Drive (2011)

Ein gelegentlicher Stuntman, der sich als Fahrer bei Raubüberfällen ein bisschen Cash dazu verdient, und es mit einer ganzen Reihe Gangster zu tun bekommt als einer jener Coups schiefgeht. Klingt nach Fast-and-Furious-like Actionfilm mit austauschbaren Charakteren, nebensächlicher Handlung und jeder Menge PS, Muckis und Titten? Weit gefehlt! „Drive“ ist eine fast schon zu wortkarge Fusion zwischen Actioner und ruhiger Charakterstudie, die gekonnt mit den Erwatungen der Zuschauer beider Geschlechter spielt, edel gefilmt und mit einem gewissen 50er-Jahre-Retro-Flair angehaucht sowie mit ungewöhnlicher 80er-Jahre-Disco-Musik unterlegt ist. Somit werden hier ganz leichtfüßig die Charakteristika mehrerer Dekaden vermischt und dem modernen Kino entsprechend modifiziert. Wunderkind/Sonderling Ryan Gosling glänzt wie immer in seinen wohl ausgesuchten Rollen seiner insgesamt qualitativ überdurchschnittlich hochwertigen Filmographie und nuschelt sich glaubhaft kernig durch seine spärlichen, aber pointierten Dialoge. Carey Mulligan guckt konsequent hinreißend verzweifelt und weckt den Beschützerinstinkt der männlichen Zuschauer, ein Wehrmutstropfen für jene, die knappe Höschen, Silikon und fette Beats von 50 Cent und Konsorten erwartet hatten, während die zarte, erwachsen wirkende Romanze der beiden Protagonisten nur ein Nebenstrang der Handlung bleibt.
Trotzdem ist „Drive“ bei Weitem kein weichgespülter Charakterfilm, der sich im Glanz seiner durchaus ansehnlichen Karren suhlt, es gibt einige wirklich fesselnde Verfolgungsjagden, die zwar dem modernen Trend folgend verflucht schnell geschnitten sind, jedoch erkennt man im Gegensatz zu vielen Actionfilmen der jüngeren Vergangenheit immer noch wo oben, unten, rechts und links ist. Ryan Gosling verzieht dabei keine Miene, verliert weder den Feind aus dem Auge noch den Coolness-verheißenden Zahnstocher aus dem Mundwinkel, auch nicht, wenn „Drive“ nach erwähntem schief laufenden Coup deutlich an der Gewalt-Schraube dreht und sich neben deutlich anteigender Blechschaden-Quote auch der Bodycount unverkennbar erhöht. Wider der zu Beginn bei teils schwelgerischen Kamerafahrten geschürten Erwartungen, gibt es in der zweiten Hälfte des innovativen Films in sytlishen Bildern ordentlich auf die Fresse und das Blut spritzt in alle Himmelsrichtungen.
„Drive“ ist eine überaus gelungene Genre-Mixtur, die zunächst vertrackt anzumuten scheint, jedoch zu keiner Zeit unausgewogen oder seltsam wirkt, sondern gerade so, als wären Actionfilm, Charakterstudie, Gangsterdrama und Quasi-Disco-Musik schon immer in ein und denselben blutigen Topf geworfen worden. Dass der Zuschauer diesen innovativen Stilmittel-Cocktail als fast schon selbstverständlich im positiven Sinne hinnimmt, ist nicht zuletzt der hochspannenden, temporeichen und mit knappen 100 Minuten auskommenden, knackigen Erzählweise des Regisseurs Nicolas Winding Refn zu verdanken. Der sprichwörtliche frische Wind im diesjährigen amerikanischen Kino hat nicht nur ordentlich Pferdestärken unter der Haube, sondern auch Herz, Substanz und verdammt viel Fingerspitzengefühl für eine gute, packende Story. Hervorragend!

Wertung: 8.5/10.

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