Cold Fish (2010)

Dieser japanische Genre-Bastard aus Groteske, Splatter und Gangsterfilm ist misogyn, nihilistisch, stupide und in jeglicher Hinsicht over the top. Mag der geneigte Zuschauer zu Beginn des überlangen Spektakels den Nerv-Faktor des zunächst interessanten Plots auf die für deutsche Muttersprachler fremdartig wirkende Intonation der japanischen Sprache schieben, entpuppt sich das Machwerk des zur Kunstfigur stilisierten Regisseurs Shion Sono schließlich zu einem undefinierbaren Gemeng aus Gedärmen, Sex und Blut. Neben der höchst fragwürdigen Moral der G’schicht, die uns allen Ernstes suggeriert, dass man Menschen quälen und erniedrigen muss, bis sie ihr wahres Ich erkennen und ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen, fungiert der Geschlechtsakt als Symbol für die Souveränität des Mannes und damit einhergehend für die vermeintliche Minderwertigkeit der Frau: Die Frauenfiguren in „Cold Fish“ sind alle auf eine andere Art willenlos, manipulativ und gleichzeitig manipulierbar, nymphoman oder sexuell untreu, aber dennoch dem Mann treu und ehrfürchtig untergeben; jedoch nicht nur einem einzigen Mann, sondern stets jenem, der sich gerade als ihr Herr und Gebieter deklariert. Dieser ganze Stumpfsinn wird einem, auf 145 Minuten ausgewalzt, in bester Möchtegern-„Clockwork-Orange“-Tradition mit fröhlicher Zirkus-Musik untermalt präsentiert, während die jugendliche Tochter gluksend und giggelnd auf ihren auf dem Boden liegenden Vater eintritt.
„Life is Pain“. Das ist sie also, die nichtssagende, pseudo-philosophische Quintessenz des blutigen Spektakels, das so edel gefilmt und vielversprechend beginnt und sich nach einem perfiden zweiten Akt in Lesbenspielchen mit Handpuppen, dem Wedeln mit abgetrenntem Penis und lustvollem Gewühl in Innereien und anderen Körperteilen mit der abstoßenden Geräuschkulisse eines ultrabrutalen Gewaltpornos verliert. Bei aller Liebe zum asiatischen Kino, „Tsumetai nettaigyo“ ist eine auf Kunst getrimmte Sushi-Schlachtplatte, die, obwohl sie uns als Appetithappen auf einem Silbertablett serviert wird, mächtig nach vergammeltem Fisch stinkt.

Wertung: 1.0/10

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