Biutiful (2010)

Regisseur Alejandro González Inárritu portraitiert in seinem neuesten Werk »Biutiful« gewohnt symbolträchtig die Vergänglichkeit eines Mannes [namens Uxbal] im Diesseits, der mitten im Leben zu stehen scheint. Augenscheinlich in den besten Jahren verkommt dieser jedoch äußerst schnell zu einem verlebten Missbrauchsobjekt der Gesellschaft – sich mühsam durch die verdreckten Trümmer selbiger schleppend, vergeht er indes langsam und zerfällt.
Diesmal linear und weitestgehend personal erzählt entwirft Inárritu eine unreine, von Schmutz nur so triefende Charakterstudie jenes Uxbals, der in wie üblich überzeugender, durchgehend hin-und-her-gerissener Manier vom oftmals finster blickenden Wandlungstalent Javier Bardem verkörpert wird. Dieser schafft es nämlich die zunächst oberflächlich angelegte Darstellung eines Lebensschicksals hin zu einem steten »Dazwischen« zu entwickeln, vergleichsweise einen Mann zu mimen, dessen Schicksal besiegelt ist und der zugleich als ständig vermittelnder Mittelsmann herhalten muss, dabei folgerichtig in einer depersonalisierten, entindividualisierenden Schneise agiert, nur um dann schließlich sein eigenes Leben selbstlos verwahrlosen zu lassen. Der barmherzige Samariter als Symbol ist dementsprechend allgegenwärtig im Gesamtwerk »Biutiful«, das jedoch zudem neben der interzentralen Schlüsselrolle Bardems weitere Schicksale zu beleuchten weiß, die allesamt im Fadenkonstrukt eines Mannes stehen, der unbewusst die gänzliche Last der Verantwortung für all jene zu tragen hat. Eben das ist es, was Uxbal zusehends auf tragische Weise zermürbt, auslaugt, nicht mehr lebensfähig macht, schlichtweg von innen auffrisst. Besonders bitter wird es dann bei den dadurch in den Hintergrund gedrängten, irgendwie sonderbar verzaubernden Kindern, deren schützende Hülle der Illusion Stück für Stück – für alle ersichtlich –abblättert, auf einer tragischen Grenze wankend und schwankend zu fallen droht. Eine Abwärtsspirale gerät also wiedermal kräftig ins Routieren und wird mittels gegenwärtigem, aufblitzendem Kontakt mit dem Jenseits bestärkend untermauert. Auch hier [bzw. dort] wird das »Dazwischen«, eben jene Thematik des Vermittelns vordergründig und letztlich mit der Begegnung des Großvaters schlüssig vollendet.
Abschließend anzusprechen wäre dann wohl noch eine, wenn nicht die Schlüsselszene des Films [keine Sorge – das ist nicht im herkömmliche Sinne ein Spoiler], die sich mit dem involvierten Titel befasst und wohl am treffendsten die vorherrschende Stimmung einfängt, auf die man als Zuschauer schon vorbereitet sein sollte, um nicht einen von Tragik durchtränkten Filmabend zu verleben: Gezeigt wird eine augenscheinlich aus dem Leben gegriffene Interaktion zwischen Vater und Tochter bzgl. einer Vokabel, eines Wortes, das die Schönheit und Güte begrifflich in sich vereint – »beautiful«. Doch was vermeintlich einfach ausgesprochen, gesagt ist, mal so da her geplappert wird, gestaltet sich in dessen praktischer Darstellung und Ausformulierung schwieriger und differenzierter als zunächst angenommen: Sinngemäß fragt Ana nach der Schreibweise des besagten Wortes. Die selbstverständliche Antwort des Vaters beinhaltet den Wortlaut: »So wie man es spricht – Biutiful.«

Wertung: 8.0 / 10

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