Haywire (2011)

Was Hollywood-Sonderling Steven Soderbergh hier auf die Leinwand wirft, würde gerne dem schlichten, unterkühlten Action-Spionage-Thriller wie er besonders in den 1980ern Konjunktur hatte, Tribut zollen. Gleichzeitig erinnert die Inszenierung in ihrer nonchalanten Gelassenheit nicht selten an Sonderberghs Clooney/J.Lo-Vehikel „Out of Sight“. Das Cast ist für Cineasten wie für Mainstream-Kinofans ein wahres Fest, vereint es doch Größen wie Michael Douglas, mittlerweile gestandene Mimen wie Ewan McGregor und Michael Fassbender mit einem der rar gewordenen Auftritte des Antonio Banderas, und damit verbunden auch mit einem freudigen Wiedersehen, dass man im Falle Banderas‘ schon fast mit Nostalgie synonym verwenden könnte, sowie auch mit aufstrebenden Darstellern wie Channing Tatum und eben Hauptdarstellerin Gina Carano. Letztere wirkt allerdings trotz nicht von der Hand zu weisender Attraktivität seltsam farblos, ihr fehlt es an dem Charisma einer ihr nicht unähnlich sehenden Catherine Zeta-Jones, und erinnert in manchen Momenten statt an jene feurige und zudem talentierte Schönheit, eher an TV-Dumpfbacke Mariella Ahrens, Ihr wisst schon, die Buntstift-Gräfin aus dem Dschungelcamp.
Kurzum, Carano trägt „Haywire“ nicht und füllt ebensowenig die klaffenden Lücken, die der teils holpernde Plot hinterlässt. Soderberghs stoische Ruhe ändert nicht wirklich etwas daran, vielmehr wirken auch die eingestreuten, ziemlich gut choreographierten Kämpfe unserer Heldin seltsam ermüdend und genau wie sie, irgendwie nicht besonders. Zwar ist es durchaus lobenswert, dass „Haywire“ ohne Sexszenen, Pathos und Explosionen auskommt, dumme Sprüche wie sie etwa Bruce Willis gerne in den Mund gelegt werden, fehlen ebenfalls. Bemerkenswert ist an dieser Stelle jedoch, dass gerade jener Moment, der am ehesten das Attribut „dummer Spruch“ verdienen würde, auch gleich das wohl größte Amusement des ganzen öden Films darstellt: Wer bis zum bitteren Ende durchhält, darf also schmunzeln.
„Haywire“ verheddert sich in allzu vielen mutwillig eingeflochtenen Handlungssträngen, die irrelevant wirken und schafft es zu selten, wirkliches Interesse beim Zuschauer für die Figuren und deren manchmal wenig nachvollziehbaren Handlungen zu provozieren. So ist Soderberghs neuestes Werk optisch und formal durchaus gelungen, da es den Flair der 80er-Spionagethriller zu Zeiten des Eisernen Vorhangs in respektbaler Manier kopiert und variiert, scheitert aber an der wichtigsten Hürde des Genres: Der Spannungsbogen wird nicht genug gespannt, der Film kommt nie wirklich in Fahrt, viele Action-Sequenzen sind im Ansatz vielversprechend und verlaufen schließlich im Sand, und das Drehbuch ist zudem erschreckend humorlos sowie mit Dialogen versehen, denen es deutlich an Würze fehlt.
Schade, denn dadurch rutscht ein fantastisches Cast dank unambitioniert wirkender Regie und einer faden Made als Hauptdarstellerin in die gepflegte Langeweile und, ja, sogar ein wenig unter den Durchschnitt. Zumindest wenn man eine Messlatte anlegt, die einem Namen wie Soderbergh normalerweise gebühren sollte.

Wertung: 4.0/10.

Nachtrag: Erst nachdem ich diese Review kurz nach der Sneak-Sichtung des Films in die Tasten gehauen hatte, las ich bei meinen eingehenden Recherchen, dass Frau Carano eigentlich Profi-Kampfsportlerin ist (oder war?), was ihre auffallend zahlreichen Martial-Arts-Szenen sowie ihre breiten Schultern und das spärliche mimische Ausdrucksvermögen erklären sollte und weshalb ich fairerweise zugeben muss, etwas zu hart mit ihrem Wechsel ins Schauspielfach ins Gericht gegangen zu sein. Das macht den Film im Großen und Ganzen aber auch nicht unbedingt besser.

Dieser Beitrag wurde unter 4.0 / 10, Action, Drama, Filmreview, Krimi, Sneak! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Haywire (2011)

  1. blockbusterandmore schreibt:

    Hhhhm, klingt beinahe exakt nach dem, was ich von dem Film erwarte, nämlich nen typischen mehr Schein als Sein Vertreter, optisch und technisch hui, innen pfui…Haywire werd ich mir also, auch aus diesen Gründen, später mal zu Gemüte führen… :)

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