Brücke nach Terabithia (2007)

Manchmal kann es Vorteile haben, an der Uni einen Kurs über Kinderliteratur zu belegen und im Rahmen dessen gezwungen zu sein, klassische Werke dieser Gattung zu lesen und deren Verfilmungen zu schauen, Werke die an die oftmals unterschätzte Zielgruppe der „Lieben Kleinen“ gerichtet sind. Warum diese Zielgruppe noch immer unterschätzt und demzufolge das Schaffen und auch das Studium der Kinderliteratur von vielen Kritikern und Literaturwissenschaftlern gleichwohl belächelt oder vollends ignoriert wird, bleibt dabei unverständlich, immerhin sind die kleinen Hosenscheißer die schärfsten und dabei ehrlichsten Kritiker und die empathischsten und enthusiastischsten Leser, denn ihnen ist etwas zu eigen, aus dem man mit einsetzender Gesichtsbehaarung (zumindest die Herren der Schöpfung) herauszuwachsen scheint: Fantasie, und zwar en masse! Das macht Kinder zu wichtigen, wenn nicht sogar zu den wichtigsten Literatur -und nicht zuletzt auch Filmkonsumenten, wenn auch viele der sogenannten „Kinderbücher“ oder „Kinderfilme“ durchaus doppelkodiert sind und daher deren vermeintliche Zielgrupppe die Grenzen der Pubertät sprengen und weit bis ins Erwachsenenalter hineinreichen (Man denke da zum Beispiel an den allseits bekannten Zauberlehrling mit der Narbe auf der Stirn).
„Bridge to Terabithia“ ist zwar durchaus auch an ein erwachsenes Publikum adressiert, trägt den Ansprüchen der jüngeren Generation aber respektvoll Rechnung und transportiert die wunderbare Vorlage von Katherine Paterson adäquat auf die große Leinwand. Ohne dabei in Effekthascherei zu verfallen, wird die Fantasie der beiden toll gespielten ProtagonistInnen (dabei ist vor allem AnnaSophia Robb hervorzuheben) subtil und glaubhaft in Szene gesetzt, wobei nicht selten die eigenen Kindheitserinnerungen des erwachsenen Publikums wieder aus der untersten Schublade hervorgekramt werden dürften, wo sie einst vor vielen Jahren einmal in einer Kiste verpackt verstaut wurden, auf der ganz fett „Kinderkram“ geschrieben steht. Zu jenem vermeintlichen Kinderkram gehören auch Werte wie Freundschaft und Familie, und eine ganz unschuldige Sicht auf ebensolche, die hier angenehm unsentimental in Szene gesetzt werden, die erste Liebe, sowie die Schwierigkeiten, sich im Familienverband sowie im Klassen -und Schulalltag zu behaupten, werden ebenso feinfühlig thematisiert. Keineswegs „Kinderquatsch“ also, sondern ernstzunehmende Themen, die uns alle einst betrafen und immer noch, in etwas veränderter Form vielleicht, begegnen und die es zu bewältigen gilt. Irgendwann haben wir das alle mal gelernt, und irgendwann wurden wir alle auch einmal auf kurz oder lang mit dem Tod konfrontiert. So auch unser jugendlicher Held Jess, doch auch die in dieser Story von Anfang an unausweichlich scheinende, ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Tod eines geliebten Menschen geschieht mit realistischer Tragik, ohne dick aufgetragenes Drama oder Kitsch und rührt gerade durch jene Contenance sicherlich den Ein oder Anderen zu Tränen.
Einzig im finalen Akt wird Regisseur Gabor Csupo etwas übermütig und langt ein wenig zu tief in den visuellen Schmalztopf, was dem fantasievollen Filmerlebnis in seiner Gesamtheit allerdings keinen Abbruch tut, besticht sein Film doch ansonsten als eindringliches Abenteuerdrama, das nie bedeutungsschwanger oder gestelzt-konstruiert daherkommt und gewürzt mit wohl dosierten, CGI-generierten Fantasy-Elementen und tollen DarstellerInnen überzeugt. „Brücke nach Terabithia“ ist, und an dieser Stelle wiederhole ich mich gern, ernsthaft, dennoch humorvoll und voller herzerwärmender Momente, nimmt seine jungen ProtagonistInnen sowie seine primäre Zielgruppe für voll und versucht zum Glück gar nicht erst, ihnen den Hollywood-typischen, sentimentalen Käse zu vekaufen. Um mit dem Titel des von der Hauptdarstellerin interpretierten Songs zu schließen: „Keep Your Mind Wide Open“.

Wertung: 7.5/10.

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