Gott des Gemetzels (2011)

Die Konstellation der Mitwirkenden in der Theater-Adaption „Carnage“ ist mehr als vielversprechend: Christoph Waltz ist seit „Inglorious Basterds“ nicht ohne Grund der wohl aufstrebendste und überzeugendste deutsche Muttersprachler in Hollywood seit Arnold Schwarzenegger (kleiner Scherz am Rande), John C. Reilly wohl einer der verlässlichsten, oft in Nebenrollen verheizten Charaktermimen des Gegenwartskinos. Kaum eine Schauspielerin ist derart kontinuierlich gut in einer Rollenauswahl ohne wirkliche Ausfälle wie Kate Winslet und vor allem Jodie Foster ist endlich nochmal in einer tragenden Rolle zu sehen, die nicht ihrer Paraderolle der letzten Dekade der verzweifelten, aber dennoch starken und überaus toughen Actionheldin in einer eher eindimensionalen One Woman Show der Sparte „Flightplan“ oder des pseudo-tiefgründigen Selbstjustiz-Reißers mit dem programmatischen Titel „The Brave One“ entspricht. Seit dem klaustrophobischen Fincher-Werk „Panic Room“ hatte man doch allzu oft das Gefühl, Frau Foster würde trotz ihres außergewöhnlichen, zweifach Oscar-prämierten Könnens keine anderen Rollenangebote mehr bekommen, was beinahe zur Folge hatte, dass ihr der Stempel einer festgefahrenen Mimin aufgedrückt worden wäre, welche ihre Rollen aufgrund des Profites und ihres mutwillig aufgesetzt wirkenden Images der junggebliebenen Kämpferin auswählt. Nun gut, sowohl ihr kurzer, wenn auch wenig überzeugender Auftritt in „Inside Man“ (Foster ist einfach nicht für Nebenrollen gemacht), das Kinderabenteuer „Nim’s Island“ und der gefloppte Reanimationsversuch ihres langjährigen Busenfreundes Mel Gibson „The Beaver“, versprachen wieder mehr Vielseitigkeit. In Polanskis neuestem Kammerspiel nach dem 1994er „Der Tod und das Mädchen“ kann sich der einstige Kinderstar nun endlich wieder von ihrer besten Seite zeigen, eine lang erwartete Chance, die Jodie Foster hin und wieder etwas zu sehr mit einem Hang zum Hysterischen zu nutzen weiß, meistens aber äußerst nuancenreich das kleine aber erlesene Cast anführt. Neben Foster ist auch Christopher Waltz erwähnenswert, der in Polanskis zermürbend redseligen Film die Mehrheit der Pointen-reichen, effektiv gesetzten Lacher auf seiner Seite hat.
Die polnische Regie-Legende Roman Polanski weiß die merklich für die Bühne konzipierte Prämisse seiner amüsanten Streitigkeiten, die ausschließlich in einem Appartement ausgefochten werden, und geradezu irrsinnige, tief menschliche Wendungen nehmen, die einzig zu Beginn etwas gekünstelt wirken, bis die aberwitzigen Dialoge eine köstlich gallige Eigendynamik entwickeln, effizient für die große Leinwand zu nutzen. Somit ist „Carnage“ ein beinahe makellos inszeniertes, aber definitv fulminant agiertes Ensemblestück, für alle die gepflegtes, treffsicher humorvolles und angenehm geschwätziges Schauspielerkino lieben.

Wertung: 8.0/10.

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