Zombieland (2009)

Was serviert uns Regisseur Ruben Fleischer für einen fulminanten Start: Im Angebot wären oktroyierte, in den Kontext eingebundene und mit rasant retardierenden Kamerafahrten unterlegte Überlebensregeln, ein Ironie widerspiegelnder, sympathisch anmutender Off-Kommentar eines Hempflings, der rückblickend und situativ angemessen eine Vorgeschichte erzählt und der gleichzeitig in unerlässlicher Art und Weise den Zuschauer direkt involviert bzw. [wenn auch nicht direkt] anspricht, außerdem erblitzen da ja auch noch unmissverständlich pointiert gesetzte Goremomente als unterhaltende Elemente das Licht der Welt; ja – all das lässt in der Tat einen Film erwarten, der im Stile von ‚Shaun Of The Dead‘ eine der wohl denkbarsten Bedrohungen der gegenwärtigen Zeit auseinandernimmt, karikiert und parodiert.
Nach diesem vielversprechenden Beginn hätte ja auch alles so gut werden können.
Hätte.
‚Zombieland'[s] größter Feind wird im weiteren Verlauf der Kritik wohl der Konjunktiv werden, denn Regel Nr.1 lautet für einen Zombiefilm: ‚Egal, ob du dich selbst todernst oder auf die Schippe nimmst, denk immer an deine Glaubwürdigkeit!‘ – im Klartext bedeutet das bei aller locker flockigen Rip-Off-Parade im Metzelfieber, dass im Zombiedilemma [wahlweise auch Infiziertenschlamassel – ‚Zombieland‘ bleibt da ein wenig inkonsequent] zwangsläufig alle Sinne mit von der Partie sind und dass dementsprechend die Lautstärke der zerberstenden Abschlachtung die Zombies als Masse [als DIE Bedrohung schlechthin] anziehen muss. Es kann eigentlich von Zuschauerseite nicht ignoriert werden, dass, auch wenn wir es hier mit einer action- und unterhaltungsbasierten Parodie zu tun haben, nur ein paar, natürlich super schnelle Infizierte unterwegs sind, die dann Jagd auf die Überlebenden machen. Achja. Überlebende. Leider noch ein wirklich nicht auszugrenzender Punkt, bei aller Liebe zur Satire. Wenn es schon so wenig Zombies gibt, wo sind dann die Überlebenden? Alle in ihren Häusern? Bei einer Massenpanik? Der reflektiert wirkende, seiner Heimatstadt nachempfundene Columbus [glaubhaft nerdig angehaucht gespielt von Jesse Eisenberg] macht sich darüber scheinbar auch keine Gedanken, ‚Zombieland‘ umgeht so eher ins Schwanken geratend einige Leerstellen, die es nunmal zu füllen gibt, um nicht inkonsequent zu werden.
Wären wir auch schon bei Regel Nr.2 für Zombiefilme: ‚Inszeniere dich konsequent und lass deine Personen konsequent handeln, denn dadurch vermeidest du den Bruch mit Regel Nr.1‘ – Konkret stößt es nunmal bitter auf, wenn gegen Ende unsere beliebten Pappnasen-Zombies den Freizeitpark entern, weil sie durch die Lichterflut und den Krach aufhorchen, hier nun unerklärlicherweise urplötzlich eine große Masse auftaucht, wohingegen zuvor Stecknadelstille beim laut tratschenden Gelaber der Protagonisten über die kleinen Dinge im Leben [Amelie lässt grüßen!] herrschte. Irgendwie lassen sich all diese Aspekte eben nicht einfach abschalten, wie es womöglich allseits empfohlen wird. Eher wirkt es so, als ob Ruben Fleischer ein recht geringes Gespür für ein Zu-Ende-Denken hat, was bei einer Zombie-Infizierten-Epidemie ohne Ursprungserklärung letztlich zum Super-GAU führen kann. Bemerkt man die tollen Ideen [inklusive eines tollen Cameos] und empfindet man zugleich diese inkonsequente Tristesse gepaart mit diesem unfassbar idiotischen Mädels-Duo [dazu gleich mehr], erregt das ärgerliches Grummeln in der Magengegend und eben kein amüsiertes Gelächter. Eine gewisse augenzwinkernde Ernsthaftigkeit einer derart hoffnungslosen Situation lässt sich nicht totschweigen, weshalb die unreflektierte Dummheit der beiden, gegen Ende vollkommen zurecht leidenden Gören in der grausamen Freizeitparkinfiltrierung gipfelt und da dann einfach nurnoch ärgert. Es findet kein Hinterfragen statt, keine gesellschaftskritische Ebene wie in ‚Shaun Of The Dead‘, kein konsequenter Tod der beiden Schlampen – nein, vielmehr tritt das genaue Gegenteil ein.
Bei einer Laufzeit von lediglich 88 Minuten gibt es zu viele Durchhänger in Form von ewig lang wirkenden Autofahrten und kleineren Klein-Mädchen-Scharmützeln, die zu keiner Zeit von bedrohlichen Zombiescharen gestört werden. ‚Zombieland‘ verschießt sein Pulver zu Beginn und kränkelt auf fundamentaler Ebene, bleibt dabei ein Spaß für Fans, die es schaffen ihr Gehirn in konsequent inkonsequenter Manier auszuschalten. Wer allerdings glaubt in diesem Film bereits den Zombiefilm der Neuzeit gesehen zu haben, darf sich schonmal auf die Inszenierung der äußerst gelungenen Romanvorlage ‚World War Z – An Oral History of the Zombie War‘ [angekündigt für 2014] freuen, dessen Potential vermutlich unter allen Umständen versuchen wird die Waage von Ernsthaftigkeit und augenzwinkernder Coolness zu halten. [Mit Regisseur Marc Forster und Protagonist Brad Pitt stehen die Chancen gut] Diesbezüglich darf man schonmal gespannt sein, wohl auch auf die Umsetzung des angekündigten ‚Zombieland 2‘, zu dessen Handlung bezeichnenderweise noch nichts bekannt ist.

Wertung: 6.5 / 10

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