Stake Land (2010)

Ist es eigentlich von Wert sich ein weiteres Mal über einen dt. Filmverleih auszulassen, dem es offensichtlich Spaß bereitet den dt. Zuschauer für dumm zu verkaufen, indem der Originaltitel allen Ernstes dem sagenhaft selbstsprechenden Anglizismus »Vampire Nation« weichen musste? – Nein.
Daher direkt zum Film: »Stake Land« präsentiert sich in äußerst nüchtern-realistischer Optik, die damit ein Gegenstück zum facettenreich-apokalyptischen Plot entwirft. Die kontrastarmen und zugleich hochgradig geschärften Bilder inmitten der von Wäldern umgebenden, leergefegten Welt schaffen ein Setting, das von Tristesse beherrscht wird. Aufgrunddessen erscheint die Charakterzeichnung des zerfurchten und dennoch furchtlosen Überlebenden, lediglich genannt: ‚Mister‘ [authentisch: Nick Damici] nur konsequent. Ihm an die Seite wird ein heranwachsender Junge [sich sichtlich entwickelnd: Connor Paolo] gestellt, der in dieser Zeit der Post-Epidemie groß wird und mit den Gegebenheiten umzugehen lernt. Ihnen begegnen bei ihrem Feldzug die unterschiedlichsten Gruppierungen, deren extremste Ausformung einerseits als Schlüsselelement in der Storyline fungiert, sich andererseits für eine ethisch-moralische Hinterfragung anbietet und zugleich als Bindeglied zum eigentlichen Horrorfaktor dient. Denn was sich dort in den dunklen Gefilden bei all-nächtlicher Dämmerung vereinzelt zusammenrottet gleicht einer besonderen Spezies ethisch aufgeladener, schwer einzuschätzender – belassen wir es mal der Einfachheit halber bei: Vampiren, die tagsüber passiv an einem unbekannten Ort verweilen, wo genau bleibt (leider) offen. Nimmt man diese nämlich genauer unter die Lupe, greift unser geliebter, es sich wie so oft einfach machender Titel »Vampire Nation« ein wenig kurz. Um etwaigen Spoilern zu entgehen, wird sich im Folgenden nur bis zu einem gewissen Grade mit diesen Wesen befasst. Festhalten kann man jedenfalls, dass sie eine fast unzähmbare, unreflektierte Gier nach Blut und Fleisch versprühen [Pro-Zombie], beängstigend agil wirken [Contra-Zombie und Pro-Infizierte], sowie äußerst selten in Massen auftreten [Contra-Zombie und Contra-Infizierte]. Zugegeben stimmt hier was ganz gewaltig nicht, hebt man das zuletztgenannte Charakteristikum hervor. Die Story entpuppt sich nämlich in ihrem Fortgang nur allzu konsequent als die vom Stoff her angehaucht gleichende Fortsetzung des spanischen »[Rec]«, wenn auch mit erheblich abweichendem Ergebnis. Und eben an dieser Stelle kränkelt der Film rund um Regisseur Jim Mickle: Er eröffnet eine Geschmacksfrage. Spielt man mit phantastischen Elementen und inszeniert man dahingehend konsequent, ergeben sich zwangsläufig Twists, die ein Stirnrunzeln mit vielleicht einhergehendem Kopfschütteln bewirken. »Stake Land« beschreitet in vollstem Bewusstsein diesen Pfad und lässt dadurch die zuvor geübte ethische Kritik verwässern, verblassen, indem der Film sich dann mit einem Ende präsentiert, das allgemeingültig zufriedenstellender hätte sein können.
Zusammenfassend bleibt ein mit Schockelementen gespicktes, unterhaltend bedrückendes Road-Movie-Erlebnis, das sich von einer andersartigen Seite präsentiert und klar Stellung bezieht ohne dabei bewusst den Zuschauer mit offenen Fragen zurückzulassen. Demnach für Fans, die es abgeschlossen und ohne irritierende Schnörkel mögen, absolut sehenswert. Für andere wiederum (leider) einfach nur eine größtenteils sehenswerte Abend-/Nachtunterhaltung.

Wertung: 7.0 / 10

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