30 Minuten oder weniger (2011)

Dann steigen wir mal ähnlich rasant in diesen Text ein und tun es damit Regisseur Ruben Fleischer gleich: Sein neuestes Werk ist Mittelmaß und sich dessen auch irgendwie bewusst, da es keinerlei Andeutungen hin zur Subtilität entwirft. Auf Kurzweil und Geradlinigkeit angelegt, verkümmert die Figurenzeichnung zu einem einzigen Stigma, wir als Rezipienten lernen keine differenzierten Charaktere kennen, sondern eindimensionale Prototypen – den versauten, indischen Best-Friend inkl. handfester, vertrauensbrechender Intrige; die unscheinbar Angebetete mit Screentime-Limes gegen Null, deren Blässe daher auch nicht durch einen vermeintlich entscheidenden Auftritt in höchsten Höhen Konturen erhält; der miese Chef, dem mal gehörig die Meinung gedröhnt gehört; gleich zwei Hillbilly-Volldeppen, deren moralverachtendes Getue extrem nervt und Antipathie aufbauscht, sodass deren Gespräche mit der Zeit nurnoch nerven, dafür aber dann irgendwie doch zu nichtssagend kurzweilig wirken; letztlich zentral der Pizzabote mit dem lockeren Füßchen, dennoch verschüchtert, sogar dort typisch – im Sinne einer Paraderolle für Jesse Eisenberg, ohne zu überraschen, einfach zu unterhalten, Kurzweil zu erzeugen, kein Wagnis einzugehen, um somit auf der sicheren Seite zu sein.
Das ist ja auch alles völlig ok, zumal der Erwartungshorizont vor der Rezeption des Films sowieso nur ein Mindestmaß an Toleranz zuließ. »30 Minuten oder weniger« kann und wird höchstwahrscheinlich eben ausschließlich in seiner eigens prognostizierten Zeitspanne Präsenz im Kopf ausstrahlen, für mehr reicht es nicht. Punktlandung also für Durchschnitt plus/minus Witzfaktor [erzeugt durch Erwartungsbruch bzw. -bestätigung], Sympathie/-verlust bzw. Figurennähe/-ferne, Plotfinesse/-eintönigkeit, musikalische Untermalung/Verunstaltung, sowie Authentizität. Zugegeben klingt das nach reichlich Faktoren zur Beeinflussung der letztlichen Bewertung, diese verkümmern jedoch bei näherer Betrachtung fast gänzlich zu ausgewogenen, abgeschmackten Einzeilern [abzüglich der Ausschmückung natürlich]: Witz/Humor/Kurzweil ist zwar vorhanden, jedoch bleibt das Maß jederzeit überschaubar, da die Erzählstruktur und die einhergehenden Handlungsweisen linear und zudem stereotyp verlaufen, sodass eine gewisse Ausgewogenheit entsteht. Analog verhält sich die Sympathiekeule. Einerseits schwingt sie sanft im Aufbau für Pizzabote Nick, dessen Benachteiligung im Job / im Leben unfair erscheint, sodass ein Lechzen nach Gerechtigkeit entsteht, zumal seine Situation im weiteren Verlauf nicht besser wird – dagegen bewegt sich besagte Keule beim Anblick der beiden Vollpfosten nicht auf schmunzelnde Weise in luftige Höhen, sondern stürzt vielmehr kopfschüttelnd gen Boden, um den beiden mal gehörig einen vor den Latz zu knallen. Denn was soll das bitte? Sofern Ruben Fleischer die beiden reflektiert in Szene setzen würde, einen Entwicklungsprozess zumindest andeuten würde, vielleicht ok, aber … ja, man ahnt es, dafür ist keine Zeit. Man will schließlich zu Potte kommen und dem Zuschauer was bieten: Wären wir auch schon beim nächsten Punkt > Plot. Der verhält sich nämlich wie ein Funktionsplotter aus der Mathematik – vorhersehbar! »30 Minuten oder weniger« versprüht hinsichtlich dieses Aspekts gerade mal ein Tischfeuerwerk. Man merkt dem Film zu jedem Zeitpunkt seine gezwungene Ungezwungenheit an, indem er versucht cool und locker zu wirken, dagegen aber doch nur sein Programm Szene für Szene runterspielt. Das könnte man natürlich als roten Faden bezeichnen, lässt jedoch in seiner linearen Abspulung den Eindruck aufkeimen, dass hier eine [bzw. nahezu alle] Ideen ihre direkte Umsetzung auf den Screen fanden. Frei nach dem Motto ‚Wir brauchen noch eine blubb-Szene, ok, hier ist das Handbuch, so geht das, schau so und so, ok, drin – und weiter!‘ Da liest man in der ersten Inhaltserkundung etwas von einem Bankraub, freut sich auf die Spannungsschraube, die Finesse im Umgang mit einer Bombe und dann – naja. Halt so ein Hin-und-Her. Man weiß nicht so recht. Oder deutet sich nicht hier im Text schon längst eine Richtung an?
Was?
Achso.
»30 Minuten oder weniger« bleibt im Grunde genommen auf der Stelle, bei allem Wanken. Hier kann es zwar nun durchaus mit der mittelmäßigen Musikauswahl oder der Glaubwürdigkeit [in der Reflexion] des Ganzen weitergehen, dies würde jedoch zu einem ebenso einheitlichen Schluss führen wie der Film es selbst über die volle Laufzeit von gerade mal 83 Minuten ausstrahlt: Er weiß sich selbst zu nehmen und macht da auch keinen Hehl draus. Er lässt sich in einer fröhlichen Runde mit gesenktem Anspruch, Bier und Pizza lustig begießen, verliert aber bei tieferer Auseinandersetzung gehörig den Halt unter den Füßen. Ruben Fleischer sollte sich daher fürs nächste Mal mehr Zeit zur Reifung lassen, sein Stil ist nämlich wirklich nicht der mieseste.

Wertung: 5.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 5.5 / 10, Action, Coming-of-Age, Filmkritik, Klamauk, Komödie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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