated)]. Das sollte jetzt nicht entschuldigend klingen, doch dafür überrascht der third-person-Grusel aus Uruguay allemal – denn im Rahmen der Möglichkeiten werden die klaustrophobischen Stärken im Kammerspiel ausgeschöpft und auch die Glaubwürdigkeit der Szenerie wird nicht überstrapaziert, sondern bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar ausgestaltet.
Einleitend klingt das alles nach einem Hit, der es jedoch unter realistisch vergleichenden Bedingungen nicht ist, viel mehr als nett anmutend und für zwischendurch geeignet ist er dann wohl auch nicht. Eine Full-Time-Spannung konnte nicht aufrecht erhalten werden, die visuelle Eintönigkeit muss da schon durch bewusstes Einreden der einschränkenden Produktionsbedingungen gemildert werden. Auch wird wohl kein rein inhaltlich nachhaltiger Effekt bewirkt werden, was ‚The Silent House‘ einzig und allein auf sein innovativ formales Konstrukt zurückdrängt und beschränkt. Es ist mal wieder eine Frage des Erwartungshorizonts, der einen Film gefühlstechnisch festnagelt: Schafft man es als Zuschauer den Balanceakt zwischen Ein- und Ausblendens der Produktionsbedingungen zu meistern, so erwartet einen ein verhältnismäßig spannender Film, der auf alles zurückgreift, was in irgendeiner Form auf einfache Art und Weise Grusel und Grauen heraufbeschwören kann. Widersetzt man sich allerdings bewusst der magisch innovativen, schnittfreien Atmosphäre, so bekommt man auch das, was man sich zu sehen erhofft hat: Ambitioniertes, aber kurzweiliges Kino, das einerseits eben nicht an herkömmlichen Maßstäben gemessen werden kann und andererseits wohl eine knallharte Abwertung erfahren muss.

Wertung: 6.5 / 10

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