Coma (1978)

Mit „Coma“ hat Regisseur Michael Crichton zweifelsohne das Standardwerk des Medizin-Thrillers geschaffen, und zudem ein Paradebeispiel des amerikanischen Paranoia-Kinos der 70er-Jahre. Dabei entpuppt sich jedoch der vermeintliche Verfolgungswahn der Protagonistin Genre-üblich als berechtigt, steht ihr als Individuum doch tatsächlich ein übermächtig erscheinendes Kollektiv in Form einer weit vernetzten Verschwörung gegenüber, die kerngesunde, sich wegen Lappalien in Behandlung befindende Patienten zunächst ins Koma versetzt, um sie anschließend zwecks des Handels mit deren intakten Organen im großen Stil umzubringen. Zudem bemächtigt sich dieses im Mikrokosmos des hier als Schauplatz fungierenden Krankenhauses omnipräsente Kollektiv einer neuen, ansgteinflößend mächtigen Technologie (der Computer), um ihre skrupellosen Machenschaften im Verborgenen zu kontinuieren.
Hier entpuppt sich die Paranoia der von Edelmimin Geneviève Bujold verkörperten Heldin Dr. Wheeler gleich zweifach als wahr, schließlich ist der damals als Science-Fiction charakterisierte Plot heute, über dreißig Jahre später, längst Realität und illegaler Organhandel keinesfalls Teil einer aus der Fantasie eines Mainstream-Autors entsprungenen Utopie. Die Szene, welche uns und Dr. Wheeler die „Aufbewahrung“ der komatösen, scheinbar im Raum schwebenden PatientInnen an Kabeln, durch welche sie mit dem alles kontrollierenden und die Lebensfunktionen aufrecht erhaltenden Computer vernetzt sind, präsentiert, ist weltberühmt und wurde sogar von aufstrebenden Rockbands der Gegenwart, wie der schottischen Combo Biffy Clyro, in ihren Videoclips („Machines“) aufgegriffen. Der Film an sich ist heute jedoch seltsamerweise weitgehend in Vergessenheit geraten. Völlig unverständlich, schließlich handelt es sich bei „Coma“ um einen der ersten Vertreter des amerikanischen Thriller-Genres, der ähnlich wie zuvor „Rosemaries Baby“ eine Frau als Protagonistin hat, die einen gesamten Film im Alleingang trägt und selbst Größen wie Michael Douglas zu mehr oder minder farblosen Nebenfiguren degradiert, zudem mutig, eigenwillig, kühl wirkt und zu keiner Zeit als der Männerwelt untergeben dargestellt wird oder ihre sexuellen Reize einsetzen muss, um sich und ihre ambitionierten Ziele durchsetzen zu können. Überhaupt ist die Darstellung der Bujold insofern bemerkenswert, als sie neben aller unterkühlten Finesse nicht mal besonders sympathisch daherkommt.
„Coma“ ist subtil, hochspannend, gut gespielt und visonärer als es möglicherweise seine Macher selbst anno 1978 vermutet hätten. Aus diesem Grund, und dank der unbehaglichen Atmosphäre der intensiven Paranoia, ist dieser Klassiker wohl einer der am meisten unterbewerteten Filme überhaupt.

Wertung: 7.5/10.

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