Drag Me to Hell (2009)

Regisseur Sam Raimi weiß natürlich um sein exzeptionelles »Tanz der Teufel«-Image und und labt sich an diesem in konsequenter Manier gewohnt skurril. Dabei verleiht er »Drag Me to Hell« einen eleganten, kontrastreich phantastischen Look, der dadurch immer wieder geschickt die dennoch stets präsente Horroratmosphäre scheinbar vergessen macht, nur um dann wieder, zum wiederholten Male den Alte-Omi-Schocker zu bringen. Man könnte diesem Aspekt kritisch gegenüberstehen, vollzieht dieser doch die Gratwanderung zwischen Mir-fällt-keine-Handlung-mehr-ein und formaler Tradierung zur tiefergreifenden Auseinandersetzung mit dem Handlungsstoff, der ja mal so gar nicht originell daherzukommen scheint.
Zugegeben ist »Drag Me to Hell« schnell erzählt und bedarf hier keiner weiteren Ausführung, und dennoch strahlt er zu keinem Zeitpunkt jene Plumpheit aus, die seinen zeitgeschichtlichen Genre-Vertretern nur allzu oft anhaftet. Die Situation ist bedrohlich und wechselt im munteren Fangspiel zwischen Ernst und Flachs, überzeichnet maßlos und ist sich dessen jederzeit bewusst. Diese selbstreflexive Ader ermöglicht die Realisierung formaler Effekte, die durch das gewählte Setting begünstigt werden: Der Plot ist phantastisch, erlaubt surreale Elemente und zieht so dem Zuschauer auf gewohnt hässliche Weise (Omi!) den Boden unter den Füßen weg – dem Erwartungshorizont werden folglich keinerlei Grenzen gesetzt, die eigentlich konventionell vorhanden sein müssten. Wiederum geschickt wird der ablaufende Zeitaspekt mit ins Kalkül eingebunden, sodass der ganze Spuk auf einen Twist hinauslaufen kann, der dagegen nicht so wirklich vom Hocker zu reißen weiß. Hier fängt dann auch das Kränkeln an.
Alison Lohmann als zentrale Protagonistin Christine wirkt anfangs zwar schüchtern und doch auf Zack. Ihre Auffassungsgabe leidet dann aber zunehmends im weiteren Verlauf, was sich schlagartig auf die Authentizität des Streifens zum Ende hin auswirkt. Natürlich weiß sie sich keinen Rat, findet einen Seher, vieles scheint vorherbestimmt und der Grund ihres Dilemmas mit der alten Omi kann ja schließlich nur ein Witz oder zielgerichtetes Kalkül seitens des Regisseurs gewesen sein. Christines gute Art eines moralischen Menschen geht keineswegs mit ihrem Schicksal konform und dies bewahrheitet sich sogar über weite Strecken des Films, weshalb dahingehend – neben den regelmäßig eingestreuten Schockmomenten – ein länger weilender Spannungsbogen aufgebaut wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt präsentiert sich »Drag Me to Hell« schauderhaft skurril, weiß vollends zu überzeugen, überdreht die Schraube dann aber in schwindelerregende Höhen und wirkt dadurch wieder gewöhnlich. Man kann dies auch als Ausruhen bezeichnen, jedenfalls stagniert das so behutsam aufgespannte Netz aus WTF-Ekel-Momenten, indem es sich selbst in letzter Konsequenz allzu ernst nimmt und keinen unerwarteten Twist mehr liefert, obwohl es ihm als Film augenscheinlich darauf anzukommen schien. Das Ende ist platt und hätte in seiner Plattheit vollstens, weit überdurchschnittlich zufrieden stellen können, verkackt es aber dann durch den eigens erwählten Anspruch zu verblüffen.
Alles jedoch halb so wild, »Drag Me to Hell«s Fall ist nicht so tief, dass er im Höllenfeuer des Einheitsbreis zu versinken droht. Vielmehr hätte ein Hauch subtileren Fingerspitzengefühls den Furcht einflößenden Horrorfaktor in wirklich ungeahnte Höhen katapultieren können, was ihm dagegen aus besagten Gründen letztlich versagt blieb.

Wertung: 7.0 / 10

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