Kill the Boss (2011)

„Horrible Bosses“ hätte eine rabenschwarze Komödie im Stil des britischen Alec Guinness-Klassikers „Ladykillers“ aus dem Jahre 1955 werden können, und hätte damit sicher das Potenzial für den Titel der Komödie des Jahres 2011 gehabt. Aber wie die Anwendung des Konjunktiv suggeriert, ist das leider nicht der Fall und dieser Titel geht aller Voraussicht nach an „Brautalarm“. Dem Drehbuch fehlt es gehörig an Biss, nicht selten fühlt es sich an, als sei den Autoren ein Riegel vorgeschoben worden. Dabei wurde hier im Ansatz alles richtig gemacht: Viele Gags treffen voll ins Schwarze, daneben gibt es nur leider auch einige Rohrkrepierer zu verzeichnen. Dass „Kill the Boss“ (warum zum Henker behielt der Deutsche Verleih nicht den Originaltitel bei?) überwiegend funktioniert, ist vor allem dem hervorragend aufspielenden Cast zu verdanken: Kevin Spacey ist genial-fies wie immer (obwohl man sich an dieser Stelle fragen muss: Wann war er eigentlich das letzte Mal in einem Film zu sehen, der seiner gerecht wird?), Jennifer Aniston überrascht als nymphomanes Vamp und Colin Farell hat einen ähnlich unerwartet genialen, wenn auch viel zu kurzen, Auftritt wie einst Tom Cruise in „Tropic Thunder“. Neben dieser spaßigen Riege der „Horrible Bosses“ verblassen die eigentlichen Hauptdarsteller Jason Bateman, Jason Sudeikis und Charlie Day schon fast, aber auch ihnen gelingt es, so manchen halbgaren Gag in den grünen Bereich herüberzuretten und besonders Jamie Foxx hat in seiner unkonventionellen Rolle die Lacher auf seiner Seite.
Wirklich störend ist an „Kill the Boss“ nur, dass sich die Macher scheinbar entschieden, sich eher an modern-klamaukigen Chaos-Komödien der Sparte „Hangover“ zu orientieren, statt dem subtil-fiesen Geist klassischer britischer Komödien zumindest im Ansatz die Ehre zu erweisen. Zudem wäre es wünschenswert gewesen, wenn man die Tötungspläne der Protagonisten wenigstens einen Deut ernst nehmen könnte, ein Hauch von Thriller hätte dem Plot mit Sicherheit nicht geschadet. Somit bleibt „Horrible Bosses“ eine typisch amerikanische Komödie, nicht ganz so seicht wie das weitgehend misslungene „Ladykillers“-Remake der Coen-Brüder aus dem Jahre 2004, und etwas origineller als „Tötet Mrs. Tingle!“ (1999), aber dennoch zu feige, um wirklich einen Volltreffer des Galgenhumors zu landen und sich damit mehr als das Prädikat „nett“ zu verdienen.

Wertung: 6.5/10.

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