Der Plan (2011)

Dieser Artikel enthält Spoiler!
„The Adjustment Bureau“ beginnt zunächst recht vielversprechend und der routiniert wirkende Matt Damon versprüht mitsamt seiner ebenbürtig charismatischen Gespielin Emily Blunt eigentlich genug Charme, um einen ganzen Film zu tragen. Doch auch die gut aufgelegten Darsteller vermögen nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die visionäre Vorlage von Philip K. Dick nicht adäquat ins 21. Jahrhundert transportiert wurde. Die grauen Herren (bei deren Anblick ich sofort an die grauen Herren aus Michael Endes „Momo“ denken musste. Ob das die intendierte Assoziation des Regisseurs war?) mit den Hüten wirken im modernen New York wie Artefakte einer längt vergangenen Zeit und können mit ihrem antiquiert wirkenden Schicksals-Geplapper nicht mal kleine Kinder erschrecken. Das Grundschulalter muss man auch nicht unbedingt überschritten haben, um die eher platte Gottes-Allegorie hinter der “Wir-sind-füreinander-bestimmt“- Love Story im sanften Thriller-Gewand zu verstehen: Der Vorsitzende, wie er hier genannt wird, würde uns in seiner unendlichen Güte ja gerne den freien Willen lassen. Dumm nur, dass wir Menschen dann sofort so etwas furchtbar Blödes wie den Holocaust oder die Kuba Krise anstellen, sobald er uns für einen Moment gewähren lässt und sich sogar seine Engel, die sogenannten „Planwächter“, aus dem Geschehen auf der Erde zurückziehen. In einem eher gemächlichen Thriller, der lediglich auf Unterhaltung aus ist, in einem Nebensatz ganz lapidar so etwas wie den Holocaust zu erwähnen, obwohl dies eigentlich gar nicht der Story dienlich ist, ist unpassend und fast schon makaber, und wird in „Der Plan“ weder durch nennenswerte Schauwerte noch durch ein sonderlich originelles Skript wett gemacht.
Letztlich ist „The Adjustment Bureau“ vorhersehbares, typisch glatt gebügeltes Hollywood-Kino nach Schema F, und über weite Strecken schlichtweg gepflegte Langeweile. Viele der Dialoge wirken gestelzt und wenn Matt Damon eine gefühlte Ewigkeit mit Schlapphut durch den Regen läuft, kippt das Ganze sogar fast ins unfreiwillig Komische. Am Ende dann die Überraschung: Es gibt ihn doch, den freien Willen! Man muss eben nur die Hürden, die uns in den Weg gestellt werden, überwinden und für das kämpfen, was man wirklich will. Mein lieber Schwan, das ist ja ein Ding! All das, was uns Regisseur George Nolfi hier auftischt, hat man schonmal gesehen, meist besser, zudem sind die Logiklöcher so groß, dass man ganz Manhattan darin versenken könnte.
Im Vergleich zu genreverwandten Unterhaltungsfilmen ist „Der Plan“ zwar unterm Strich nicht grandios gescheitert, aber dennoch bestenfalls annehmbar. Nicht schlecht und dumm genug, um sich wirklich erbost und verärgert darüber ereifern zu können, aber eben bei weitem auch nicht gut und klug genug, um zu überzeugen, kann man dieses unspektakuläre Mittelmaß getrost vergessen.

Wertung: 4.5/10.

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